Die Störche Oberschwabens



Zußdorf


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Das Zußdorfer Quartett am 27.06.2014. Foto: Georg Steinhauser

2015: Wo ist unsere alte Zußdorfer Störchin, das 1999 in Radolfzell-Böhringen geborene Storchenweibchen, abgeblieben? Sie erschien dieses Jahr nicht an ihrem Horst. Ist sie auf dem Zug verunglückt? Ihrem Platz nimmt jetzt eine unberingte, vermutlich wesentlich jüngere Storchendame ein.
Bevor diese erschien, tröstete sich unser Franzose gelegentlich mit der Esenhausener Brutstörchin: Am 5. März waren beide, sich paarend, auf dem Zußdorfer Horst beobachtet worden, eine Stunde später war die Esenhausenerin wieder auf dem Esenhausener Horst zurück. Ob ihr dortiger Gatte von ihren Eskapaden wusste?

Jedenfalls brüten der Franzose und die Unberingte seit den letzten Märztagen zusammen, Anfang Mai konnte allerdings noch kein Schlupf von Küken festgestellt werden. Ob das was wird?

Juli: Irgendetwas stimmt in Zußdorf nicht mehr. Liegt es an der neuen unberingten Storchendame oder gibt es Gift in der Landschaft? Jedenfalls schlüpfte letztes Jahr nichts aus dem Gelege und dieses Jahr war das einzige schlüpfende Junge schon zwei bis drei Tage nach dem Schlupf tot, obwohl hierfür kein ersichtlicher Grund – schlechtes Wetter oder Storchenkampf – vorlag. Leider wurde vom Abwurf des toten Jungstorchs von Anwohnern erst nach einer Woche berichtet, so dass eine Untersuchung des Kadavers nicht mehr möglich war.
Mal sehen, was hier das nächste Jahr bringt.

2014: In Zußdorf residiert wieder das uns altbekannte Paar: der Franzose und die mittlerweile 15-jährige Böhringerin.
Da das Wetter dieses Jahr nahezu optimal ist und auch etwas entfernt liegende Nahrungsgebiete problemlos angeflogen werden können, ist ihre Brut dieses Mal auch von Erfolg gekrönt. Vier Junge wuchsen auf, welche sich bei der Beringung als zufriedenstellend kräftig erwiesen.
Nun gilt es noch, die ersten Flüge zu meistern. Bei einem der vier wäre der Jungfernflug nämlich fast schiefgegangen. Er landete am Freitag, dem 4. Juli auf dem benachbarten Rathausdach, rutschte ab ins Schneefanggitter, konnte sich jedoch glücklicherweise selbst wieder daraus befreien und trug dabei keine Blessuren davon. Er kam wieder wohlbehalten zurück aufs Nest. Hoffen wir, dass nicht noch mehr passiert, damit alle im August wohlbehalten den Zug in den Süden antreten können.

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Foto: Georg Steinhauser 2013

2013: Unser Elsässer Überwinterer erschien ungefähr am 1. März erstmals an seinem Horst, seine mittlerweile vierzehnjährige Gattin, eine Zugstörchin, kam wenige Tage später. Die Eier wurden in der dritten Märzdekade nach und nach ins Nest gelegt und hoffentlich gut vor der Kälte geschützt.

Juni: Um den Maifeiertag schlüpften die ersten Küken in Zußdorf, insgesamt wurden es drei an der Zahl. Ein viertes Ei wurde am 4. Juni unversehrt im Nest gefunden. Entweder war es unbefruchtet oder es hatte in den kalten Tagen des Legebeginns Schaden erlitten.
Das in diesem Jahr herrschende Wetter spielte dann aber den drei Jungen übel mit. Kaum ein Junges überlebte dieses Frühjahr ums Pfrunger-Burgweiler Ried, wo die andauernden Regengüsse besonders heftig waren. Anfang Juni war kein Leben mehr im Zußdorfer Nest zu sehen.
Bei den Zußdorfer Altstörchen handelt es sich mittlerweile um ein alteingesessenes Paar. Sie werden nächstes Jahr sicher trotz des Mißerfolgs wieder kommen und erneut ihr Glück in Zußdorf versuchen.

