Die Störche Oberschwabens



Beizkofen

 


2016: Da man warten musste, bis die Wiese etwas abgetrocknet war, wurde der neue Mast in Beizkofen leider zu spät aufgestellt. Die ehemaligen Beizkofer Störche waren schon da gewesen und orientierten sich angesichts des fehlenden Horstes wieder nach Mengen, wo sie jetzt im zweiten Jahr auf der evangelischen Kirche brüten.

2015: Desaster in Beizkofen!
Alles lief bestens, das angestammte Beizkofener Storchenpaar hatte in der letzten Märzdekade seine Eier nach und nach ins Nest gelegt und mit der Bebrütung begonnen, da kam der Sturm am 31. März und warf mit brachialer Gewalt das Nest um. Eine heftige Bö brach in zweieinhalb Metern Höhe den Eichenstamm ab, Nest und Gelege landeten zerbrochen neben der Ostrach. Ausgerechnet Beizkofen, eines unserer besten Brutnester!

Noch am selben Abend wurde versucht, Hilfsmaßnahmen in die Wege zu leiten. Wegen der vielen Sturmschäden und der Oster-Feiertage konnte allerdings nicht schnell genug ein Ersatz aufgestellt werden. Die Störche haben sich zwischenzeitlich umorientiert und bauen sich ein Nest auf einem Niederspannungsmast im benachbarten Bremen. Für ein Nachgelege ist noch Zeit genug, hoffen wir, dass ihnen noch eine erfolgreiche Brut gelingt.

Juni: Sie waren nach dem Desaster offensichtlich irritiert und völlig durch den Wind, unsere Beizkofener. Das Nest auf dem Mast in Bremen war nämlich so gut wie fertig gestellt, da verließen sie es und begannen zunächst und nur einen Tag lang einen Nestbau auf einem gegenüberliegenden Haus. Dann zogen sie auf einmal nach Mengen auf die dortige evangelische Kirche um, bauten aber gleichzeitig noch auf einem Mast an der Hauptstraße in Beizkofen. Ob das noch mal was wird dieses Jahr? fragte man sich. Ja, es wurde! Schließlich ist es eines unserer fähigsten Paare, und das schaffte es dann tatsächlich doch noch, ein weiteres Nest fertigzustellen und zu brüten. Zwar bekamen sie nur noch ein Junges, aber bei einem Nachgelege und solch spätem Brutbeginn ist eine größere Jungschar nicht zu erwarten und auch nicht sinnvoll.

Ihr Nest ist übrigens das zweite Nest, das dieses Jahr auf der evangelischen Kirche gebaut wurde. Unmittelbar benachbart errichtete nämlich eine Woche zuvor der letztjährige Ablacher Brutstorch seinen Horst und zieht dort ebenfalls Junge auf. Wenn sich daher Fremdstörche in Mengen blicken lassen und die nahrungssuchenden Elternteile ihren nestbewachenden  Partnern zu Hilfe eilen, gibt es ein gehöriges und sehr eindrucksvolles Geklapper auf dem Kirchturm.

2014: Nach dem letztjährigen Desaster – die Störchin wechselte auf einmal auf einen Horst in Bad Wurzach, kehrte nach Misserfolg von dort wieder zurück und sorgte für den Tod der Beizkofener Jungstörche – ist in Beizkofen wieder das alte Paar zusammen: die nun zwölfjährige Französin aus dem Oberelsass und ihr ein Jahr jüngerer Gatte aus Emerkingen. Seit ungefähr 25. März bebrüten sie abwechselnd ein Gelege. Die Aussichten auf eine erfolgreiche Jungenaufzucht sind in Beizkofen erfahrungsgemäß ziemlich gut.

Ende Juni: Die Beizkofener Störche haben sich mal wieder richtig ins Zeug gelegt: fünf Junge schlüpften im Beizkofener Nest. Zwar starb das Nesthäkchen im Alter von etwa drei Wochen, aber immerhin vier Junge kamen problemlos durch und brachten bei der Beringung am 3. Juni allesamt ein ordentliches Gewicht auf die Waage.

