Die Störche Oberschwabens



Kißlegg



2017: Auf dem Neuen Schloss residiert wieder unser altbekanntes Paar. Und dieses Jahr scheinen die Bemühungen der beiden endlich mal wieder von Erfolg gekrönt zu werden. Ein einziges Junges haben die Kißlegger zu versorgen. Ob es zu Beginn vielleicht noch weitere Küken im Nest gab, wissen wir nicht.
Das Kißlegger Paar hat allerdings Nachbarn bekommen. Auf dem Kamin des Alten Schlosses (bei den Kisslegger Adebaren schein eindeutig eine Affinität zu Schlössern zu bestehen) bauten sich ein junger Storch aus Bad Waldsee und sein unberingter Partner ein Nest und schritten auch sogleich zur Tat. Auch hier wird gebrütet. Sie sind jedoch um Einiges später dran als die Alteingesessenen, und aus den Eiern war bei der letzten Nestbeobachtung am 24. Mai noch nichts geschlüpft.

Juli: Am 8. Juni versuchte die Leutkircher Feuerwehr zwecks Beringung des – zu diesem Zeitpunkt übrigens ziemlich unterernährten – Kißlegger Jungstorchs das Nest auf dem Schloss zu erreichen. Vergeblich. Die Drehleiter ist angeblich einen Meter kürzer als diejenige der Wangener Feuerwehr und dieser Meter war wohl entscheidend. Wir erreichten trotz mehrmaliger Versuche und Reduktion des Gewichts im Korb (zum Schluss nur mit einer Person) den Horst nicht, und so wird der Kißlegger ohne Personalausweis ausfliegen.

Das Nest der Nachbarn auf dem Alten Schloss war zu diesem Zeitpunkt übrigens verlassen. Anscheinend war die Brut abgebrochen worden oder das bzw. die geschlüpften Küken mehr oder weniger unmittelbar nach dem Schlupf gestorben. Ob dieses Nest nächstes Jahr wieder besiedelt wird?

2016: In Kißlegg brüteten wieder der Storch aus Pfohren (Baar) und die Französin. Leider gehören sie zu den Unglücklichen, die durch die Eisheiligen ihren gesamten Nachwuchs – es waren mindestens zwei Junge – verloren. Kißlegg gehört schon zu einer Allgäu-Region, in der es sehr heftig regnen kann. So wurde mir am Pfingstsonntag-Morgen gemeldet, dass ein Storch auf den Straßen Kißleggs herumgeirrt und eingefangen worden war. Es war die Brutstörchin, die wegen ihres pitschnassen Gefieders nicht mehr auf ihren Horst hinauffliegen konnte. Man ließ sie umgehend frei. Am selben Abend, vielleicht aber auch schon am Tag zuvor, waren die beiden Jungstörche tot.

2015: Diesmal ist die Störchin, ein aus dem Elsass stammendes Weißstorch-Weibchen, dem Kißlegger Horst treu geblieben. Sie erschien zusammen mit ihrem Gatten in den ersten Märztagen. Vermutlich ist auch er derselbe wie im letzten Jahr, allerdings konnte er bisher noch nicht eindeutig identifiziert werden.
Das erste Ei wurde ausgangs März gelegt, Anfang Mai waren die ersten kleinen Storchenküken im Nest zu sehen.