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2012: In Zußdorf traf sich Anfang März wieder unser altvertrautes Ehepaar. Da man sich schon gut kennt, dauerte es nicht einmal drei Wochen, bis man auf dem ersten Eiern saß.

Mitte Juni: Guter Dinge fuhr man am Freitag, den 1. Juni, zum Zußdorfer Horst hoch, um die drei Jungstörche, die Ende April geschlüpft und nun etwa fünf Wochen alt waren, zu beringen. Unten wartete eine Schar Kinder, um das Geschehen zu verfolgen und vielleicht auch mal einen Blick auf einen kleinen Storch zu erhaschen. Ja, und dann gab es für alle Beteiligten eine böse Überraschung. Zwei der drei kleinen Störche waren buchstäblich aneinander und ans Nest gefesselt. Eine fest im Nest verankerte Schnur schlang sich um das abgewinkelte rechte Bein des kleinsten und um das linke Bein des nächstgrößten. Sie konnten sich beide nicht mehr bewegen und mussten regelrecht aus dem Nest geschnitten werden.  Das riesige Schnurknäuel war mit Gülle getränkt, stank wie die Pest und war in Farbe und Struktur von abgestorbenem Gras kaum zu unterscheiden. Es verwundert nicht, dass es die Altstörche mit solchem verwechselt und als Nistmaterial in den Horst gebracht hatten. Die Abschnürungen an den Beinen sahen grauenhaft aus, vor allem das Bein des Kleinsten hatte es übel erwischt. Die Abschnürungen gingen an zwei Stellen bis auf den Knochen, sein Fuß war um das Mehrfache angeschwollen. Beide Jungstörche mussten vom Horst genommen werden. Als der Altstorch zurückkam und nur noch einen seiner Zöglinge im Nest vorfand, war er sichtlich irritiert und aufgeregt. Wie sollte er auch wissen, dass man ihnen helfen wollte?
Die beiden Verletzten wurden zum Tierarzt gebracht, wo die Wunden versorgt wurden und sie Medikamente zur Abschwellung und gegen die Entzündung bekamen. Über Nacht kamen sie in Pension in ein leeres, mit Stroh gepolstertes Hühnerhaus in der Eimühle. Am nächsten Morgen wurden sie nochmals verarztet und schließlich zurück in den Horst zu ihrem Geschwister gesetzt. Zuerst sah es ganz gut aus, sogar der Kleine benutzte sein krankes Bein und freute sich sichtlich seiner neu gewonnenen Bewegungsfreiheit. Ja, und vor lauter Bewegungsfreude und Herumhampeln fiel er auf einmal rücklings  aus dem Nest! Der Kleine hatte einen Schock, von dem er sich relativ schnell wieder erholte, sah aber ansonsten unverletzt aus. An einer der Abschnürungen musste jedoch der Knochen beim Sturz verletzt worden sein, einen Tag später war an dieser Stelle das Bein gebrochen. Seine Chancen wurden dadurch denkbar schlecht, denn eine ausreichende Durchblutung des Beins und die Heilung der Abschnürungen wäre nur bei möglichst viel Bewegung möglich gewesen, zur Heilung des Knochens hätte man das Bein jedoch mehrere Wochen lang schienen müssen. Die Durchblutung des Fußes wurde außerdem zunehmend schlechter. Um ihn nicht länger zu quälen, wurde der kleine Storch eingeschläfert.
Meine Frage: Muss so etwas sein? Kann man seine Abfälle nicht mit nach Hause nehmen und im Mülleimer entsorgen? Müssen Ballenschnüre und ähnliches in der Landschaft herumliegen, wo Tiere (und sicher nicht nur Störche) daran qualvoll verenden? Die traurige Bilanz in den Storchenhorsten: Letztes Jahr ein Jungstorch in Scheer (gerade noch gerettet), dieses Jahr zwei Jungstörche in Waldbeuren (einer davon tot, der andere mit Schnur um den Hals gerettet, siehe Waldbeuren) und zwei Jungstörche in Zußdorf (mindestens einer davon tot, der andere noch nicht über den Berg).

