Die Störche Oberschwabens



Die vergangenen Jahre seit 2004


Das Storchenjahr 2015

Es ist wieder Frühling – auch wenn uns das Wetter an Ostern das manchmal vergessen ließ – und unsere Frühlingsboten haben ihn mitgebracht.
Recht früh, schon mit den ersten warmen Sonnenstrahlen im Februar, erschienen die ersten Störche, und mittlerweile sind auch schon fast alle eingetrudelt. Einige ganz junge Störche, die in diesem oder nächsten Jahr ihre erste Brut beginnen werden, sind aber noch auf der Suche nach einem geeigneten Platz, und so sieht man in der letzten Zeit immer wieder „Fremdstörche“ an den besetzten Nestern Unruhe stiften.

In den meisten Horsten sind Junge geschlüpft, und viele haben jetzt auch ihre kritische Nestlingszeit (die ersten sechs Wochen) überstanden. Es wird keine so gute Saison wie im letzten Jahr, denn die tiefen Temperaturen in den letzten Maitagen forderten ihren Tribut. Trotzdem sieht es nicht allzu schlecht aus. So haben in fast allen Horsten, in denen Küken geschlüpft waren, mindestens eines oder zwei überlebt.

Auffälig ist dieses Jahr, dass die Jungstörche erstaunlich lange von jeweils einem der Altstörche bewacht werden. Sehr wahrscheinlich sind die vielen Fremdstörche, überwiegend noch nicht brutwillige "Halbstarke", die überall Rabbatz machen, daran schuld.

Das Storchenjahr 2014

Früher als erwartet sind sie zurückgekommen, unsere Adebare, und diesmal hatten sie wirklich den Frühling im Gepäck. Und so klappert es wieder lustig von Kirchtürmen und Dächern in den Städten und Dörfern Oberschwabens. Nach dem letztjährigen Desaster misstraute allerdings mancher Storch seinem bisherigen Brutort und wechselte das Nest. Auch gibt es wieder blutjunge Neuankömmlinge, manche drei oder sogar erst zwei Jahre alt, die ernsthaft daran denken, erstmals eigenen Nachwuchs aufzuziehen. Kämpfe an den Horste blieben daher nicht aus, und so mancher alteingesessene Brutstorch musste sich mächtig ins Zeug legen, um seinen Horst zu behalten. Jetzt ist aber an vielen Orten bereits etwas Ruhe eingekehrt, dienn die meisten Paare sitzen auf ihren Gelegen. Wünschen wir ihnen besseres Wetter und mehr Glück als im letzten Jahr.

Ende Juni: Unser Wunsch ist in Erfüllung gegangen, Petrus hatte dieses Jahr ein Einsehen. Das Wetter war in dieser Brutsaison nahezu optimal, und so wurden in den Horsten viele Junge groß. In den meisten Nestern konnten drei oder sogar vier Junge beringt werden.
Die Weißstorchbetreuer Oberschwabens haben dieses Jahr deshalb auch alle Hände voll zu tun, weshalb die zweite Aktualisierung dieser Internetseite heuer etwas länger als sonst auf sich warten ließ. Der Leser möge ihnen das bitte nachsehen.

In der Landesschau vom 25.06.2014 erschien ein Interview mit Ute Reinhard.

September: Es ist leider schon wieder so weit: Der Sommer ist nahezu vorbei und unsere Störche, zumindest die Jungen, sind abgezogen. In den allermeisten Horsten haben es die beringten Jungstörche bis zum Ausflug geschafft. Nicht alle von ihnen konnten jedoch die Reise in den Süden antreten. Einige verunglückten an Strommasten, einigen anderen wurde bei ihren ersten Übungsflügen das stürmische Wetter zum Verhängnis. Insgesamt sind zwanzig Jungstörche Oberschwabens nach ihrem Ausflug noch in der Nähe ihres Geburtsortes umgekommen, was etwa 7 % der in diesem Jahr hier insgesamt flügge gewordenen Adebare entspricht.
Bei den meisten Horsten, in denen zum Zeitpunkt der zweiten Aktualisierung dieser homepage im Jahr 2014 die Beringung bereits stattgefunden hatte und alle Jungstörche problemlos ausgeflogen und abgezogen sind, wird dieses Mal aus Zeitgründen keine dritte Aktualisierung erfolgen (die zweite Aktualisierung war ja recht spät und daher wurde das Wesentliche bereits berichtet). Der Leser kann in diesen Fällen davon ausgehen, dass alle beringten Jungstörche dieser Horste in ihrer neunten bis elften Lebenswoche (selten auch erst in der zwölften Lebenswoche)  flügge wurden, sich ab Anfang August in Trupps sammelten und sich mit Beginn der Schönwetterperiode ab dem 17./18. August zielgerichtet nach Südwesten auf die Reise begeben haben. 