2013: Ja, ja, die Frauen! Zuerst verleiten sie einen, den Winter mit ihnen zusammen in Süddeutschland zu verbringen – das Beizkofener Männchen wurde nämlich diesen Winter erstmals an den einschlägigen Futterstellen am Bodensee gesehen –, wo es doch eigentlich im sonnigen Süden so viel angenehmer gewesen wäre, und dann verlassen sie einen ohne großes Federlesens.
Aber glücklicherweise gibt es ja noch andere. Und tatsächlich musste der Storchenmann auch nicht lange warten, denn die in den letzten Jahren in Ölkofen brütende unberingte Dame – übrigens wie seine ehemalige Angetraute sehr wahrscheinlich ebenfalls eine Französin aus dem Elsass – gesellte sich zu ihm. Ob es am französchen Temprament liegt, dass auch diese Storchendame dem Beizkofener bis zum Beginn der Brut ordentlich Hörner aufsetzte? Es fiel ihr nämlich immer wieder ein, mal für ein kurzes Techtelmechtel zu ihrem früheren Gatten nach Ölkofen zurückzukehren, nach erfolgter Paarung flog sie umgehend nach Beizkofen zurück. Ein Anwohner in Ölkofen beobachtete sogar einmal, dass das Beizkofener Männchen mit ihr kam und während ihrer Paarung mit dem Ölkofener über dem Ölkofener Nest kreiste, um dann mit ihr schnurstracks zum Beizkofener Nest zurückzufliegen. Wenn wir wissen wollen, wer der Vater der diesjährigen Jungstörche im Beizkofener Nest ist, müssen wir wohl einen Vaterschaftstest machen lassen!

Juni: Dieses Jahr gab es in Beizkofen keine so reiche Kinderschar wie in den vorigen Jahren, und vermutlich war das anbetrachts der Wetterkapriolen auch ganz gut so. Drei kleine Störche schlüpften aus den Eiern. Und von den drei Jungstörchen, die dank der nahen Nahrungsgebiete ihre ersten Lebenswochen bis Ende Mai alle ganz gut überstanden, überlebten in der nachfolgenden katastrophalen Schlechtwetterperiode immerhin zwei. Wenn Petrus seine Launen in den nächsten Tagen im Zaum hält, haben sie gute Chancen, ihren Ausflug zu erleben. Mitte Juni ist ihr Gefieder so gut entwickelt, dass ihnen Regen und Kälte nichts mehr anhaben können.

Juni: Ganz aktuelles Drama in Beizkofen: Die vorjährige Brutstörchin, die dieses Jahr in Bad Wurzach keinen Bruterfolg hatte (siehe Bad Wurzach) ist – vermutlich aus Frust – am 9. Juni in ihre alte Heimat nach Beizkofen zurückgekehrt. Sie griff ihren Horst an und vertrieb die unberingte (vormals in Ölkofen brütende) Störchin vom Beizkofener Horst, die beiden Beizkofener Jungen kamen dabei um. Nicht sehr schön, das Ganze. Zumal die beiden Jungstörche schon recht groß waren und tapfer das schlechte Wetter überstanden hatten, und es derzeit überhaupt nur noch wenig Nachwuchs in den oberschwäbischen Nestern gibt. Der "Schneeball-Effekt" des Brutverlustes in Bad Wurzach geht aber noch weiter, denn zur selben Zeit etwa wurden in Ölkofen heftige Kämpfe beobachtet: Drei Störche, von denen einer besonders hartnäckig das Nest anflog, griffen die Ölkofer Familie an. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die aus Beizkofen vertriebene, ehemalige Ölkofener Störchin dabei war. Zunächst konnten die Ölkofener Eltern ihren Nachwuchs schützen. Nach drei Tagen Kampf aber lagen sie tot unterm Nest.

2012: In Beizkofen hat sich wieder das altbekannte Paar zusammengefunden. Von Eskapaden der Französin hat man allerdings in diesem Frühjahr nichts gehört. Vielleicht wird sie nun doch allmählich etwas gesetzter und hat ihre Sturm- und Drangzeit hinter sich. Mit der Brut begannen die beiden etwas früher als in den Jahren zuvor, und so werden die ersten kleinen Störche schon in der letzten Aprilwoche das Licht der Welt erblicken. Mal sehen, wie viele es diesmal sind, denn das Paar ist ja für reichen Nachwuchs berühmt.

