Die Störche Oberschwabens



Wald



2017: In Wald verläuft alles in gewohnten Bahnen. Der Affenberger und die Ersingerin sind wie in den letzten Jahren die Horstinhaber. Einer der beiden erschien bereits Mitte Februar, am 1. März war das Paar dann komplett.
Nach 20 Tagen Nestputz, Nestrenovierung und Paarungsvergnügen wurde schließlich das erste Ei ins Nest gelegt. Um den 23. April pellten sich dann die ersten kleinen Störche aus den Schalen. Die treusorgenden Eltern wärmten sie gut und fanden trotz der Schneedecke in Gräben, Bächen und Ackerfurchen der Umgebung etwas Futter für die Jungen, so dass diese die winterlichen Tage einigermaßen gut überstanden. Am 2. Mai wurden mindestens drei Jungstörche im Nest gezählt. Wahrscheinlich waren es sogar vier. Hoffen wir, dass sie es in den künftige Tagen etwas leichter haben.

2016: Auf dem Nest in Wald haben sich wieder der Affenberger und seine aus Ersingen stammende Gattin eingefunden. Aus den Eiern, die sie im Abstand von voraussichtlich jeweils zwei Tagen nacheinander in Nest legten und sorgsam abwechselnd bebrüteten, schlüpften Ende April insgesamt vier kleine Storchenküken.

Am 8. Mai bekam ich dann einen Anruf: Ein Storch habe sich am Bein verletzt, sei auch anscheinend nur noch bedingt flugfähig, möglicherweise handele es sich um einen der Walder Brutstörche. Ich fuhr hin und sah beide Altstörche auf dem Nest stehen. Sie fütterten ihre Jungen, verhielten und bewegten sich völlig normal, an den Beinen war keinerlei Verletzung zu erkennen. Ein verletzter Storch war nirgends zu finden, es war also vermutlich ein Fremdstorch, der das Weite gesucht hatte. Vier Tage später – es herrschten inzwischen die nasskalten Eisheiligen – erhielt ich gegen Abend wieder einen Anruf: Es sei offensichtlich nur noch ein Altstorch da, ein Wechsel sei nicht mehr zu beobachten, der gleiche Storch gehe Futter holen und schütze dann sofort seine Jungen vor Regen und Kälte. Während der Nahrungsflüge sei kein Altstorch auf dem Nest. Das kam mir nun doch merkwürdig vor bei diesem Wetter und ich fuhr umgehend ein zweites Mal hin. Ich blieb bis weit nach Einbruch der Dunkelheit, ein Altstorch lag auf dem Nest und schützte die Jungen, ein zweiter ließ sich tatsächlich nicht blicken. Gleich früh am nächsten Morgen war ich wieder zur Stelle, organisierte eine Kurzzeitpflege für die kleinen Störche, die ich aus dem Nest holen wollte und versuchte dann gerade, die Feuerwehr zu erreichen, als ich von einem anderen Blickwinkel aus plötzlich den zweiten Altstorch, das Weibchen, auf dem Nachbardach stehen sah. Vielleicht hatte er sich dort schon die ganze Nacht aufgehalten. Wieder erschien er völlig unverletzt, flog auch einwandfrei, allerdings nicht aufs Nest. Vielleicht war er wirklich mit einem Hindernis kollidiert und hatte einen kleinen Schock. Erfahrungsgemäß kehrt der Altstorch aber dann irgendwann wieder zum Nest zurück. Selbstverständlich war nicht daran zu denken, dem Paar seine Jungen wegzunehmen. Es dauerte auch nicht lange, und die Familie war wieder vereint. Von den Jungstörchen starben bei dem miserablen Wetter trotzdem drei, der zeitweise fehlende Schutz hatte ihnen selbstverständlich nicht gut getan. Allerdings sah es nach den Eisheiligen auch in einigen anderen der umliegenden Nester nicht mehr sehr gut aus, und die Jungen wären vielleicht auch dann gestorben, wenn es diesen Zwischenfall nicht gegeben hätte.

Juli: Die Walder Störche teilten das Schicksal vieler Storcheneltern dieser Saison, die von ihrem gesamten Nachwuchs nur einen Jungstorch durchbrachten. Aber immerhin einen! Denn vielen erging es noch schlechter.
Die Kinder des Kindergartens freuten sich jedenfalls sehr, dass ein kleiner Storch durchkam und mit Hilfe der Mengener Feuerwehr beringt werden konnte. Das Feuerwehrauto und die Drehleiter waren neben der Beringungsaktion natürlich die größte Attraktion. Außerdem konnten die kleinen Jungs und Mädels, die die Störche vom Kindergarten aus beobachten können, viele Fragen loswerden, die ihnen auf dem Herzen lagen.

Bei der letzten Nestbeobachtung am 5. Juli machte der Jungstorch bereits hohe Sprünge über dem Nest und dürfte schon seit mindestens einer Woche fliegen. Es wird ja auch langsam Zeit, denn bald steht die erste große Reise bevor.