Da die Vogelwarte Radolfzell dieses Jahr unter vielen anderen europäischen Weißstörchen auch einige Störche in Oberschwaben besendert hat – und zwar in Ablach, Bichtlingen, Königseggwald und Krauchenwies  –, können wir die Reise diesmal ganz genau verfolgen, und zwar über die app "animal tracker", die sich jeder, der ein Smartphone oder Tablet mit Android oder Apple zur Verfügung hat, von Google play herunterladen kann. Es wird auf jeden Fall spannend.

Karte für 2014

Karte 2014 Langenau Achstetten Ersingen Einhart Baitenhausen Blitzenreute Ablach Risstissen Schemmerhofen Baltringen Bad Schussenried Spöck Ernatsreute Hochberg dellmensingen zwiefalten ochsenhausen mailand leutkirch kisslegg amtzell wangen obersulmetingen Altheim bei riedlingen wilflingen betzenweiler reichenbach ebersbach menningen algershofen Griesingen Datthausen Mengen Ennetach Scheer Wolfegg-Wassers Großschönach Ostrachwangen Mochenwangen
Grundlage: Reliefkarte 1:600 000 Baden-Württemberg
©Landesvermessungsamt Baden-Württemberg (www.lgl-bw.de), vom 27.05.04, Az.: 2851.3-A/372.

Das Storchenjahr 2013

War wohl nichts, dieses Jahr, mit Frühlingsbote und so.....

April: Im Gegensatz zu uns lassen sie sich's allerdings nicht verdrießen. Teils schon im Februar aus dem Winterquartier zurückgekehrt, bauen unsere Störche seitdem bei eisigem Wind in luftiger Höhe fleißig an ihren Nestern, paaren sich, als ob es Frühling wäre und zeigen sich ziemlich unbeeindruckt von der Kälte. Die meisten sitzen sogar schon auf ihren Eiern.

11. Juni: Es ist heuer wahrhaftig kein gutes Jahr für die Störche. Einigen ist bei der Kälte Ende März und Anfang April das Gelege erfroren. Dann kamen zwei nasse Kälteperioden um den 10. Mai und zwischen dem 22. und 26. Mai mit zum Teil Schnee und Graupelschauern, die jedoch fast alle kleinen Störche erstaunlich gut überstanden. Allerdings sind wohl einige Eier verpilzt, denn auch aus einigen späteren Gelegen schlüpfte nichts. Am 27. und 28. Mai schien dann zeitweise die Sonne und es blieb trocken, der Wetterbericht kündigte aber schon eine weitere Schlechtwetterperiode an, diesmal langandauernd und mit  heftigen, nicht enden wollenden Regengüssen und für die Jahreszeit extrem niedrigen Temperaturen. Das ließ nichts Gutes ahnen und es war zu befürchten, dass die jungen Störche diese Periode großteils nicht überleben würden. Ja, und so kam's dann auch. Ein Großteil der bereits geschlüpften Küken starb. In vielen Nestern gab es Totalverluste, in manchen blieben noch ein oder zwei kleine Störche am Leben. Die meisten starben um den Monatswechsel Mai/Juni, und am Ende der Periode, am 3. Juni, musste eine traurige Bilanz gezogen werden: 80 Prozent der bis dahin geschlüpften Jungstörche waren tot, die schon Größeren im Alter von vier bis fünf Wochen, die nicht mehr von ihren Eltern geschützt werden konnten, traf es besonders schlimm.  Es bleibt nur zu hoffen, dass die wenigen Überlebenden und die Nachzügler, die erst Anfang Juni geboren wurden, jetzt wenigstens von Petrus verschont werden und nicht noch weiteres Leid ertragen müssen.

August: Fast alle der spät Geschlüpften hatten mit dem Wetter Glück, und so werden doch noch einige Diesjährige den Zug in den Süden antreten. Die ersten Störche sammeln sich schon. Noch wenige Wochen, dann wird es ruhig werden in den Horsten Oberschwabens. Wir werden das Geklapper vermissen.

Fundmeldungen von Störchen, die in Horsten Oberschwabens geboren wurden (Meldungen 2001-2013)

Karte für 2013

Karte Juli 2011 Langenau Baitenhausen Buggensegel Blitzenreute Ablach Risstissen Schemmerhofen Baltringen Bad Schussenried Spöck Ernatsreute Hochberg
Grundlage: Reliefkarte 1:600 000 Baden-Württemberg
©Landesvermessungsamt Baden-Württemberg (www.lgl-bw.de), vom 27.05.04, Az.: 2851.3-A/372.

