Die Störche Oberschwabens



Efrizweiler

Efrizweiler



2017: Am Haus am Wald bei Efrizweiler geht es in diesem Frühjahr hoch her. Bis zu fünf Fremdstörche, die schon seit längerer Zeit in der Gegend herumlungern und sich auch für den Horst bzw. beide Horste (es gibt ja am Hang ganz in der Nähe noch ein Nistplatzangebot) interessieren, machen dem angestammten (unberingten) Paar das Leben schwer bzw. haben anscheinend mittlerweile auch eine ernste Ehekrise verursacht.
Während nämlich das Männchen permanent die beiden Horste verteidigt, hat seine Gattin sich mit einem der (beringten) Störstörche zusammengetan, welcher vom Männchen sozusagen bis aufs Blut bekämpft wird. Bei so viel Umtrieb und Ärger hat man zu einer Brut natürlich keine Zeit (zumal sich ja das Weibchen offensichtlich auch inzwischen anderweitig orientiert hat), und so sieht es bislang am Haus am Wald ganz danach aus, als würde es dieses Jahr hier keinen Nachwuchs geben.

2016: Die beiden Efrizweiler Störche in wilder Ehe (beide tragen keinen Ring) verbrachten den Winter an ihrem Brutort bzw. in seiner Nähe und saßen dieses Frühjahr am 24. März erstmals auf einem Gelege.
Lebendig wurde es im Horst dann am 26. April, just in der sehr kalten Schlechtwetterperiode. Nach und nach schlüpften tatsächlich insgesamt fünf Junge, von denen die beiden jüngsten allerdings stark schwächelten. Sie lebten nur wenige Tage. Den drei älteren Geschwistern geht es aber gut, sie machen einen putzmunteren Eindruck, und einer der Winzlinge verschlang kürzlich nach Beobachtungen der Gartenbesitzer sogar eine 30 cm lange Blindschleiche (was ihm aber offensichtlich nicht leicht fiel, denn er brauchte mehrere Anläufe bis es ihm gelang).

Juli: Leider sind auch von den dreien an Pfingsten nochmals zwei Jungstörche durch das permanent regnerische und kalte Wetter umgekommen. Der letzte hat nun aber endgültig seine kritischen Tage überstanden. Er wurde am 7. Juni im Alter von sechs Wochen beringt. Sein Gefieder ist nun so gut ausgebildet, dass ihm Petrus nichts mehr anhaben kann, und demnächst wird er sich wohl erstmals in die Lüfte erheben und seine Kinderstube zumindest tagsüber zur Futtersuche verlassen.

2015: Diesen Winter blieb auch das Efrizweiler Brutmännchen lange an seinem Horst. Erst zu Sylvester verließ er seinen Brutort, um am 19. Februar wieder dort aufzutauchen.
Mit der Brut begann das Paar zu einem ähnlichen Zeitpunkt wie letztes Jahr, am 24. März. Die ersten kleinen Efrizweiler Storchenküken werden also noch im April schlüpfen.

Ende April tummelten sich drei kleine Störche im Efrizweiler Nest. Zwei entwickelten sich ganz gut, das Nesthäkchen blieb jedoch mehr und mehr zurück und starb schließlich Mitte Mai. Die beiden verbliebenen Jungstörche, die sich nun allein das Futter teilen konnten, legten dagegen ordentlich zu. Bei der Beringung brachten sie das stattliche Gewicht von 3,5 bzw. 3,7 Kilogramm auf die Waage. Die Eltern werde sie jedoch bald auf Abmagerungskur setzen, damit sie den Mut aufbringen, das elterliche Nest zu verlassen und selbst auf Futtersuche zu gehen.