August: Der durch die Schnur verletzte Jungstorch hatte lange Zeit offensichtliche Schwierigkeiten, auf dem verwundeten Bein allein zu stehen und humpelte deshalb im Nest. Aber schließlich hat er es geschafft und ist wie sein Bruder erfolgreich ausgeflogen, auch wenn er dazu etwas länger brauchte. Seine Chancen, ein  weitgehend "normales" Storchenleben zu führen, sind damit beträchtlich gestiegen. Noch ist die Zußdorfer Familie zusammen, und die Jungstörche kehren abends zum Nest zurück. Bald werden sie sich jedoch trennen und die Jungen gehen ihre eigenen Wege, erstmal nach Spanien und vielleicht auch ins westliche Afrika.

2011: Das vertraute Paar – er aus dem Elsass, seines Zeichens Überwinterer in Mitteleuropa, sie aus Böhringen – haben sich wieder in Zußdorf eingefunden. Wie im letzten Jahr begannen sie mit dem Brutgeschäft schon Ende März.

Juni: Seit den ersten Maitagen gibt es Nachwuchs im Zußdorfer Nest. Es schlüpften insgesamt vier Junge aus den Eiern, von denen drei durchkamen. Das Nesthäkchen wurde Ende Mai aus dem Nest geworfen. Die drei Jungstörche wiesen bei der Beringung ein zufriedenstellendes Gewicht auf und werden sich schon bald im Fliegen üben.

Anfang August: Die jungen Adebare im Zußdorfer Nest waren gerade neun Wochen alt, da wollten sie mal was anderes als Bushaltestelle, Brunnen und Bräuhaus sehen (auch wenn da immer mal wieder was geboten war, sogar einer Vorstellung von Feuerspuckern durften sie beiwohnen). Der Abflug gelang ihnen tadellos. Jetzt stolzieren sie auf grünen Wiesen, mittlerweile fast rotbeschnäbelt und -bebeint. Lange wird man sie aber nicht mehr hier beobachten können, denn die Ferne ruft schon ganz gewaltig. Die nächste stabile Wetterlage werden sie vermutlich nutzen und auf große Reise gehen.

2010: Man hat sich in Zußdorf doch wieder für den alten Horst entschieden. Und es ist auch wieder das altbekannte Paar, das sich um den 20. Februar in Zußdorf getroffen hat und recht bald – Ende März – mit der Brut begann. Wünschen wir ihnen, dass sie diesmal von Unwettern verschont bleiben.

Juni: Mit den ersten Maitagen kam Bewegung in den Zußdorfer Horst. Bald streckten sich drei Schnäbelchen in die Höhe und verlangten nach Futter (nach Beobachtungen von Herrn Storz vom benachbarten Bräuhaus waren es anfangs sogar vier). Meist aber waren sie unter einem der Altstörche verborgen, und so überstanden sie auch zunächst alle die Nässe- und Kältewelle in den ersten drei Maiwochen. Die zweite Kälteperiode war dann aber für das wahrscheinlich schon ziemlich geschwächte Nesthäkchen zuviel. Am 31. Mai wurde es von den Altstörchen tot aus dem Nest geworfen. Wie sich die beiden übrigen entwickelt haben, wird man am 6. Juni feststellen, wenn sie mit dem Ring ihre persönliche Kennnummer erhalten.

Juli: Besonders schwergewichtig waren sie nicht gerade, die beiden fünfwöchigen Jungstörche im Zußdorfer Horst. Aber im Hinblick auf die diesjährigen, ziemlich schwierigen Aufzuchtbedingungen kann man mit Gewichten von ca. zweieinhalb Kilogramm schon einigermaßen zufrieden sein. Als die Schafskälte Mitte Juni einsetzte, waren sie dann in der Entwicklung doch weit genug, um diese schadlos zu überstehen. Sehr schön konnten deshalb die Teilnehmer einer vom Naturschutzzentrum angebotenen Exkursion am 27. Juni Adebars Familienleben von der Gartenwirtschaft des Bräuhauses aus beobachten. Einer der Höhepunkte war sicherlich die Tränkung der kleinen Störche mit Wasser, das der Altstorch mehrmals in nächster Nähe aus dem Brunnen holte (siehe Fotos unten).
Die Zeit der Abhängigkeit von den Eltern ist aber nun vorbei, denn seit Mitte Juli fliegen die Jungstörche selbst auf die Wiese, wo sie sich nun ein kleines Pölsterchen als Reiseproviant anfuttern. Zwischen Anfang und Mitte August, noch vor ihren Eltern, werden sie in den sonnigen Süden ziehen. Und bald danach wird auch das Geklapper der Altstörche neben dem Bräuhaus verstummen ... bis es wieder Frühling wird.