Das Storchenjahr 2012

Sie sind wieder da, unsere Frühlingsboten. Und mit ihnen kam tatsächlich der Frühling. Die ersten Störche erschienen schon im Februar, sehr viele kamen Anfang März, als es schon richtig warm wurde. Es gab wieder einige Irrungen und Wirrungen, Horstwechsel und Kämpfe. Manche letztjährig besetzten Horste blieben verwaist, einige andere Nester wurden neu gebaut. So langsam kehrt aber Ruhe ein, viele Adebare sitzen bereits auf einem Gelege. Und – man glaubt es kaum – auch Siggi und Roy wollen es dieses Jahr mit einer verschiedengeschlechtlichen Partnerschaft probieren. Das Männchen-Paar hat sich nach langjähriger Treue getrennt (siehe Bad Waldsee, Ingoldingen und Ölkofen), mal sehen, was daraus wird.

Anfang Juni: Es ist soweit. In allen Horsten, in denen gebrütet wurde, sind die Jungstörche geschlüpft. Einige sind schon so groß, dass sie bereits beringt werden konnten. Zwar forderten die Eisheiligen und die Unwetter um den 20. Mai ihren Tribut, doch haben die meisten kleinen Störche diese Widrigkeiten überlebt, so dass es bisher recht gut aussieht. In Bad Saulgau sind sogar fünf Junge im Nest, die auch vermutlich alle ihren Ausflug erleben werden.
Glücklicherweise gibt es auch bisher kaum Verluste bei den brütenden Altstörchen. Allerdings hat sich das letztjährige Drama von Scheer in diesem Frühjahr in einem anderen Horst wiederholt, und diesmal wurden sogar gleich zwei Jungstörchen die Beine von einem Schnurknäuel abgeschnürt (siehe Zußdorf). Abfälle in der Landschaft werden also zunehmend zu einem Problem.

August: Unsere kleinen Störche sind mittlerweile nahezu erwachsen geworden. Schnäbel und Beine bekommen mehr und mehr ein leuchtend orangefarbenes Aussehen, so dass die Jungen kaum noch von den Alten zu unterscheiden sind. Auch haben bis auf wenige Nachzügler inzwischen alle den Sprung in den Luftraum und ins neue Leben gewagt.  Es ist eine unfallträchtige Zeit, denn sie sind noch wenig erfahren und ihre Flugkünste nicht perfekt. Und wenn dann noch – wie immer wieder in den letzten Wochen – böige Winde herrschen, kann dies dem einen oder anderen Jungstorch zum Verhängnis werden. Auch unter den Altstörchen kamen im Juni und Juli noch einige um, entweder durch Stromschlag an Mittelspannungsmasten oder durch den Straßenverkehr. Glücklicherweise (sofern man dieses Wort hier gebrauchen sollte) betraf es aber mit einer Ausnahme keine Brutvögel, sondern Störche aus herumziehenden Trupps.

Die Liste der Wiederfundmeldungen in Oberschwaben geborener Störche konnte 2011 wieder beträchtlich erweitert werden, weil wieder sehr viele Ringe abgelesen wurden. Hier kann sie als pdf-file heruntergeladen werden.

Karte für 2012

Karte Juli 2011

Langenau Baitenhausen Buggensegel Blitzenreute Ablach Risstissen Donaustetten

Das Storchenjahr 2011

Auch wenn jetzt Mitte April mancherorts doch noch die eine odere andere Schneeflocke fällt: Keiner wird es bestreiten, der Frühling kommt mit Macht, beglückt uns zuweilen schon mit sommerlichen Temperaturen. Und auf den oberschwäbischen Dächern klappert es wieder. Frau Storch und ihr Gatte bauen wieder eifrig am Nest, man begrüßt sich lautstark bei jeder Ankunft am Nest, vertreibt mit Geklapper und Gezische fremde Adebare, die sich auch für den Horst interessieren. Schon Ende März waren viele Horste besetzt, Anfang April – das Wetter war wunderschön und es herrschten gute Aufwinde – kam dann aber nochmals ein Schwung Weißstörche aus dem Winterquartier zurück, und es herrschte an vielen Horsten Aufregung ob der Kunkurrenten, die da am Himmel schwebten. Zur Freude der Anwohner wurden zu dieser Zeit einige neue Orte besiedelt.
Mittlerweile hat sich die Storchenwelt etwas beruhigt, und in vielen Nestern wird schon gebrütet. Hoffen wir, dass dieses Jahr Petrus ein Einsehen hat und die Störche zur Brutzeit nicht wie im letzten Jahr mit grausligstem Wetter malträtiert.