2014: Das unberingte Brutweibchen von Efrizweiler blieb den Winter über am Bodensee. Am 21. Februar gesellte sich ein Storchenmann zu ihr, der jedoch nicht ihr Gatte war. Es handelte sich um einen Schweizer Storch, der vor fünf Jahren im Baseler Zoo aus dem Ei schlüpfte. Der Honeymoon der beiden war jedoch nicht von Dauer, denn ein unberingter Storch, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der letztjährige Gatte, kam aus dem Winterquartier zurück und zettelte, wie zu erwarten, einen Kampf an. Er eroberte seinen Horst zurück, der Baseler musste abziehen.
Bald kehrte Ruhe ein, und es nahm alles seinen geregelten Lauf, und so bebrüten die beiden seit ungefähr 22. März abwechselnd ein Gelege, aus dem voraussichtlich am 23. April die ersten kleinen Storchenküken schlüpfen werden.

Ende Juni: Die erste Fütterung wurde tatsächlich am 23. April beobachtet und bald konnte man auch ein kleines Köpfchen im Nest sehen. Es blieb allerdings bei einem Einzelkind, dass nun die ganze Fürsorge seiner Eltern in Anspruch nehmen konnte. Der kleine Storch gedieh prächtig, erhielt am 2. Juni unter tätiger Mithilfe der Grundstückseigentümer seinen Kennzeichnungsring sowie einen Namen und wird wohl bald seinen ersten Ausflug unternehmen.

2013: Wer am Bodensee logiert, stellt sich das Frühjahr bei seiner Ankunft eigentlich etwas anders vor. Sie ließen sich's trotzdem nicht verdrießen, unsere beiden Efrizweiler Störche vom Haus am Wald. Frühjahrsputz war angesagt, und dann schritt man auch bald zur Eierproduktion. Bereits seit Ende März wechseln sich die beiden ab und bebrüten ein Gelege.

Juni: Während es in Oberschwaben unter den frühen Gelegen dieses Jahr einige Ausfälle durch Frost gab, schlüpften in der klimatisch begünstigten Bodenseeregion auch aus den früh gelegten Eiern kleine Störche. Im Nest am Obstbaumhang in Riedern waren es drei Küken, die Ende April das Licht der Welt erblickten. Vier Wochen lang hielten alle drei tapfer durch, der Dauerregen Ende Mai/Anfang Juni war für den Jüngsten dann allerdings doch zuviel. Immerhin überlebten seine beiden Geschwister, und das, obwohl die Störchin zwei Tage lang wegen einer vorübergehenden Flugunfähigkeit (Flügelverstauchung?) nicht ihren Horst anfliegen konnte, und der Gatte allein die Jungen abdeckte und jeweils in einer kurzen Regenpause seinen Nachwuchs mit Futter versorgte. So waren sie am 4. Juni zusammen mit dem Bichtlinger Jungstorch die einzigen Störche, die an diesem Tag beringt werden konnten (20 weitere Jungstörche wurden an diesem Tag tot von ihrem Nest geholt!). So sehr die Besitzer des Grundstücks, die vor Jahren den Horst aufstellten und sich mit den Störchen sehr verbunden fühlen, der Verlust des einen Jungstorchs auch schmerzte, so freuten sie sich doch sehr, dass sie zu den wenigen Glücklichen gehören, die dieses Jahr noch lebende Junge in ihrem Horst beobachten können. Die beiden Störchlein erhielten auch sogleich Namen: Das vermeintliche Mädchen (der leichtere von beiden) wurde Humula genannt, der Storchenbursche erhielt den Namen Jedersen. Ob das die Modenamen der neuen Generation sein werden?

August: Im Alter von etwa zehn Wochen und nach eifrigen Flugübungen wagten Humula und Jedersen sich erstmals vom Horst. Jetzt kann man sie kaum noch von ihren Eltern unterscheiden und sie fliegen auch schon fast so perfekt wie diese. Das ist auch gut so, denn bald treten sie ihre erste anstrengende Reise in den Süden an. Ob wir sie in zwei oder drei Jahren wieder irgendwo am Bodensee oder in Oberschaben wiedersehen werden? Wünschen wir Ihnen viel Glück, denn der Zug ist für die noch unerfahrenen Störche voller Gefahren.