Fotos vom 26. Juni 2010 von Pia Wilhelm:

Zussdorf

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2009: In Zußdorf bleibt dieses Jahr alles beim Alten. Es sind wie im Jahr 2008 wieder der Franzose und das Weibchen aus Böhringen zusammen. In den letzten Märztagen haben sie mit der Brut begonnen.

Juni: Vier Junge pellten sich im Zußdorfer Horst aus den Schalen. Anfangs ging alles gut und dann am 26. Mai kam ein Gewittersturm, der im Bereich Horgenzell und Zußdorf besonders heftig wütete. Bäume wurden entwurzelt, Äste haufenweise abgerissen, Straßen überflutet. Zwar ist der Storchenhorst auf dem Mast zwischen den Häusern relativ gut geschützt, die Jungen überlebten trotzdem nicht. Wie in Hasenweiler (hier wurde der Horst gekippt) und im Föhrenried  bei Niederbiegen waren alle Junge, die demnächst beringt werden sollten, am Abend tot.

Juli: Da ich zunächst davon ausgegangen war, die Jungen in Zußdorf hätten das Unwetter überlebt (da der Horst relativ gut geschützt ist) und ich von dem Desaster erst bei der nächsten Horstkontrolle kurz vor dem Wochenende erfuhr, lagen die schon recht großen toten Jungen noch längere Zeit im Nest, bevor ich sie mit Hilfe der Feuerwehr aus dem herausholen konnte. Die Altstörche versuchten die Beseitigung zwar selbst, es gelang ihnen aber nicht. Deshalb gefiel es ihnen auch wohl nicht mehr auf ihrem Horst beim Bräuhaus und sie bauten sich ein zweites Nest auf einem ähnlichen Niederspannungsmast in der Zoglersteige. In welchem Horst sie wohl nächstes Jahr brüten werden?

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Foto: Georg Steinhauser 2008

2008: Die ehemalige Zußdorfer Brutstörchin, die letztes Jahr zur Brut nach Esenhausen umgezogen war, ist auf ihren Horst nach Zußdorf zurückgekehrt. Dafür zog die letztes Jahr in Zußdorf brütende Störchin nach Esenhausen um.
Das Männchen ist wieder der Franzose vom letzten Jahr (vormalig übrigens der Wilhelmsdorfer Brutstorch, siehe "Storchen-Roulett" um Wilhelmsdorf 2007). Seit Anfang April wird gebrütet.


Juni: Drei Junge schlüpften im Zußdorfer Nest Anfang Mai. Sie sind schon recht groß, auch schon beringt und können vom Biergarten des Bräuhauses aus bestaunt werden.

Juli: Fast 11 Wochen brauchten die Zußdorfer Jungen bis sie sich erstmals vom Nest wagten. Aber dafür klappte auch alles tadellos. Jetzt werden die Flugkünste noch perfektioniert und es wird auf den Wiesen erstmal ordentlich gefuttert, bevor es über Frankreich ins sonnige Spanien geht. Vielleicht überqueren sie auch die Meerenge westlich von Gibraltar und ziehen weiter nach Süden, um sich den Winter über in den Savannen Westafrikas die fetten Heuschrecken einzuverleiben. Wünschen wir ihnen viel Glück auf ihrer großen Reise.

2007: Nachdem im letzten Jahr das Zußdorfer Männchen umgekommen war, sah es für Zußdorf in diesem Jahr erstmal schlecht aus. Zwar erschien die Zußdorfer Störchin im Februar, da sie jedoch zunächst allein blieb – das zierliche Männchen vom letzten Spätsommer war noch nicht erschienen –, machte sie sich auf ins benachbarte Esenhausen (wo sie jetzt brütet).