Juni: Tatsächlich scheint Petrus dieses Jahr den Störchen wohlgesinnt. Es gab bisher nur geringe wetterbedingten Verluste. In vielen Horsten tummeln sich drei, in manchen sogar vier Junge in meist gutem Ernährungszustand. Zwar starben oft die Nesthäkchen (möglicherweise war bei der herrschenden Trockenheit und dem guten Mäuseangebot recht früh auf die Verfütterung von Mäusen umgestellt worden), aber im Großen und Ganzen sieht es bisher recht gut aus.
Trotzdem gab es in einigen Horsten Totalausfälle, bei denen wahrscheinlich mangelnde Fähigkeiten der Altstörche eine Rolle spielen. Es handelt sich nämlich in fast allen Fällen um Horste, die von überwinternden Störchen oder zumindest überwinternden Männchen besetzt sind (bzw. von Störchen besetzt sind, bei denen eine Überwinterung in Mitteleuropa wahrscheinlich ist). Nach bisherigen Beobachtungen nutzen überwinternde Störche bevorzugt niedrige, gemähte Wiesen zur Nahrungssuche. Diese sind aber dieses Jahr stark ausgetrocknet, auf Regenwurmfang spezialisierte Störche haben höchstens auf besprengten Sportplatz-Rasen eine Chance.
Eigentlich ist es also ein gutes Jahr für unsere Adebare. Und die Storchenbetreuer könnten zufrieden sein, wären da nicht die zahlreichen Unfälle, die sich dieses Jahr durch Zufall extrem häufen. So verunglückte von vier oberschwäbischen Horsten, in denen gebrütet wurde bzw. schon Junge zu versorgen waren, jeweils ein Altstorch; ein Junges wurde in seinem Nest mit gebrochenem Flügel aufgefunden; ein Jungstorch war mit Bauch und Beinen in ein Seilknäuel verstrickt und musste regelrecht aus dem Nest freigeschnitten werden; Nesthäkchen fielen lebend aus dem Nest und mussten versorgt werden; Brutmännchen humpeln und müssen im Hinblick auf die Versorgung ihrer Jungen beobachtet werden. Wir haben also alle Hände voll zu tun und sind teilweise bis spät in die Nacht unterwegs. Deshalb möge man uns verzeihen, wenn die zweite Aktualisierung dieser Internet-Seite dieses Jahr nun etwas verzögert erfolgt und auch Bilder erst später ergänzt werden, wir kommen einfach nicht dazu.

Anfang August: Bald ist es soweit! Die Jungstörche sammeln sich schon. Sie verlassen endgültig ihre Eltern und ihre Geburtsnester und erkunden die Umgebung. Es wird nicht mehr lange dauern – die nächste stabile Wetterlage wird noch abgewartet -, dann werden sich die ersten Jungstorchtrupps auf die große Reise begeben.

Karte Juli 2011 Langenau

Paten für Oggelshausener Jungstorch gefunden

Das Storchenjahr 2010

Als es bei uns am 6. März nochmals so richtig winterlich wurde und ganz Oberschwaben unter einer Schneedecke versank, waren schon viele unserer Adebare aus dem Süden zurückgekehrt. Manche verzogen sich gleich wieder angesichts des unwirtlichen Wetters in mildere Gefilde (vermutlich an den Bodensee), andere aber harrten auch geduldig an ihrem Brutort aus und fanden in Gräben oder an Bachufern immer noch etwas zu futtern.
Als es dann wirklich Frühling wurde, waren fast alle Horste sehr schnell besetzt. Teilweise gab es heftige Streitereien. Die Brut hat zwar in den meisten Nestern schon begonnen, doch sind immer noch Störche unterwegs – überwiegend Halbstarke -, die an den Horsten Kämpfe anzetteln, welche bisher jedoch erfreulicherweise glimpflich abgelaufen sind.
Kein trautes Zusammensein gibt es diesmal für unser ältestes Storchenpaar: Der nun 31-jährige Storchenmann in Riedlingen auf dem Rathaus hat nach 21-jähriger Ehe sein jetzt 36-jähriges Weibchen verlassen und ist nach Ertingen, wo er schon 1982 einmal brütete, zu einer Jüngeren umgezogen! Das alte Weibchen, zunächst von einem blutjungen Storch aus Oggelshausen beglückt, wurde Anfang April von ihrem angestammten Horst vertrieben (siehe Riedlingen).
Es gibt in diesem Jahr wieder einige neue Brutorte, wir hoffen auf eine gute Brutsaison.