Anfang Juni: Es sind tatsächlich wieder vier Junge im Beizkofener Horst. Und wie man die Beizkofener Eltern kennt, werden sie auch alle vier durchbringen. Bis jetzt sieht es jedenfalls sehr gut aus. Die Beizkofener haben den Vorteil, dass die Nahrungsgebiete direkt vor ihrer Haustür liegen. Bei schlechtem Wetter müssen sie also nicht weit fliegen, um ihren Nachwuchs zu versorgen. Schon Ende Mai erhielten die vier Jungstörche ihren Personalausweis, den schwarzen ELSA-Ring mit der weißen Nummer, und zeigten sich einigermaßen gut genährt.

August: Keinerlei Probleme gab es dann auch beim ersten Ausflug vom Nest. Schon Anfang Juli waren die Beizkofener Jungstörche routinierte Flieger. Jetzt staksen sie gemeinsam in den Wiesen des Mengener Riedle und futtern sich Reiseproviant an, denn in ein paar Wochen soll es ja auf in den Süden gehen.

2011: Die beiden Störche in Beizkofen erschienen schon Ende Februar. Es sind wieder die alten Bekannten, die Französin und der Emerkinger Oberschwabe. Die Französin neigt ja immer mal wieder zu kleinen Seitensprüngen. Vor zwei Jahren vergnügte sie sich einige Tage lang in Scheer, bevor die dortige Brutstörchin zurückkam und sie vertrieb; dieses Jahr flog sie an einem Tag Anfang März von Beizkofen zum nahen Blochingen und paarte sich mit dem dortigen Männchen.
Wir wollen ihr ihre Eskapaden verzeihen, denn sie ist derzeit eine unserer besten Brutstörchinnen: Sie brachte 2009 zusammen mit ihrem Partner fünf Junge und 2010 trotz des miesen Wetters vier Junge durch. Die Störche finden in Beizkofen allerdings auch ziemlich gute Bedingungen vor, die Nahrungsgebiete liegen direkt vor der Haustür.

Juni: Die beiden Beizkofener sitzen sitzen seit Ende März auf ihrem Gelege, und es schlüpften Anfang Mai tatsächlich wieder fünf kleine Störche in ihrem Horst. Der kleinste hat allerdings nur ein bis zwei Wochen gelebt, er konnte sich bei der Fütterung vermutlich nicht gegen seine älteren Geschwister durchsetzen. Möglicherweise spielt aber auch die Ankunft eines weiteren Storchenpaares eine Rolle. Diese Störche versuchen nämlich am Ortsrand von Bremen ganz in der Nähe des Beizkofener Horstes auf einem Niederspannungmast ein Nest zu bauen (bisher allerdings nur mit mäßigem Erfolg), und unsere Beizkofener Adebare sind von dieser Ansiedlung nicht gerade begeistert, greifen die Neulinge immer wieder an. Solche Aktionen lenken sie selbstverständlich von der Nahrungssuche ab.
Als sie fünf bis fünfeinhalb Wochen alt waren, wurden die vier Beizkofener Jungstörche beringt. Die Waage zeigte, dass die Eltern gut für sie gesorgt hatten, denn sie wogen zwischen 2,6 und 3,2 Kilogramm (das Optimalgewicht beträgt in diesem Alter 3-3,5 kg, die männlichen Jungstörche sind schwerer als die weiblichen). Das andere Storchenpaar ist mittlerweile verschwunden, vielleicht war es ihnen in der Nähe der ansässigen Beizkofener doch etwas zu stressig; auch ist die Bauweise des von ihnen ausgesuchten Niederspannungsmastes eigentlich nicht zur Errichtung eines Nestes geeignet, möglicherweise haben sie das nun eingesehen.

Anfang August: Eine sechsköpfige Storchenfamilie auf den Wiesen herumstolzieren zu sehen, ist nichts Alltägliches. In Beizkofen gehört das allerdings schon fast zur Tradition. Noch vor dem 10. Juli wagten sich die beiden ersten Beizkofener Jungstörche vom Horst an der Ostrach, die beiden anderen folgten bald nach. Jetzt heißt es nochmal ordentlich futtern, bevor der abenteuerliche erste Zug in den Süden beginnt.

2010: Schon Ende Februar erschien in Beizkofen der erste Storch, und am 1. März war das Paar komplett. Es sind wieder dieselben Störche wie letztes Jahr: der Emerkinger, jetzt 7 Jahre alt, und die Französin.
In den ersten Apriltagen begannen sie mit der Brut, mal sehen wieviel Junge sie diesmal aufziehen werden. Letztes Jahr wurden nämlich im Beizkofener Horst fünf Junge flügge, eine kleine Sensation. Ob sie es dieses Jahr ruhiger angehen? (Vor einigen Jahren wurden auch in Illmensee einmal fünf Junge großgezogen, im Jahr darauf schlüpfte im dortigen Horst dann nur ein Junges, man legte offensichtlich ein Urlaubsjahr ein!)