Der Zußdorfer Horst, durch ein grünes Grasbüschel außerdem wenig attraktiv, blieb daraufhin erstmal leer. Frau Wilhelm vom Naturschutzzentrum in Wilhelmsdorf packte die Sache am 10. April tatkräftig an und säuberte den Horst mit Hilfe der Feuerwehr, und schon zwei Tage später erschienen die ersten Störche. Und dann war wirklich was los hier! Am 12. April erschienen der Wilhelmsdorfer Franzose und ein Weibchen mit der Nummer A3791, das in diesem Horst vor drei Jahren geboren wurde (!) und paarten sich. Zwei weitere Störche kamen dazu, die jedoch bald wieder abflogen. Auf einmal erschien der Esenhausener Brutstorch, mischte sich ein und versuchte das Weibchen A3791 zu vertreiben – vielleicht fürchtete er die Konkurrenten, denn Nahrungsgebiete sind in der Gegend zwischen Esenhausen und Zußdorf knapp. Schließlich erschien eine weitere beringte Störchin, deren Nummer jedoch nicht abgelesen werden konnte. Am folgenden Tag kopulierte diese Störchin auf dem Zußdorfer Horst mit dem zweijährigen Salemer A4500, der zuvor in Wilhelmsdorf und Hasenweiler Fuß zu fassen suchte und jetzt auf dem Zogenweiler Horst brütet (oberschwäbisches Roulette ums Pfrunger-Burgweiler Ried!). In den folgenden Tagen beruhigte sich das Geschehen. Geblieben sind der Wilhelmsdorfer Franzose und die in Zußdorf Geborene. Seit Ende April brüten sie.

Juni: Zwei Junge schlüpften in Zußdorf Ende Mai. Eines der Beiden hat das Pfingstwetter erfreulicherweise überlebt. Am Freitagmorgen, den 22. Juni, erhält der Jungstorch seinen Personalausweis, den schwarzen Ring der Vogelwarte Radolfzell mit einer eigenen weißen Nummer. Viele Augenpaare der Kinder des örtlichen Kindergartens werden das Geschehen verfolgen und wahrscheinlich wird die fröhliche Schar die Storchenbeauftragte mit Fragen löchern.

Mit Begeisterung waren die Kinder von Schule und Kindergarten bei der Beringung dabei, alles wollten sie wissen über den kleinen Storch und seine Eltern. Nun hat der Jungstorch seine Nestlingszeit gut überstanden, im Alter von 10 Wochen verließ er erstmals seinen Horst. Sein Jungfernflug am Samstag, den 28. Juli, führte just auf das Dach des Ortsvorstehers, wo gerade eine Hochzeit stattfand. Na, wenn das kein gutes Omen ist!

2006: Am letzten Februartag erschien der erste Storch in Zußdorf. Einen Tag später war auch der zweite eingetroffen. Es handelt sich wieder um das Schweizer Männchen, das früher lange in Illmensee gebrütet hat, und die nun siebenjährige Storchendame aus Böhringen, seine letztjährige Gattin. Mit dem Brutgeschäft begannen sie zwischen dem 5. und 12. April.

Juni: Gegen Mitte Mai schlüpften in Zußdorf die jungen Störche. Doch als sie wenige Tage alt waren, spielte sich ein Drama ab. Das Männchen, unser altbekannter Baumeister (wir erinnern uns: er errichtete das Nest auf dem Mast in einem einzigen Tag), starb. Der Landwirt, der ihn auf dem Acker fand, warf ihn in die Hecke, niemand wusste Bescheid. Als man den Storch einige Tage später am Abend vor Himmelfahrt fand, war es schon zu spät. Zwar wurde in Windeseile am Morgen des Himmelfahrtstags die Feuerwehr organisiert, doch waren die kleinen Störche bereits verhungert und anscheinend von Krähen oder einem Milan geholt worden, das Nest war leer.
Woran der Storch gestorben ist, wissen wir noch nicht; die Untersuchung dauert noch an. Sicher ist auf jeden Fall, dass es sich nicht um einen Stromschlag oder die Vogelgrippe handelt (diese Untersuchung ist bereits abgeschlossen) und dass der Storch sehr geschwächt, weil völlig unterernährt war (er wog nur knapp über 3 kg).
Das Weibchen steht nun die meiste Zeit allein auf dem Horst, bekommt jedoch inzwischen gelegentlich Besuch von einem sehr zierlichen Männchen. Sie turteln etwas, dann wird er jedoch immer wieder unmissverständlich dazu aufgefordert, das Nest zu verlassen. Ob aus dieser beginnenden Romanze nächstes Jahr Ernst wird?