Juni: Viele Storchenfreunde, nicht zuletzt auch wir Betreuer, hatten im kalten und nassen Mai große Angst um die Storchenbrut. Denn zahlreiche Junge waren schon geschlüpft. Ganz entgegen der düsteren Erwartungen blieb das große Desaster jedoch aus. Ein großer Teil der Jungen hat die dreiwöchig andauernde Kältewelle erstaunlich gut überstanden. In vielen Horsten tummelten sich Anfang Mai drei oder vier Junge, und die meisten Familien waren am Ende dieser Kälteperiode noch komplett. Hier zeigt sich mal wieder, dass das Wetter (von Unwettern abgesehen) in den ersten Aufzuchtwochen, wenn die Jungen noch von den Altstörchen geschützt werden können, nicht die entscheidende Rolle spielt. Auch sind Störche nicht auf frühe Mahd der Wiesen angewiesen (Ausnahme: artenarme, hoch- und dichtwüchsige Wiesen). Denn die Wiesen standen diesmal bis Ende Mai, waren aber auch oft nicht so wüchsig wie sonst. Werden Wiesen nicht überdüngt und zu dichtwüchsig, so bieten sie den Störchen auch im ungemähten Zustand Nahrung. Auf gemähten Wiesen können dagegen in der ersten Zeit nach der Mahd lediglich Regenwürmer gefunden werden und dies auch nur, wenn es nicht allzu trocken ist. Wichtig sind bei schlechtem Wetter allerdings horstnahe Nahrungsgebiete, und wo diese fehlten, sind die Jungen in ihrer Entwicklung deutlich zurückgeblieben. Stark unterernährt waren vor allem die Nesthäkchen, und in einigen dieser Horste starben sie dann auch gegen Ende Mai, als es nochmals regnerisch und kalt wurde. Insgesamt sah es jedoch – von einigen Problemhorsten abgesehen – bis Anfang Juni ganz gut aus.

Juli: Die Jungen, die Mitte Juni schon 5-6 Wochen alt waren, überstanden dann auch die Schafskälte, die am 16. Juni mit nächtlichen Temperaturen von nur 5°C und viel Regen einsetzte, einigermaßen gut. Nicht aber diejenigen, die als Nachzügler später geschlüpft waren. Die Jungstörche von Bichtlingen, Föhrenried, Krauchenwies, Waldbeuren und Wilhelmsdorf erwischte es gerade in ihrer kritischsten Zeit, wenn das Deckgefieder noch nicht vollständig ausgebildet ist, das Flaumgefieder aber schon dünn wird, und sie schon zu groß sind, um von den Eltern noch geschützt zu werden. Sie starben kurz vor ihrer Beringung.

Uebersichtskarte

Das Storchenjahr 2009

Der lange, schneereiche Winter ist vorbei (hoffen wir´s jedenfalls), in den Wäldern blühen die kleinen bunten Schönheiten wie Lerchensporn, Blaustern und Gelbstern, mancherorts verströmt der Bärlauch seinen Duft.
Auch unsere Frühlingsboten, die Störche, sind von ihrer Reise in den Süden zurückgekehrt und klappern eifrig auf ihren Horsten. Die Nester werden hergerichtet und frisch ausgepolstert, überall bereitet man sich auf die nächste Brutsaison vor, und in manchen Horsten sitzt man bereits auf einem Gelege.

Mitte Mai: Die meisten Jungen sind geschlüpft. Doch wurden einige Horste recht spät besetzt, und so gibt es noch ein paar Nachzügler. Die zum Teil sehr heftigen Unwetter der letzten Zeit wurden in den meisten Horsten einigermaßen gut überstanden, da die Jungen meist noch klein waren und gut geschützt werden konnten. Einige Verluste gab es allerdings. Die meisten Ausfälle und Totalverluste gab es bei einem Gewittersturm mit Hagelschlag am 26. Mai, bei dem mancherorts auch viele Bäume entwurzelt wurden und wegen eines umgestürzten Baumes bei Niederbiegen (in der Nähe von Weingarten) sogar ein Zug entgleist ist.

Es ist jedoch meistens nicht das Wetter, das unseren Störchen den Garaus macht, sondern der Nahrungsmangel. Die Situation könnte sich in den nächtsten Jahren noch deutlich verschärfen, da mit einem massiven Sterben der Milch produzierenden Höfe zu rechnen ist und wohl viele Landwirte auf die Biogas-Produktion umsteigen werden.

