Die Störche Oberschwabens



Ochsenhausen



2016: In Ochsenhausen ist auf dem Rathausnest dieses Frühjahr so richtig was los. Der Saulgauer und die Böhringerin, das Paar also vom letzten Jahr, haben seit Ende April vier Junge im Nest. Die Eisheiligen haben sie alle weitgehend unbeschadet überstanden. Bei der letzten Horstkontrolle am 17. Mai waren alle vier putzmunter, schienen infolge der nasskalten Tage in der Entwicklung allerdings etwas zurückgeblieben. Hoffen wir, dass ihnen auch die beiden unwirtlichen Tage um den 23. Mai nichts anhaben konnten. Denn jetzt sind sie in einem gefährlichen Alter: Sie sind so groß, dass sie nicht mehr vom Altstorch mit seinem Körper bedeckt werden können, das eigene Gefieder ist jedoch noch nicht so gut entwickelt, um ausreichend vor Nässe und Kälte zu schützen.

Ochsenhausen

Ochsenhausen

Ochsenhausen
Fotos: Jürgen Dämmgen 2016.

Juli: Den 23./24. Mai überstanden alle vier kleinen Störche im Ochsenhausener Nest einigermaßen gut. Dann, am Abend und in der Nacht des 29. Mai gab es ein fürchterliches Unwetter um Biberach mit Starkregen, Kälte und Sturm, bereichsweise auch Hagel. In Biberach und Ummendorf, die beide dieses Jahr reichlichen Storchennachwuchs hatten, waren danach alle kleinen Störche tot. Die Jungen im Ochsenhausener Nest kamen zum Glück dagegen glimpflich davon. Lediglich das Nesthäkchen fiel dem Unwetter zum Opfer, die drei Älteren überlebten erstaunlicherweise das Desaster.
Drei Tage nach dem Unwetter bekamen die drei merkwürdigen Besuch. Eine Drehleiter mit Metallkorb näherte sich ihrer Wohnstatt und  in dem Korb furchteinflößende Wesen. Die jungen Störche stellten sich tot, nützte aber nichts: Sie wurden trotzdem zu ihrem Missfallen angefasst und mussten ihre Beine herzeigen, an denen ein komisches Ding befestigt wurde, wurden in einem Tuch an einer Waage in die Luft gehoben und mussten sich zum Schluss auch noch an den Schnäbeln herumpuhlen lassen (wahrscheinlich haben sie sich gefühlt, wie wir bei unserem ersten Zahnarztbesuch!). Na ja, Gott sei Dank, waren die furchteinflößenden Wesen bald wieder verschwunden und mit ihnen die Leiter, und die vertrauten Eltern kamen wieder zurück, nur das komische Ding am Bein blieb. War das eine Aufregung!

Jetzt würden sie sich so etwas nicht mehr gefallen lassen, denn bei Gefahr fliegt man einfach davon. Überhaupt ist das Fliegen doch eine tolle Sache. "Ab in den Süden" heißt es bald, "das Wetter hier ist uns völlig schnurz, bleibt ihr nur hier in Eis und Schnee, uns tragen die Schwingen weit fort von hier nach dem sonnigen Spanien. Aber keine Sorge, in ein paar Jahren kommen wir wieder. Bestellt dann aber gefälligst besseres Wetter für uns und unseren künftigen Nachwuchs!"

2015: Der neue Storchenhorst auf dem Rathaus als Ersatz für das Kaminnest wurde erfreulicherweise problemlos von den Störchen angenommen.

Der Storchenmann, der schon am 21. Februar aus seinem Winterquartier nach Ochsenhausen zurückkehrte, ist derselbe wie letztes Jahr, seine diesjährige Gattin ist jedoch eine andere. Die Störchin, die vor vier Jahren in einer Storchenkolonie in Böhringen bei Radolfzell aus dem Ei schlüpfte, erschien am 7. März, freundete sich mit dem Bad Saulgauer an und sitzt seit Ende März abwechselnd mit ihm auf einem Gelege.

Ende April war es soweit. Es regte sich Leben im Rathaus-Nest. Ursprünglich waren es drei kleine Störche, die sich im Nest tummelten, dann aber reduzierte sich die Zahl zusehends. Ein Jungstorch wurde am 18. Mai tot unterhalb des Rathauses gefunden, ein weiterer Toter wurde bei der Beringung im Schneefanggitter gefunden. So war also am 6. Juni wieder mal nur ein Jungstorch in Ochsenhausen zu beringen. Der wog aber immerhin fast drei Kilogramm und machte einen guten Eindruck. Bald wird er nicht mehr nestgebunden sein,  sondern sich dem Element der Lüfte anvertrauen. Bei der derzeit herrschenden Hitze bestimmt nicht die schlechteste Idee. Wer von uns möchte da nicht mitfliegen?

2014: Neuer Weißstorchbrutort Ochsenhausen!

Ochenhausen
Der neue Horst in Ochsenhausen. Foto: Ute Reinhard 29.04.2014

Anfang April zeigte ein Storchenpaar in Hochdorf im Landkreis Biberach auf einem Baukran Nestbau-Absichten und begann, auf den Kran-Ausleger Äste zu legen. Der Kran war zwar in Aktion, was die Störche allerdings zunächst nicht störte. Allerdings war abzusehen, dass der Baukran bald seinen Einsatzort wechseln würde, und so hatte dieses Nest keine Zukunft. Anscheinend sahen das die Störche selbst ein, denn noch bevor die Äste entfernt wurden, wechselten die Störche und zogen Mitte April nach Ochsenhausen, wo sie in der Innenstadt einen stabilen, sich nicht bewegenden Hauskamin vorfanden und sich diesen als Nistunterlage auserkoren. Der Storchenmann ist übrigens ein Oberschwabe aus Bad Saulgau, seine Gattin kommt vom Bodensee aus Tüfingen. Beide sind noch blutjung, gerade mal zwei Jahre alt.

Noch vor Ende April saß das Paar schließlich auf einem Gelege, aus welchem ca. einen Monat später drei kleine Störche schlüpften. Alles ging gut, bis in der Nacht vom 28. auf den 29. Juni ein Unwetter mit Starkregen kam. Die Störche waren zu diesem Zeitpunkt zwischen vier und fünf Wochen alt, ein gefährliches Alter, in dem sie nicht mehr von den Eltern abgedeckt werden können, das Gefieder jedoch Nässe und Kälte noch nicht ausreichend abweisen kann. Von den drei Jungstörchen starben in dieser Nacht zwei, immerhin einer überlebte jedoch und konnte einige Tage später beringt werden. Inzwischen hat er seine kritische Zeit überstanden, und die Ochsenhausener Bürger sind stolz auf ihre Störche, die trotz ihres jugendlichen Alters und der späten Brut immerhin einen Jungstorch durchgebracht haben.

Fotos von Hans-Peter Wachter:

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Das Trio von Ochsenhausen am 21.06.2014.

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Hast du uns was mitgebracht? 21.06.2014

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Ablösung am Horst 14.05.2014

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Ablösung am Horst 14.05.2014

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Der Ochsenhausener Jungstorch kurz vor der Beringung am 02.07.2014

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Der Jungstorch wird gewogen. 02.07.2014Ochsenhausen
Der Schnabel wird gereinigt.

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Nachdem der Ring angebracht ist, wird das Bein wieder vorsichtig zurueckgeklappt. 02.07.2014

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Die Storchenbeauftragte erklärt Bürgermeister Denzel und den Anwohnern die Beschriftung des Rings.
02.07.2014

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Gefiederpflege bei Sonnenuntergang.

 

 



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