Wald
Der Kindergarten zu Besuch bei der Beringung. Ute Reinhard 2016.

2015: Wo ist unser vorjähriger Walder Brutstorch abgeblieben? Ist ihm womöglich etwas zugestoßen? Bisher ist er weder in Wald noch sonst auf irgendeinem anderen Horst aufgetaucht.

Stattdessen leistet dieses Frühjahr ein vom Affenberg stammendes vierjähriges Storchenmännchen der Störchin Gesellschaft. Auch mit ihm scheint sie sich recht gut zu verstehen, und so lag schon Ende März das erste Ei im Nest.

Vier Junge tummelten sich Anfang Mai im Walder Nest, die ersten waren schon Ende April aus dem Ei geschlüpft. Eines schien von Anfang an deutlich kleiner als seine Geschwister zu sein. Es überlebten jedoch nur zwei der Jungstörche ihre Nestlingszeit. Bald werden sie ihrem elterlichen Nest endgültig den Rücken kehren, sich anderen Jungstörchen anschließen und los geht's auf die erste große Reise.

2014: Auch die Walder Störche kamen dieses Frühjahr schon im Februar aus ihrem Winterquartier zurück. Trotz des letztjährigen Misserfolgs sind sie ihrem Horst treu geblieben. Seit ungefähr 25. März wird gebrütet. Hoffen wir, dass das Wetter dieses Mal mitspielt und es auch genügend Nahrung für die schlüpfenden Küken gibt.

Juni: Im Walder Horst ist dieses Jahr so richtig was los. Anfangs tummelten sich vier, wahrscheinlich sogar fünf Junge im Nest, nach den Eisheiligen waren es allerdings nur noch drei. Dieses Trio hielt sich jedoch wacker, machte am 3. Juni Bekanntschaft mit der Meßkircher Feuerwehr und der Storchenbeauftragten, die jedes rechte Bein mit einem individuellen Ring versah, und wird nun wohl bald das Nest erstmals verlassen.

2013: Wald hat sich wohl endgültig als Brutort etabliert. Das uns schon gut bekannte Brutpaar - er aus Hilzingen-Riedheim, sie aus Ersingen - ist Anfang März zu einem dritten Saisonstart in Wald aus seinem Winterquartier zurückgekehrt. Um den 25. März begann es schon etwas routiniert mit dem Brutgeschaft. Wieviele Junge die Störche diesmal im Walder Horst durchbringen werden?

Juni: Ende April wurde es im Walder Horst langsam lebendig, und als die Familie schließlich komplett war, konnte man vier kleine Störchlein sich im Nest tummeln sehen. Einen Monat lang hielten alle vier tapfer durch, überstanden bis dahin alle Regengüsse und Kälteeinbrüche. Doch dann kam der nicht mehr enden wollende Regen bei bitterer Kälte Ende Mai und Anfang Juni, der fast allen Jungstörche Oberschwabens den Garaus machte. Auch die Walder Jungstörche gehörten dazu. Noch am 28. Mai war die Familie komplett, es lebten noch alle vier Junge; am 1. Juni lag ein unbewegliches trauriges Häuflein im Nest, das von den Altstörchen immer wieder berührt und gezupft wurde, alle Jungen waren tot. Sehr viele Paare in Oberschwaben hatten dieses Jahr vier Junge im Nest. Vier war sozusagen die magische Zahl der Saison 2013. Und in den meisten dieser Horste kamen die vier Junge auch bis Ende Mai trotz Wetterkapriolen einigermaßen gut über die Runden. Dann kam die lang andauernde Schlechtwetterperiode Ende Mai und Anfang Juni, und es war aus und vorbei.
Wünschen wir den Walder Störchen und überhaupt allen Störchen in Oberschwaben besseres Wetter, reichlich Futter und mehr Glück in der nächsten Saison, damit es in den Horsten wieder lustig klappert.

2012: Am letzten Februartag des Schaltjahres 2012 kamen unsere beiden letztjährigen Walder Brutstörche zu ihrem Horst auf dem Mast am Rande des Schulhofs zurück. Letztes Jahr waren sie ja erst im April hier angekommen und mussten sich erst noch ein Nest bauen, weshalb sie mit der Brut ziemlich spät dran waren. Sie bekamen dann auch nur noch ein Junges, das sich zudem nur sehr langsam entwickelte.
Frühere Bruten haben allgemein eine bessere Chance, aufzuwachsen und den Zug in den Süden gut genährt anzutreten. Diesmal haben die Walder Storcheneltern ihre Eier drei Wochen früher gelegt, es werden daher daraus sicherlich mehrere kleine Störche schlüpfen. Auch kennen sich die Altstörche jetzt schon etwas in der Gegend aus und wissen, wo es das beste Futter für ihre Jungen gibt. Allerdings ist das Wetter nicht jedes Jahr so gut wie im Jahr 2011. Mal sehen, was die Saison uns bringt.