Uebersichtskarte

Das Storchenjahr 2008

Auch wenn der Frühling etwas zögerlich Einzug hält, unsere Störche sind wieder da. Und in den meisten Horsten wird schon gebrütet.
Wie im letzten Jahr so schaute sich auch in diesem Frühjahr mancher Storch in einem anderen Nest um, und einige noch nicht "Alteingesessene" wechselten nach den letztjährigen schlechten Erfahrungen den Horst.
Hoffen wir dieses Jahr auf eine bessere Storchen-Saison.

Juni: Bisher sieht es tatsächlich nicht schlecht aus in den Horsten. Fast in allen Nestern sind zumindest einige Junge durchgekommen, und es gibt sogar mehrere Horste, in denen sich vier Junge tummeln und jetzt bereits eifrig ihre Flugmuskulatur üben. Auch wurden wieder einige neue Horste besetzt, wobei die Störche in den meisten dieser neu besetzten Orte auch noch in diesem Jahr brüteten.

Auch bei den Störchen steigt nun wieder die Reiselust. Die meisten Jungstörche sind inzwischen von ihren Horsten ausgeflogen, manche brachten mehr schlecht als recht ihren Jungfernflug hinter sich oder erlitten gar einen gehörigen Schrecken bei einer Bruchlandung. Doch wurde keiner der Flugneulinge ernsthaft verletzt (vermutlich mit Ausnahme eines der Fleischwangener Jungstörche, der möglicherweise von einem Fuchs gerissen wurde), und so können bald alle ihre Reise in den Süden antreten.

Uebersichtskarte

Das Storchenjahr 2007

Ob es an diesem etwas ungewöhnlichen Frühjahr mit seinem wunderschönen, aber auch ziemlich heftigen Frühling liegt, oder aber auch die schlechten Erfahrungen der letzten Saison dafür mitverantwortlich sind: In der oberschwäbischen Storchenwelt geht es dieses Jahr zum Teil "drunter und drüber". In vielen Horsten wechselten die Partner, vor allem viele Weibchen suchten sich einen neuen Horst. Manche konnten sich lange Zeit überhaupt nicht entscheiden, welchen Ort oder welchen Partner sie wählen sollten – und der mancherorts noch verbreitete Glaube an die Treue der Störche wurde in diesem Frühjahr endgültig erschüttert. Werfen Sie auf dieser Homepage einen Blick auf das Geschehen in den einzelnen Nestern und Sie werden manch Erstaunliches erfahren.
Mittlerweile haben sich die Turbulenzen etwas gelegt und das "oberschwäbische Roulette" scheint sich seinem Ende zu nähern. In den meisten Horsten wird gebrütet. Doch ist bei der derzeit hohen Storchendichte in Oberschwaben zu erwarten, dass die Kämpfe noch nicht ausgestanden sind. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.

Juni: Zunächst ließ sich das Storchenjahr 2007 recht gut an. In vielen Nestern wurde gebrütet und es schlüpften Junge. Doch dann machte ein Wettereinbruch an Pfingsten viele Hoffnungen auf einen Schlag zunichte. Zwei Tage Dauerregen verbunden mit einem Temperatursturz von etwa 20 °C sowie einem eiskalten, heftigen Wind verursachte den Tod vieler Jungstörche in Oberschwaben. Das Jungstorch-Sterben war ein Schock für viele, und mancherorts – insbesondere dort, wo das Horst-Geschehen per Webcam direkt im Internet verfolgt werden kann – schlagen die Wellen hoch. Auch werden Forderungen nach helfendem Eingreifen laut.

