Die Störche Oberschwabens


Ursendorf



2017: Unser junger Ostracher ist nach Ursendorf zurückgekommen, seine Gattin ist jedoch dieses Jahr eine andere. Sie stammt aus der Bodenseeregion, genauer gesagt aus Deisendorf, wo sie im Jahr 2013 aus dem Ei schlüpfte. Zeitweise schaute sich die Dame jedoch auch in anderen Orten um. So wurde sie am 24. März in Ostrach auf dem neuen Rathausnest gesehen, zusammen mit dem später dort brütenden Männchen.
Die beiden wurden sich schließlich in Ursendorf einig und legten Anfang April ihre ersten Eier, aus denen nach ungefähr einem Monat insgesamt drei Junge schlüpften, welche anfangs jeweils abwechselnd von einem der Altstörche geschützt und bewacht wurden. Sie waren noch keine drei Wochen alt, da ließen die Eltern sie allerdings schon allein und gingen gemeinsam auf Futtersuche.
Wenige Wochen später erschien erstmals die Mengener Feuerwehr in Ursendorf und fuhr hoch zum Nest. Die Störchlein erhielten jeder seinen schwarzen Ring mit einer individuellen Nummer, und bei der Gelegenheit konnten gleich ein paar gefährliche dünne Schnüre aus dem Nest entfernt werden. Gott sei Dank hatte sich noch keiner der Jungstörche darin verheddert.

Es macht etwas wehmütig, aber bald ist es jetzt soweit. Die Jungstörche werden Nest und Eltern endgültig verlassen und zusammen mit anderen Jungstörchen nach Spanien oder Afrika ziehen. Die Alten werden ihnen einige Wochen später folgen, und dann wird es still um das Nest bis zum nächsten Frühjahr, wenn – hoffentlich – erneut Storchengeklapper in Ursendorf erklingt.

Ursendorf
Foto: Ute Reinhard 2016.

2016: Neubesiedlung in Ursendorf.
Dieses Frühjahr bauten Störche erstmals einen Horst in Hohentengen-Ursendorf im Krebsbachtal, einem Seitentälchen des Ostrachtals, zwischen den besiedelten Horsten in Ostrach-Einhart und Hohentengen-Ölkofen. Es waren zwei zweijährige Störche aus Menningen (bei Meßkirch) und Deisendorf (Bodenseekreis), als Nistunterlage suchten sie sich einen Niederspannungsmast aus. So richtig ernst meinten sie es in ihrem jugendlichen Alter aber denn doch nicht, denn sie benahmen sich recht unstet, waren mal da und mal nicht und verschwanden schließlich am 8. April endgültig.
Im Mai erschienen dann aber wieder Störche im Ort und begutachteten den begonnenen Nestbau. Die Anwohner gingen davon aus, das Paar vom April sei zurückgekommen. Aber es waren andere (was wir nur wissen, weil die meisten der Adebare in Baden-Württemberg seit Jahrzehnten im Kindheitsalter von uns beringt werden). Einer dieser neu angekommenen Störche – sehr wahrscheinlich das Weibchen – war nämlich unberingt, der Partner konnte aufgrund der Ring-Kennzeichnung als zweijähriger, gebürtiger Ostracher identifiziert werden.
Dieses Paar schritt aber nun wirklich zur Tat und legte tatsächlich Eier ins Nest. Sie waren ganz schön spät dran, viele Junge durften es nicht mehr werden, sonst würden es diese nicht rechtzeitig bis zum Ausflug schaffen. Nach sorgfältiger Bebrütung schlüpfte um den 20. Juni dann ein einzelner kleiner Storch, ein zweites, vermutlich unbefruchtetes Ei wurde irgendwann an den Nestrand geschoben und schließlich hinausgeworfen.

Der kleine Storch wächst nun und gedeiht, Mitte Juli ging es ihm noch gut. Mittlerweile ist er fast vier Wochen alt. Er ist der absolute Nachzügler unter den oberschwäbischen Störchen und wird, wenn weiterhin alles gutgeht, voraussichtlich in den ersten Augusttagen beringt werden. Er braucht dann allerdings noch einige Wochen, um flügge zu werden, d.h. mit den Jungstorchtrupps wird er nicht ziehen können. Wir machen uns aber deshalb keine Sorgen, denn gewöhnlich bleibt in solchen Fällen mindestens einer der Elternstörche solange da, bis der Nachwuchs ausreichend gut fliegen kann, um ihn dann auf die Reise in den Süden mitzunehmen.


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