Die Störche Oberschwabens


Großtissen



2017: Schon am 12. Januar erschien der erste Storch in Großtissen, und – o Schreck – das Nest auf dem Dachständer, welches hier nicht bleiben kann und für das eine Ersatznistunterlage auf dem Nachbarhaus installiert worden war, war immer noch nicht entfernt. Es war aber vermutlich nicht das letztjährige Brutmännchen (welches erfahrungsgemäß sehr viel später aus dem Winterquartier zurückkommt), bis zur Ankunft der Großtissener Störche dauerte es glücklicherweise noch eine ganze Weile. Dennoch brauchte es gehörigen Druck, dass der Energieversorger rechtzeitig mit der Beseitigung des alten Nestes und dem Anbringen einer wirksamen Abweiser-Vorrichtung fertig wurde. Knapp vor Ankunft des Paares am 25. Februar war es dann tatsächlich geschafft. Das Paar nahm zur großen Erleichterung der Großtissener das neue Nest problemlos an. Das Männchen, das schon seit Januar das Revier besetzt hatte, gab dieses aber nicht kampflos auf. Ob dieses Männchen vielleicht doch das Großtissener war und die Angetraute mit einem Neuen kam oder das am 25. Februar erschienene das Großtissener Paar war, darauf können wir erst nächstes Frühjahr je nach Ankunftszeit des Großtissener Männchens einen Hinweis finden. Jedenfalls stand nach Klärung der Sachlage in Großtissen das Paar vom letzten Jahr auf dem Nest: das Männchen aus Ölkofen und das Weibchen aus Esenhausen, beide nun fünf Jahre alt.
Mit der Brut begannen die beiden Ende März. Bei der letzten Nestbeobachtung am Maifeiertag wurden drei kleine Junge im Nest gesehen, die offensichtlich die Schneetage in Oberschwaben einigermaßen gut überstanden haben.  

Juli: Alles ging gut im Großtissener Nest bis zum 31. Mai. Bei der Beringung am Tag zuvor wurde der Nachwuchs noch vollzählig angetroffen, auch lag noch ein zusätzliches, offensichtlich unbefruchtetes Ei im Nest. Dann aber wagte sich der kleinste vermutlich beim Abkoten zu weit an den Nestrand und purzelte hinaus. Diesen Sturz überlebte er nicht. Den beiden älteren kann so etwas jetzt nicht mehr passieren, denn die Nestgebundenheit haben sie weitgehend hinter sich. Ihre Schwingen tragen sie in die Lüfte, bald lassen sie ihren Geburtsort weit hinter sich.

2016: In Großtissen bei Bad Saulgau hatte sich letztes Jahr erstmals ein Storchenpaar niedergelassen, jedoch nicht gebrütet. Das Nest bauten sie auf einem Stromdachständer, schon wegen des jährlich zunehmenden Gewichts kein geeigneter Platz für einen Storchenhorst. Nach Abzug der Störche beseitigte man daher das Nest und errichtete auf dem Nachbardach einen Ersatzhorst.
So weit, so gut.
Am 14. März erschien dann das Storchenmännchen vom letzten Jahr, ein Vierjähriger, gebürtig in Ölkofen, und ließ sich tatsächlich auf dem Ersatzhorst nieder. Nach ein paar Tagen überlegte er es sich jedoch anders und siedelte plötzlich wieder auf den Stromdachträger um, wo er sogleich Äste auflegte und auch sehr schnell ein veritables Nest zusammen hatte. Tja, Umsiedlungsversuch mangels wirksamem Abweiser auf dem Dachständer also erstmal gescheitert.
Gesellschaft bekam der Storchenmann am 20. März. Es war aber nicht seine letztjährige Partnerin (damals eine Schweizerin), sondern eine Oberschwäbin aus Esenhausen, im selben Alter wie er, die im Jahr zuvor auf dem Leuze-Verlag in Bad Saulgau residiert hatte. Man verstand sich ziemlich schnell, und so lagen am 1. April bereits die ersten Eier im Nest. Mitte Mai - die Eisheiligen waren fast vorbei - fütterte einer der Altstörche zwei Junge, die hoffentlich immer noch putzmunter sind.

Juli: Der Großtissener Storchennachwuchs hat tatsächlich alle Wetterkapriolen schadlos überstanden. Beide Jungstörche konnten am 14. Juni im Alter von sechs Wochen beringt werden, erwiesen sich dabei zwar als leicht untergewichtig, waren aber ansonsten wohlauf. Sie trainieren inzwischen fleißig ihre Flugmuskulatur, die Luftsprünge über dem Nest werden immer höher. Es wird ja auch langsam Zeit für den ersten Ausflug, denn schon in einem Monat sammeln sich die Jungstorch-Trupps, um bald darauf gemeinsam die Reise in den Süden anzutreten.

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