Wir haben jedoch durchaus gute Gründe, warum wir dies nicht tun:
Die Zeiten, als die Weißstorchpopulation in Baden-Württemberg nur noch wenige Paare umfasste, sind vorbei. Oberschwaben weist derzeit eine höhere Storchdichte auf als in den 1940er Jahren. Die Population kann solche Verluste, wie sie dieses Jahr auftraten, problemlos ausgleichen. Voraussetzung ist allerdings, dass wir den Störchen eine gute Lebensgrundlage in Form ausreichender Nahrungsgebiete zur Verfügung stellen. Ein Eingreifen ins Brutgeschehen kann aus naturschutzfachlichen Gründen nicht gerechtfertigt werden. Störche sind Wildtiere, keine Haustiere. Auch ist die Freude über den vermeintlichen Bruterfolg kurzsichtig, denn der Schutz der Weißstörche kann nur nachhaltig sein, wenn auf Lange Sicht ihre Lebens- und Nahrungsräume erhalten und gesichert werden. Als Storchenbeauftragte kann ich es durchaus nachvollziehen, dass man manchmal schnell helfen möchte, leben doch die Weißstörche mitten unter uns und wir bekommen die Dramen aus nächster Nähe mit. Ganz im Gegensatz zum Brutgeschehen anderer Vögel, die das katastrophale Pfingstwetter genauso mitgenommen hat. So sind durch die ungünstigen Witterungsbedingungen auch sehr viele Singvogeljunge umgekommen.
Auch sind viele Vorschläge, die gemacht werden, wenig durchdacht. Ein zeitweises Aushorsten der Jungen kann zwar gutgehen, doch ist es schon vorgekommen, dass die Altstörche den Horst kurze Zeit nach Verschwinden der Jungen verließen und nicht mehr wiederkehrten. Eine zeitweise Aushorstung von Jungen regelmäßig während der Brutzeit zugefütterter Altstörche ist dabei sicher weniger problematisch als eine Aushorstung von Jungen völlig wilder Störche.
Außerdem: ab welcher Regenmenge, Regendauer, Windgeschwindigkeit würde dann ausgehorstet? Denn die meisten Schlechtwetterperioden werden von vielen Jungstörchen problemlos überstanden. Nur schlecht genährte oder mangelhaft von den Eltern umsorgte Jungstörche fallen ihnen zum Opfer.
Völlig verfehlt erscheint mir das Anfahren der Horste mit einer Wärmflasche bei Regen. Der hudernde Altstorch ist die Wärmflasche für die Kleinen. Fährt man den Horst an, verlässt der Altstorch das Nest, und es kann durchaus passieren, dass er die Störung mit längerer Abwesenheit quittiert. Das heißt, entfernt sich der Mensch mit der Wärmflasche vom Horst, sind die Jungen eine Zeitlang schutzlos dem Regen und der Kälte ausgeliefert, was ihren Tod bedeuten kann.
Nicht umsonst sind solchen Störungen und Eingriffe in das Brutgeschehen streng geschützter Arten, zu denen der Weißstorch zählt, im bundesweiten Artenschutzrecht auch per Gesetz untersagt (§ 42 Bundesnaturschutzgesetz).
Ein neuer Vorschlag, der in den vergangenen Wochen immer wieder zu hören war, ist der Einbau eine Heizspirale in den Nestboden. Ganz abgesehen davon, dass sich die Wärme kaum regulieren ließe, können sich in der feuchten Wärme Ungeziefer und Krankheitskeime ungehemmt entwickeln.
Auch vom Zufüttern sollte man unbedingt absehen: Eine Fütterung macht Störche abhängig und verändert ihr Nahrungssuchverhalten.
Wenn Sie den Störchen wirklich helfen wollen, sprechen Sie Ihre Gemeinde an und fordern Sie die Vergrößerung und Verbesserung von Nahrungsgebieten; bitten Sie benachbarte oder befreundete Landwirte, auf eine Ausweitung des Maisanbaus zu verzichten und einen Teil ihres Grünlands weniger intensiv zu bewirtschaften, Wiesen nur abschnittsweise und nicht auf einmal abzumähen und einen Balkenmäher zu verwenden, um beim Mähen möglichst viele Insekten am Leben zu erhalten. Wenn der Landstrich für eine Storchenbrut geeignet ist, dass heißt wenn ausreichende Feuchtgebiete vorhanden sind, gute Aufwinde herrschen und die Lage klimatisch insgesamt günstig ist, werden es Ihnen die Störche mit reichlich Nachwuchs danken.