Juni: Mit "Urlaubsjahr" war wohl nichts. Denn auch dieses Jahr schlüpften im Beizkofener Horst vier Küken, die trotz des nasskalten Mai-Winters alle noch wohlauf sind. Da das Nest ziemlich breit ist und der hintere Teil schlecht einsehbar, sah ich anfangs nur drei. Nun sind die kleinen Störche aber sehr reinlich und koten bereits früh am Nestrand ab; oft tun sie das dann alle in kurzem Abstand in verschiedene Himmelsrichungen, was lustig anzusehen ist. Bei einer Beobachtung Mitte Mai sah ich auf einmal, wie vier kleine Kotstrahlen nacheinander in vier verschiedene Richtungen über den Nestrand gespritzt wurden und da war die Sache ziemlich klar: es musste noch ein viertes Junges im Nest sein, was sich dann einige Tage später auch durch direkte Beobachtung bestätigte.
Die Eltern haben also wieder mal viel zu tun, um die Schar satt zu bekommen. Allerdings beginnt für die Jungen jetzt eine gefährliche Zeit, denn sie sind nun zu groß, um noch unter die Altstörche zu passen. Hoffen wir also, dass das Wetter mitspielt. Immerhin haben alle vier auch die zweite Regenperiode Ende Mai/Anfang Juni überlebt, was sicherlich damit zusammenhängt, dass in Horstnähe Nahrungsgebiete zur Verfügung stehen. Am 7. Juni wird man die Kleinen wiegen und vermessen und ihnen mit dem Ring ihren Personalausweis anlegen. Nach der Beringung müssen sie noch eine Woche überstehen, dann ist ihr Gefieder so gut ausgebildet, dass ihnen Regen und Kälte nichts mehr anhaben können.

Juli: Es ist fast unglaublich, aber tatsächlich alle vier Beizkofener Jungstörche haben das Ausflugsalter erreicht. Es ist eine besondere Freude, das Quartett auf dem Horst zu beobachten, mal aufgeregt flügelschlagend bei der Fütterung, mal neugierig vom Horst herunterlugend, mal in Kleeblatt-, mal in Gänsemarschformation. Sie waren auch zum Zeitpunkt der Beringung ziemlich gut im Futter, wogen mit Ausnahme des Nesthäkchens (welches nur knapp 2 kg auf die Waage brachte), jeder um die drei Kilogramm. Am 18. Juli wagte sich der erste vom Horst auf die Wiese, und am 21. Juli waren schließlich alle vier Jungstörche unterwegs. Bald packt die Jungs und Mädels das Reisefieber, und dann werden wir sie vermutlich mindestens eineinhalb Jahre lang nicht wiedersehen.
Beizkofen ist übrigens ein gutes Beispiel dafür, dass von fähigen Altstörchen bei der Verfügbarkeit eines guten Nahrungsgebiets auch bei ungünstigen Witterungsbedingungen viele Junge aufgezogen werden können: letztes Jahr waren es fünf Junge, dieses Jahr kamen trotz aller Widrigkeiten vier Jungstörche zum Ausflug.

2009: Am 1. März wurde dieses Frühjahr erstmals ein Storch auf dem Beizkofener Horst beobachtet. Es war das mittlerweile sechsjährige Brutmännchen vom letzten Jahr. Über eine Woche musste er jedoch auf seine angetraute Französin warten, obwohl diese den Winter über gar nicht weit weg war – sie überwinterte nämlich am Bodensee -, aber die Dame vergnügte sich erstmal in Scheer. Erst als die angestammte Scheerer Brutstörchin ankam und ihre Rechte auf dem Scheerer Horst geltend machte, war Beizkofen für sie wieder attraktiv und sie kehrte zu ihrem dort wartenden Männchen zurück. Die Eskapaden sind mittlerweile vergessen, denn seit Anfang April wird in Beizkofen ernsthaft das Brutgeschäft betrieben.