Juli: Die Identität des Männchens ist geklärt: Die Störchin hat denselben Gatten wie letztes Jahr. Das Paar hatte bis Mitte Mai drei Junge zu versorgen, schließlich überlebte jedoch nur eines. Angesichts der Tatsache, dass der Jungstorch seit Ende Mai die ganze Fürsorge der Eltern bekam, war sein Ernährungs- und Entwicklungszustand im Alter von knapp sechs Wochen, als man ihn beringte, geradezu erschreckend. Mindestens zwei Wochen in der Entwicklung zurückgeblieben, wog er gerade mal die Hälfte vom Optimalgewicht eines sechswöchigen Storchenweibchens und noch deutlich weniger als die Hälfte des Gewichts eines Storchenmännchens in diesem Alter. Die Nahrungsgebiete um Kißlegg sind eigentlich nicht schlecht (in den dem Horst unmittelbar benachbarten Feuchtwiesen führen allerdings häufig Spaziergänger ihre Hunde aus), auch das Wetter war ganz passabel; sind Störungen durch Fremdstörche verantwortlich oder sind die Storcheneltern bei der Futtersuche etwas nachlässig?
Zwar hat der Kißlegger Jungstorch erheblich länger dazu gebraucht als die meisten seiner jungen oberschwäbischen Artgenossen, aber schließlich hat er es doch geschafft und hat seine kritische Nestlingszeit überstanden. Jetzt heißt es aber fleißig üben und das Fliegen lernen, denn bis sich die Jungstörche sammeln dauert es nicht mehr lange, und schließlich will man doch mit auf die Reise in den sonnigen Süden.

2014: Die letztjährige Kißlegger Störchin ist umgezogen, denn in Kißlegg hatte sie keinen Erfolg, woran möglicherweise das Wetter eine Mitschuld trägt. Allerdings suchte sie sich nicht etwa einen niederschlagsärmeren Ort, sondern versuchte zunächst ausgerechnet in Isny Fuß zu fassen. Von dort jedoch nach etwa zwei Wochen von einer angestammten Brutstörchin vertrieben, verschlug es sie nach Mailand (nicht im sonnigen Italien, sondern bei Leutkirch...), und dort brütet sie jetzt.
Das in Pfohren auf der Baar gebürtige Männchen blieb jedoch Kißlegg treu, und diesmal hat er sich eine Elsässerin mitgebracht, die an ihrem großen weißen Ring mit schwarzen Buchstaben kenntlich ist. Seit den ersten Apriltagen sitzen die beiden abwechselnd auf einem Gelege. Hoffen wir, dass dieses Jahr etwas draus wird.

Juni: Erste erfolgreiche Storchenbrut in Kißlegg! Anfang Mai schlüpften in Kißlegg auf dem Schloss drei kleine Störche, die dank der diesjährigen optimalen Witterung zur Freude der Kißlegger Bürger alle durchkamen. Am 11. Juni wurden sie mit Hilfe der Drehleiter der Wangener Feuerwehr beringt und wogen jeder um die 2,6 Kilogramm. Lange wird es nun nicht mehr dauern, bis sie erstmals den Sprung von ihrem Nest wagen und selbst auf Futtersuche auf den Kißlegger Feuchtwiesen gehen.

2013: Neuer Brutort Kißlegg!
Nachdem die auf dem Schloss angebotene Nistunterlage jahrelang leer blieb, wurde sie nun endlich von einem Brutpaar angenommen.
Der Horst ist außerordentlich schlecht einsehbar, da sich keine erhöhten Punkte in der näheren Umgebung Kißleggs befinden und der Horst von hohen Gebäuden und Parkbäumen umgeben ist. Selbst die Ablesung der Ringe ist schwierig.
So kostete es mich ziemlich viel Zeit und Geduld heraus zu bekommen, dass das Männchen von der Baar stammt (aus Pfohren) und zwei Jahre alt ist. Die Dame konnte ich wegen ihrer überwiegenden Abwesenheit vom Horst (d.h. immer wenn ich gerade zugegen war) bisher nicht identifizieren. Mit der Brut begannen sie Anfang Mai. Als ich den Horst am 7. Juni das letzte Mal beobachtete, waren dem Verhalten der Altstörche nach zu urteilen noch keine Jungen geschlüpft.

August: So, jetzt ist auch endlich die Storchendame entlarvt: Ihr Ring weist sie als gebürtige Ipsheimerin aus Mittelfranken aus. Auch das Alter kann sie nicht verhehlen. Sie ist ja mit zwei Jahren recht jung, da hat sie das auch noch nicht nötig.
Anscheinend war das Paar doch noch für eine Brut zu unerfahren, denn meines Wissens wurde keine Fütterung von Jungen beobachtet, und offensichtlich ist aus dem Gelege nichts geschlüpft. Na, vielleicht kommt das Paar ja wieder und es klappt im nächsten Jahr.






Startseite