Die Störche Oberschwabens



Unterweiler

2017: Trotz ihres Brutverlustes im Jahr zuvor sind der Beizkofener und die Oggelshausenerin dem Unterweiler Horst treu geblieben. Der erste Storch erschien in Unterweiler dieses Frühjahr schon Ende Februar, auch sein Partner kam schon am ersten Märzwochenende an. Entsprechend war man auch mit der Brut dieses Jahr etwas früher dran: in den letzten Märztagen lagen die ersten Eier im Nest.
Um den ersten Mai schlüpften die Jungen, und nach ein paar Tagen waren es schließlich vier. Das Nesthäkchen starb im Alter von etwa zweieinhalb Wochen, und auch der nächstältere Jungstorch erlebte nicht sein Ausflugsalter. Letzterer starb im Alter von 40 Tagen eindeutig an Unterernährung, er hatte sich einige Tage zuvor bei der Beringung als unterentwickelt und mit knapp 1,7 Kilogramm als stark untergewichtig gezeigt. Die beiden ältesten zählten zwar auch nicht gerade zu den Schwergewichten (soll heißen: deutlich untergewichtig waren auch sie), doch überstanden sie dank des ziemlich stabilen Wetters ihre kritische Nestlingszeit.

Die Saison 2017 war für die Störche in Oberschwaben eine gute Saison. Es kamen teilweise erstaunlich viele Jungstörche zum Ausflug, und bei der Beringung erwiesen sich die meisten Nestlinge als ziemlich gut genährt. Der Zustand der Jungstörche in Unterweiler bei der Beringung spiegelt deutlich die dortige Nahrungssituation wider. In der näheren Umgebung gibt es fast ausschließlich Ackerland, außer einer kleinen Weide, welche von den Störchen regelmäßig genutzt wird, ist kaum Grünland vorhanden. Bei gutem Wetter können die Störche ins Ried fliegen; ist das Wetter jedoch nicht optimal, haben die Jungen kaum eine Überlebenschance. Es besteht hier also dringender Handlungsbedarf!

Unterweiler

Unterweiler

Fotos: Katrin Greiner 2013

2016: Nach zwei Jahren Pause wurde dieses Frühjahr auch wieder der neue Horst auf einer Scheune in Unterweiler von einem Storchenpaar belegt. Ein siebenjähriger, in Beizkofen gebürtiger Storch, der in den Jahren 2012 und 2013 schon in Denkingen gebrütet hatte – allerdings nur mit sehr mäßigem Erfolg (und wo war er in den beiden darauffolgenden Jahren?) – tat sich in Unterweiler mit einer vierjährigen Storchendame aus Oggelshausen zusammen und bebrütete mit ihr ungefähr ab dem 8. April ein Gelege.

Es schlüpften mindestens zwei Junge aus den Eiern, die zwar aufgrund des elterlichen Schutzes einigermaßen schadlos über die Eisheiligen kamen, von denen einer jedoch die nachfolgende Kälteperiode um den 23./24. Mai nicht überstand. Der verbliebene kleine Storch, nun ein Einzelkind, wuchs heran und war schon über fünf Wochen alt, da kam der Dauerregen am 16. Juni und darauffolgend eine nasse, kalte und windige Nacht. Der kleine Storch, vermutlich auch aufgrund von Futtermangel in den vorangegangenen Wochen geschwächt (die Nahrungsgebiete des Pfrunger-Burgweiler Rieds liegen leider einige Kilometer weit entfernt und können nur bei gutem Wetter angeflogen werden, die landwirtschaftlichen Flächen um Unterweiler geben für eine Jungenaufzucht nur wenig her), starb in dieser Nacht oder am darauffolgenden Tag. Ob die Altstörche nächstes Jahr zu diesem Horst zurückkehren werden? Fest steht auf jeden Fall, dass für die Störche in Unterweiler etwas getan werden muss. Sie sollten möglichst auch in der näheren Umgebung des Horstes Nahrung für ihre Jungen finden, denn sonst wird sich der Misserfolg hier immer wieder wiederholen und die Störche werden das Nest meiden.

2014: Der Horst ist bisher nicht besetzt.

Juni: Nichts Neues aus Unterweiler.

2013: Vor einigen Jahren versuchte ein Storchenpaar, auf einem 20kV-Masten in Unterweiler bei Ostrach ein Nest zu bauen. Für die Störche war das sehr gefährlich, denn die meisten unserer Störche, die durch Stromschlag umkommen, verunglücken an solchen Masten. Man entfernte deshalb umgehend die Äste vom Mast und bot den Störchen eine Nistunterlage auf einem Hausdach an. Die Störche fühlten sich durch die Aktion jedoch gestört und verschwanden. Jetzt ist das angebotene Nest in Unterweiler von einem anderen Storchenpaar angenommen worden.
Beide Störche sind noch sehr jung, erst zwei Jahre alt. Der Ring des Männchens weist ihn als Oberschwaben aus Hohentengen-Beizkofen aus, seine Angetraute stammt vom Bodensee, sie wurde in Frickingen geboren.
Sie waren am 11. April in Unterweiler angekommen, bauten das Nest aus und vergnügten sich einige Zeit darauf, um schließlich das Resultat davon – einige Eier – ins Nest zu legen. Nach etwa einem Monat geduldiger Brut schlüpften dann In den letzten Maitagen die ersten kleinen Unterweiler Störche. Wieviel es genau waren, konnte man wegen der schlechten Einsehbarkeit des Horstes nicht feststellen. Es waren aber mindestens zwei, eventuell drei Junge. Die kalte und nasse Witterung zu ihrer Schlupfzeit überstanden sie noch leidlich, denn die Eltern konnten die kleinen Körper ausreichend schützen. Es kam in dieser Region jedoch am 9., 10. und 11. Juni nochmals zu heftigen Regenfällen (insgesamt 45 Liter pro Quadratmeter), und das war dann zuviel für die kleinen Störche. Am 12. Juni war keine Bewegung mehr im Nest zu sehen. Alle Jungen waren tot.
Ob es das Paar nächstes Jahr nochmals in Unterweiler mit einer Brut versuchen wird? Es wäre auch sicher eine gute Idee, ein Nahrungsgebiet für die Störche in unmittelbarer  Nestnähe zu schaffen, welches die Störche auch bei schlechtem Wetter anfliegen könnten. Die unmittelbare Umgebung von Unterweiler wird nämlich derzeit fast ausschließlich intensiv als Ackerland genutzt.






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