Juni: Das ausdauernde Sitzen auf den Eiern hat sich gelohnt: 5 Küken sind geschlüpft (das Fünfte wurde allerdings lange Zeit nicht entdeckt). Beim Gewitter am 26. Mai kam aber wohl das Nesthäkchen ums Leben, denn seitdem sind nur noch vier Schnäbel zu sehen. Diese vier trotzen bisher erfolgreich den subtropischen Wetterkapriolen. Zur Zeit werden sie noch immer von einem Altstorch  bewacht und beschützt,  Männchen und Weibchen wechseln sich bei dieser Aufgabe regelmäßig ab. Wenn der Elternteil, der gerade mit der Futtersuche dran ist, dann zurückkommt, heißt es aber erstmal: Reinhauen was das Zeug hält.

Juli: Wo hatte es sich nur die ganze Zeit versteckt, das Nesthäkchen? Denn als die Feuerwehr am 5. Juni den Horst anfuhr und ich die Leiter zur Beringung der Jungen hochkletterte, da war ich doch etwas baff: Fünf muntere Jungstörche tummelten sich im Horst. Wahrend die drei Ältesten recht gut beieinander waren – sie wogen immerhin jeweils an die zweieinhalb Kilo – waren die beiden Jüngsten allerdings etwas schmächtig. Es war daher ziemlich fraglich, ob sie die nächsten beiden noch kritischen Wochen überstehen würden.
Das Erstaunen und die Freude wuchs in den nächsten Tagen und Wochen, als bei jeder Nestkonstrolle die fünf noch beisammen gesehen wurden, und schließlich war es klar, dass alle groß würden und den Ausflug schaffen. Ein ordentliches Gedränge war das da oben im Beizkofener Horst in den ersten Julitagen. Zu Flugübungen musste man sich schon ein bißchen Platz verschaffen und gehörig aufpassen, wenn man sich einen Meter in die Luft erhob, dass man auch wieder einen Landeplatz im Nest fand. Am 8. Juli erhob sich der Älteste mehrmals gleich mehrere Meter übers Nest und dann schließlich flog er los in einer weiten Runde um den Horst. Die noch vierköpfige Mannschaft im Nest verfolgte interessiert und wohl auch etwas irritiert diesen Flug, vier Jungstorchhälse drehten sich (zu meiner Erheiterung) gemeinsam zuerst nach rechts, dann nach links. Vielleicht sehen Sie die Beizkofener Familie Adebar einmal gemeinsam auf der Wiese: sieben Störche, ein wunderschöner Anblick!

2008: Gerade noch rechtzeitig wurde im Februar der neue Horst in Beizkofen fertig, denn die Pappel unter dem ehemaligen Nest war im Herbst zusammengebrochen. Kaum stand der neue Horst am alten Platz, erschien der erste Storch in Beizkofen, und Anfang März war man ein Paar. Das Männchen ist der letztjährige Horstinhaber, der nun fünfjährige Enkel des Mengener Storchs, geboren in Emerkingen. Das Weibchen ist jedoch nicht seine letztjährige Gattin, sondern eine bisher in Oberschwaben unbekannte Störchin aus Frankreich. Am linken Bein trägt die Storchendame den üblichen französischen Metallring mit eingestanzter Nummer, am rechten Bein einen zweiten Ring aus schwarzem Kunststoff, was bedeuten könnte, dass sie aus einer Privatzucht stammt. Ungefähr am 8. April begann das deutsch-französische Paar mit der Brut.

Juni: Am 10. Mai pellten sich im Beizkofener Horst zwei Junge aus den Eiern. Ein drittes Ei, bei der Beringung im Horst gefunden, war anscheinend unbefruchtet. Von den beiden Jungen überlebte jedoch nur eines. Das andere, deutlich schmächtigere, starb im Alter von etwa viereinhalb Wochen, ein bis zwei Tage vor der Beringung am 13. Juni. Auch das noch Lebende brachte bei der Beringung nur 2,3 kg auf die Waage, was für einen fast fünf Wochen alten Jungstorch nicht gerade üppig ist. Vielleicht waren die Eltern von der Futtersuche etwas abgelenkt, denn immer wieder erschienen Fremdstörche im nah benachbarten Ölkofen, und es könnte sich bei diesen durchaus um die Beizkofener gehandelt haben, denen die Ölkofener als Nahrungskonkurrenten möglicherweise ein Dorn im Auge sind.