2005: Unser Zußdorfer Baumeister – er vollbrachte im letzten Jahr mit seinem Nestbau in Hochgeschwindigkeit dank des Astholzangebots der nahen Streuobstgebiete eine wahre Meisterleistung – hat wieder seinen Horst bezogen. Am 21. März gesellte sich ein Weibchen zu ihm; die Storchendame ist jedoch eine andere als letztes Jahr, denn sie trägt im Gegensatz zu ihrer unberingten Vorgängerin einen (wahrscheinlich Radolfzeller) Ring mit der Nr. 07263 unten am linken Fuß.
Bei einer Beobachtung am 4. April war noch keine Brut zu erkennen, der Hausherr zupfte jedoch ununterbrochen an seinem Nest herum, zupfte hier ein Ästchen zurecht und verückte dort einen Zweig – wie eben die wahren Häuslesbauer sind: Sie sind nie fertig. Einige Tage später war es dann aber doch soweit, das Paar begann zu brüten.

Juni: Vermutlich ist die diesjährige Storchenfrau noch recht jung, denn im Zußdorfer Horst wird derzeit nur ein Junges großgezogen (ein unbefruchtetes Ei lag bei der Beringung außerdem im Nest – es machte der Beringerin die Freude, in ihrem Ausrüstungskörbchen zu explodieren und bescherte ihr ein nachhaltiges Geruchserlebnis). Auch lässt die Fütterung zu wünschen übrig, denn selbst dieser Jungstorch, der doch als Einzelkind die gesamte Fürsorge seiner Eltern erhält, erwies sich bei der Beringung am 13. Juni als deutlich untergewichtig. Hoffen wir, dass er seine nächsten Tage gut übersteht.

August: Der Zußdorfer hat es geschafft. Zwar brauchte er nahezu elf Wochen vom Schlupf bis zu seinem ersten Flug, doch ist er jetzt wohl gesund und munter und wohl zusammen mit den anderen Jungstörchen ums Pfrunger-Burgweiler-Ried bereits in den Süden aufgebrochen.

2004: Dem früheren Illmenseer Storchenmann, der letztes Frühjahr vom Senderstorch „Bodi“ aus Illmensee vertrieben wurde und daraufhin vergeblich versuchte das Wilhelmsdorfer Nest zu erobern, war die Sache dieses Jahr zu bunt. Kurzerhand beschloss er, sich einfach ein neues Nest in einem anderen Ort in der Nähe zu bauen und erwählte sich einen Strommast in Zußdorf. In einer unglaublichen Geschwindigkeit errichtete er dort einen Horst – das Nest war praktisch schon in einem Tag mehr oder weniger fertig, sodass entschieden wurde, ihm keine andere Nestunterlage auf einem Nachbarhaus anzubieten, sondern ihn auf dem Mast zu belassen. Der Mast wurde umgehend gesichert, was glücklicherweise gelang, ohne das Nest zu entfernen und den Storch, der inzwischen schon mit dem Einbringen von weichem Polstermaterial beschäftigt war, allzusehr zu stören.
Anfang April interessierte sich dann auch schließlich tatsächlich eine Storchendame für den neuen Horst und wohl auch das Storchen-Männchen. Schon nach ein paar Tagen fand die erste Begattung statt, und möglicherweise brüten sie schon (bei der Beobachtung am 14. April war es noch nicht soweit).
So um den 15. April wurde wohl tatsächlich mit der Brut begonnen, denn ca. am 17. Mai schlüpften im Zußdorfer Horst die ersten kleinen Störche. Bisher wurden zwei entdeckt, ob es noch mehr werden?

Juli: Tatsächlich schlüpften in Zußdorf insgesamt 5 Junge, von denen die beiden kleinsten jedoch zwischen Anfang und Mitte Juni starben. So konnten am 21. Juni noch drei Junge beringt und gewogen werden. Ähnlich wie bei den Fleischwangenern war auch ein ausführliches Putzen der Schnäbel von Lehm und verklebtem Gras dringend notwendig.
Bei den Zußdorfer Jungstörchen wird es noch ein wenig dauern, bis sie flügge sind; zwischen Mitte und Ende Juli wird es dann aber wohl soweit sein.


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