Ute Reinhard, Weißstorchbeauftragte des Regierungspräsidiums Tübingen
Karte 2007

Das Storchenjahr 2006

Adebar, der Frühlingsbote, hat es in diesem Frühjahr bestimmt nicht leicht mit der Überbringung seiner Botschaft; wo es doch manchem dünkt, es würde anbetrachts verschneiter Wälder und Felder eher passen, einen Nikolausstiefel vor die Tür zu stellen als Ostereier zu suchen.
Wie in den letzten Jahren, so kamen jedoch auch diesmal die ersten Störche schon Ende Februar und Anfang März zu ihren Bruthorsten, wo sie dann allerdings oft nur wenige Tage blieben, um für einige Zeit wieder in freundlichere, schneefreie Regionen abzuziehen. In Denkingen – schneereicher als beispielsweise das Pfrunger Ried, jedoch nah am Bodensee gelegen – zogen die Störche nach jeweils mehrtägigem Aufenthalt sogar dreimal wieder ab bis sie dann Mitte März endgültig an ihrem Horst blieben.
Ab Ende März ließen sich viele Paare jedoch kaum noch vom kalten Wetter beeindrucken, sie paarten sich und legten Eier.  Anfang April kam es dann schon des öfteren vor, dass ein in stoischer Ruhe brütender Storch – genauso eingeschneit wie seine Umgebung - kaum noch in seinem Nest auszumachen war. Jedoch nicht nur der nicht enden wollende Winter machte den Adebaren zu schaffen, manchmal mussten sie auch mit Artgenossen erbittert um ihren Horst kämpfen und nicht immer hatten sie dabei Erfolg. Man darf gespannt sein, wie diese Brutsaison weitergeht.
Ende Mai /Anfang Juni hatten die Störche erstmal eine schwere Zeit zu überstehen. Als die scheußliche Kälte und der teils heftige Regen nicht enden wollten, dachte man schon, dass sich dieses Jahr, was den Bruterfolg der Störche anbelangt, zum „Katastrophenjahr“ entwickeln würde.

Die Verluste in den einzelnen Horsten waren jedoch völlig unterschiedlich. Sehen wir einmal von Isny und Wangen ab, die natürlich mit den heftigsten Frösten und Unwettern zu kämpfen hatten und deshalb Totalverluste erlitten, so haben in unmittelbar benachbarten Horsten Oberschwabens die Jungen der einen Horste die Zeit gut überstanden (hier gibt es drei oder sogar vier Junge) wärend es in den anderen Nestern Totalausfälle gab. Insgesamt aber – darf man jedoch feststellen – dass es, gemessen an den Witterungs-Voraussetzungen, erfreulicherweise mit dem Bruterfolg gar nicht so schlecht aussieht. 

Erfreulicherweise gibt es dieses Mal keine Meldungen über Stromschlagopfer unter den oberschwäbischen Jungstörchen auf ihrem ersten Zug oder in den Überwinterungsgebieten.

Karte 2006

Das Storchenjahr 2005

Der lange, schneereiche Winter hat die Rückkehr unserer Weißstörche in Oberschwaben etwas verzögert. An einigen Horsten wurden jedoch schon Anfang März – also noch vor dem letzten heftigen Schneefall – die ersten Störche gesichtet. Diese zogen jedoch meist wieder ab zu einem letzten Kurzurlaub vor dem Brutgeschaft, vermutlich in schneefreie Regionen am Bodensee, um dann gegen Mitte März endgültig ihre Horste zu beziehen.
Mittlerweile sind fast alle Störche aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt und haben nahezu alle Horste des Vorjahres belegt. Erfreuliche Neuigkeiten gibt es vom Federsee, wo sich in diesem Frühjahr erstmals wieder seit längerer Zeit vier (!) Storchenpaare eingefunden haben. Auch in anderen Orten haben sich in diesem Jahr "neue" Störche niedergelassen. Die Brut hat in vielen Nestern schon begonnen.
Immer wieder werden wir von interessierten Bürgern gefragt, was denn aus den Jungen geworden ist, die im Horst ihrer Gemeinde aufgezogen worden sind. Es werden deshalb ab jetzt auf dieser Internet-Seite die bei der Vogelwarte eingegangenen Meldungen, soweit sie oberschwäbische Störche betreffen, zusammengestellt. Diese Liste soll künftig jährlich ergänzt werden. Vielleicht ist auch ein Storch Ihrer Gemeinde darunter? Jetzt können Sie nachschauen, ob er eventuell während des Zugs in Spanien oder Frankreich gesichtet wurde oder ob sein Brutort bekannt ist. Leider gibt es auch die eine oder andere unerfreuliche Meldung über einen verunglückten Storch darunter, denn Freileitungen stellen immer noch eine große Gefahr für unsere Störche auf ihrem ersten Zug in den Süden dar.

Karte 2005

Das Storchenjahr 2004

Auch wenn der Frühling in diesem Jahr nur stotternd Einzug hielt, die Störche als Frühlingsboten beeindruckt das wenig. Die oberschwäbischen Adebare sind alle aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt; als letztes wurde am 5. April das Ummendorfer Nest belegt. Dem Kindersegen in Oberschwaben steht also nichts mehr im Wege.
Wo sich dieselben Partner wie letztes Jahr zusammengefunden haben, wurde auch schon recht früh mit der Brut begonnen. Wo man sich erst kennenlernen musste und anfängliches Sich-Anzischen allmählich in trauliches Turteln überging, dauerte es etwas länger, bis die ersten Eier im Nest lagen.

Karte 2004






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