Juli: Im Alter von ca. 11 Wochen wagte sich der Jungstorch – nun beinahe so groß wie seine Eltern und von diesen nur noch durch die schwärzliche Schnabelspitze zu unterscheiden – erstmals vom Horst. Die dreiköpfige Familie jagt nun zusammen auf den Beizkofener Wiesen und im Mengener Riedle den Heuschrecken und Mäusen nach und macht sich fit für den Wegzug. Bald wird der Jungstorch sich von seinen Eltern verabschieden und sich vorbeiziehenden Trupps anschließen. Wenige Wochen später werden dann auch die Eltern den Zug in den Süden antreten.

2007: Auch in Beizkofen trug sich dieses Frühjahr Merkwürdiges zu. Ende Februar ließ sich hier nämlich auf einmal das bei Mengen überwinternde Mengener Brutmännchen auf dem Horst nieder, ein Storch der meines Wissens noch niemals seinen Horst gewechselt hatte. Das angestammte Beizkofener Weibchen war ebenfalls schon seit Ende Februar da. Am 8. März erschien jedoch der Horstinhaber vom letzten Jahr, und es gab einen heftigen Kampf, den der Neuankömmling gewann. Das Mengener Männchen kehrte daraufhin zu seinem eigenen Horst zurück.
Das Beizkofener Männchen wurde übrigens vor vier Jahren in Emerkingen geboren, er ist tatsächlich ein Enkel des Mengener Storchenmännchens und hat also seinen eigenen Großvater vom Beizkofener Horst vertrieben!
Nachdem sich nun der Trubel um den Beizkofener Horst gelegt hat, brütet das Paar seit Anfang April.

Juni: Alles ließ sich gut an im Beizkofener Nest, wo zwischen dem 6. und dem 10. Mai insgesamt vier Junge schlüpften, die in ihrer ersten Nestlingszeit einen recht munteren Eindruck machten. Noch kurz vor Pfingsten wurden alle vier im Nest beobachtet, die vorgezogene und in diesem Jahr außerordentlich üble Schafskälte am 28. und 29. Mai wurde ihnen jedoch zum Verhängnis. Die ca. dreiwöchigen Jungen konnten vom hudernden Elternteil nicht genügend vor der Auskühlung geschützt werden, und eine Fütterung war bei den heftigen Winden kaum noch möglich. Bedauerlicherweise starben in diesen beiden Tagen alle vier.

2006: Das unberingte Männchen ist in diesem Frühjahr nicht aus seinem Winterquartier nach Beizkofen zurückgekehrt. Die nun siebenjährige Linkenheimer Störchin wartete wochenlang vergebens auf ihren letztjährigen Partner bis sich schließlich ein anderes Männchen einfand. Der neue Gatte ist ein Oberschwabe, 2003 wurde er in Emerkingen geboren. Das neu vermählte Paar brütet seit ca. 10. April.

Juni: Gegen Mitte Mai schlüpften in Beizkofen 3 Jungstörche aus dem Gelege. Alle drei haben die Kälteperiode im Mai gut überstanden, sie wurden am 19. Juni beringt.

Gegen Ende Juli entschlossen sich die Beizkofener Jungstörche, die Welt einmal aus einer anderen Perspektive zu sehen als immer nur vom Nestrand aus und flogen aus. Nun hieß es erstmal, selbst Nahrung suchen zu lernen, denn die Eltern füttern sie zwar noch gelegentlich auch auf der Wiese, sie achten jedoch darauf, dass ihr Nachwuchs selbständig wird.

Der älteste der Drei konnte sich des wundervollen Gefühls des Fliegens allerdings leider nicht lange erfreuen. Am 31. Juli fand man ihn benommen mit hängendem Kopf in Nähe einer Greifvogel-Sitzstange im Mengener Riedle. Er wurde zu Erste Hilfe-Maßnahmen sofort zur ansässigen Tierärztin gebracht und – da Vergiftung vermutet wurde - anschließend zum Spezialisten Dr. Haas nach Albstadt. Der Arzt versuchte sein Möglichstes, konnte den Vogel jedoch nicht mehr retten. Die Nerven waren schon zu stark geschädigt, so dass der Storch am Freitag, den 4. August schließlich eingeschläfert werden musste. Dr. Haas vermutet, dass der Jungstorch einen mit E 605 präparierten, für Greifvögel ausgelegten Giftköder gefressen hat. Das völlig illegale und auch für andere Tiere und sogar Menschen sehr gefährliche Auslegen von Giftködern zur Tötung von Greifvögeln nimmt immer mehr zu (unter anderem stehen Brieftaubenzüchter im Verdacht); gebietsweise sind Greifvogelbestände bereits gefährdet. Konsequentes Handeln ist unbedingt und dringend erforderlich.