* Der Horst, der in der Straße Haus am Wald 2011 erstmals besetzt wurde, gehörte tatsächlich zu Efrizweiler, 2012 zogen die Störche allerdings auf ein eng benachbartes Nest am selben Streuobsthang um, welcher bereits auf Gemarkung Friedrichshafen-Riedern steht.

2012: Unsere beiden Unberingten, die sich letztes Jahr erstmals in Efrizweiler in einem Obstbaumgarten niederließen und ein Junges aufzogen, sind nach Efrizweiler zurückgekehrt. Allerdings bezogen sie nicht das Nest am Haus am Wald, sondern einen Horst, der ebenfalls auf einem Mast am selben Hang etwas weiter südlich aufgestellt wurde. Der Mast ist höher und der Horst freier anzufliegen. Seit Ende März brüten sie.

Anfang Juni: Nachdem die beiden Efrizweiler Störche letztes Jahr nur ein Junges bekamen, versuchten sie es dieses Jahr gleich mit vier. Bisher scheint es zu klappen, denn alle vier haben ihre ersten Lebenswochen überstanden.

August: Im Alter von ca. vier Wochen, am 27. Mai starb der kleinste der vier Jungstörche, wenige Tage später folgten zwei weitere seinem Schicksal. Ursache war aber nicht etwa anhaltend schlechtes Wetter oder ein Unwetter, sondern ganz offensichtlich Unterernährung. Ich selbst beobachtete heftiges Betteln unmittelbar nach der augenscheinlich nicht ausreichenden Fütterung, und die Jungstörche sahen einige Tage vor ihrem Tod deutlich unterentwickelt aus. Einer jedoch hielt tapfer durch und erholte sich zusehends dank der Tatsache, dass er nun die Fürsorge der Eltern für sich alleine beanspruchen konnte. In einer gemeinsamen Aktion mit dem Eigentümer und dem Baumpflegebetrieb Liede gelang trotz des nur schlecht zugänglichen Horststandorts die Beringung des Jungstorchs, und so konnte der junge Adebar sogar mit Personalausweis am 1. Juli seinen ersten Flug  unternehmen. Wünschen wir ihm auch weiterhin viel Glück. Auf seiner ersten großen Reise wird er es brauchen.

Efrizweiler

2011:
In Efrizweiler bei Friedrichshafen wurde ein neuer Horst in einem Obstgarten am Hang unterhalb des Waldes aufgestellt, der auch sogleich von einem Storchenpaar angenommen wurde. Die beiden Adebare sind unberingt, weshalb man über ihre Herkunft oder ihr Alter nichts berichten kann. Sie fingen etwa Mitte April zu brüten an und brachten einen kleinen Storch zur Welt.
Die Beringung konnte aus Gründen schlechter Zugänglichkeit  nicht rechtzeitig bewerkstelligt werden, weshalb dieser Jungstorch einer der wenigen Weißstörche in Baden-Württemberg sein wird, die unberingt ausgeflogen sind. 
Wenige Tage nach seinem Jungfernflug, zu dem er nach Angaben der Anwohner am 26. Juli aufbrach, geschah ihm ein kleines Malheur, an dem wir Menschen mal wieder nicht unschuldig sind  (siehe auch Scheer, Markdorf Hepbach-Leimbacher-Ried, Einhart): Eine Schnur hatte sich an seinem Schnabel verfangen. Zu unserer Erleichterung wurde er das Utensil nach einem Tag jedoch wieder los, denn einen flugfähigen Storch einzufangen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Jetzt kann er wieder unbehindert Würmer und Mäuse fangen und sich kleine Fettpölsterchen für den bevorstehenden Zug zulegen. Die Störche am See fliegen nämlich sicher bald los, und da will er natürlich dabei sein.








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