2005: Zwischen Anfang und Mitte März erschienen die Störche in Beizkofen. Vermutlich sind es dieselben wie im letzten Jahr; das Männchen ist wie im letzten Jahr unberingt und kann somit nicht eindeutig identifiziert werden, doch gingen die beiden von Anfang an recht vertraut miteinander um. Seit Anfang April saßen sie abwechselnd auf ihren Eiern.

Juni: Um den 4. Mai schlüpften in Beizkofen die ersten Küken. Insgesamt wurden es drei Junge, die von ihren Eltern gut versorgt wurden. Im Alter von ca. 5 Wochen erhielten sie Besuch von der Feuerwehr: Sie erhielten ihre Ringe und wurden gewogen, wobei festgestellt wurde, dass der schwerste Jungstorch Oberschwabens dieses Jahr ein Beizkofener ist. Er brachte 3,3 kg auf die Waage.

August: Alle drei Jungstörche wurden Mitte Juli flügge und sind seitdem auf den Wiesen des Mengener Riedle zu sehen. Einer der Geschwister gesellte sich Anfang August zu einem Trupp auswärtiger Jungstörche, die sich derzeit zum Zug sammeln und sich zu einem Schnabulier-Zwischenstopp im Pfrunger-Burgweiler Ried niedergelassen haben.

2004: Das langjährig in Beizkofen brütende, aus Saulgau stammende Storchenmännchen, das regelmäßig auch in Beizkofen bzw. bei Frost im Bodenseeraum den Winter verbrachte, ist verschollen. Es wurde seit Ende Oktober 2003 nicht mehr in Beizkofen gesehen und kam dieses Frühjahr nicht zurück zum Horst. Über seinen Verbleib ist bisher nichts bekannt und wir hoffen, dass es nicht verunglückt ist. Seinen Platz im Beizkofener Horst hat nun ein unberingter Storch eingenommen. Das seit 2001 hier brütende, nunmehr fünfjährige Weibchen aus Linkenheim (Kreis Karlsruhe) ist allerdings Anfang März wiedergekommen und brütet nun seit Anfang April zusammen mit dem Unberingten.

Um den 10. Mai schlüpfte das erste Beizkofener Storchenküken aus dem Ei, und mittlerweile sind die Beizkofener Störche stolze Eltern von 4 Jungen.

Juli: Der Beizkofener Nachwuchs entwickelt sich prächtig. Am 11. Juni konnten alle 4 Junge beringt und gewogen werden: zwei der Junge brachten zu diesem Zeitpunkt mehr als 3 kg auf die Waage. Aber auch das leichtgewichtigere Nesthäkchen hat inzwischen die kritische Zeit überstanden, sodass von Beizkofen diesen Spätsommer 4 Jungstörche in den Süden starten können.

2003: Auch in Beizkofen ist wieder das alte Paar zusammen. Das Männchen blieb den Winter über in Süddeutschland, das Weibchen gesellte sich schon Ende Februar zu ihm. Bei der Kontrolle am 1. April waren beide Störche gemeinsam bei der Nahrungssuche zu beobachten.
Die Beizkofener Störche sind inzwischen stolze Eltern von 5 Storchenjungen, die zwischen dem 9. und 16. Mai das Licht der Welt erblickten. Eines der Jungen, das Nesthälkchen, starb allerdings Ende Mai.
Am 11. Juni konnten also 4 Junge beringt werden, die – mit Ausnahme des Jüngsten – alle recht kräftig schienen. Sie müssten demnächst flügge werden; bei der letzten Kontrolle am 14. Juli machten sie allerdings noch keinerlei Anstalten, das Nest zu verlassen.




2002: Storchpaar dasselbe wie letztes Jahr:
aus Saulgau (SIG), geboren 1996
aus Linkenheim (KA), geboren 1999
Geschlüpft waren ursprünglich 5 Junge; am 31. Mai wurden 2 Junge tot unterm Nest gefunden.
Derzeit 3 Junge im Nest, Alter ca. 9 Wochen.



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