Mitte Juni: Tatsächlich haben sich die Walder Störche dieses Jahr mächtig ins Zeug gelegt. Denn es schlüpften Ende April und Anfang Mai vier kleine Störche. Nach zwei Wochen forderten allerdings die Eisheiligen ihr Opfer, das Nesthäkchen starb. Zwei weitere Wochen später reduzierte sich die Jungenschar um einen weiteren Jungstorch. Ursache war vermutlich Unterernährung, denn es gab zu dieser Zeit keine Unwetter oder lang anhaltende nasskalte Wettereinbrüche. Am 4. Juni konnten also noch zwei Störche im Walder Nest beringt werden, von denen der Kleinere allerdings nur wenig mehr als zwei Kilogramm auf die Waage brachte. Hoffen wir, dass er die derzeit herrschenden nassen Tage gut übersteht.

August: Die Walder Jungstörche haben ihre Nestlingszeit erfolgreich hinter sich gebracht. Auch der Kleine wuchs heran. Sie brauchten allerdings insgesamt fast elf Wochen bis sie fliegen konnten. Trotzdem waren sie um Einiges früher dran als der letztjährige Einzel-Jungstorch von Wald und hatten zum Üben noch genügend Zeit. Jetzt ist es aber bald soweit. Ihr Klappern wird bald nicht mehr in Wald zu hören sein. Zuerst verschwinden die Jungen gen Süden, dann folgen auch die Alten. Bis es nächstes Frühjahr wieder heißt "Auf unserer Wiese gehet was......"

2011: Erstmals Weißstörche in Wald!
In letzter Zeit hatten Gemeindeverwaltung und Anwohner verstärkt darüber nachgedacht, wo man Störchen in der Gemeinde Wald ein Nest anbieten könnte. Letzte Planungen hatten einen Mast am Ortsausgang Richtung Sentenhart im Visier, wo sich auch die besten Nahrungsgebiete befinden.
Jetzt haben sich die Störche selbst einen Platz ausgesucht, und zwar ebenfalls einen Mast, jedoch direkt im Ortszentrum bei der Schule (ob da die Absicht dahintersteckt, den Kindern etwas über das Leben der Adebare beizubringen?). Inzwischen wurden die beiden Vögel auch schon anhand ihrer Ringe am Bein identifiziert: Die Storchendame stammt aus Ersingen und ist noch sehr jung, nämlich erst zwei Jahre alt. Ihr Gatte ist ebenso jung und stammt vom Bodensee, er wurde in Riedheim-Hilzingen geboren. Beide geben in Wald sozusagen ihr Debut. Derzeit wird noch eifrig am Nest gebaut und kopuliert, aber lange wird es nicht mehr dauern bis die ersten Eier im Nest liegen.
Recht spät begannen die jungen Walder Störche mit der Brut und waren am 22. April frischgebackene Eltern eines kleinen Jungstorchs. Da er ein Einzelkind ist, hat er trotz dieses späten Bruttermins gute Chancen, seine ersten kritischen Lebenswochen zu überstehen, denn er kann sämtliches Futter, das Vater oder Mutter bringen, für sich allein beanspruchen. Allerdings sollte es in den nächsten beiden Wochen möglichst keine länger anhaltende nasse Kälteperiode geben, denn von den Altstörchen wird der nun ca. vierwöchige Jungstorch nicht mehr geschützt, sein Gefieder hält Nässe und Kälte jedoch noch nicht vollständig ab.


Anfang August: Mit der Versorgung des kleinen Storchs in Wald scheint es, obwohl er ein Einzelkind ist, zu hapern, denn bei der Beringung am 27. Juni erwies er sich nicht nur als sehr leichtgewichtig (1,35 kg!), sondern auch in seiner gesamten Entwicklung als deutlich zurückgeblieben. Übrigens wurde bei diesem Nestbesuch ein zweites, vermutlich unbefruchtetes Ei gefunden, und Kinder der benachbarten Schule berichteten vom Fund der Bruchstücke eines weiteren  Eis mit Eigelbresten unterhalb des Nestes., was bedeutet, dass die Störchin mindestens drei Eier gelegt hatte. Die Schüler, die zusammen mit ihren Lehrern während der Beringung unterhalb des Horstes standen, beobachteten interessiert, was denn da oben mit dem kleinen Storch passierte, und bestürmten die Beringerin mit tausend Fragen. Man merkte den Kindern auch die Sorge um ihren kleinen Storch an, von dem sie erfuhren, dass er noch lange nicht außer Gefahr war.
Umso erfreulicher, dass der kleine Adebar von Wald nun doch tatsächlich trotz des teils ganz schön miesen Wetters im Juli seine kritische Nestlingszeit überstanden hat. Er ist allerdings noch immer recht klein für sein Alter, obwohl seine Beine schon langsam eine orangefarbene Tönung annehmen. Auch halten sich seine Flugübungen bisher sehr in Grenzen, so dass er wohl kaum vor Mitte August flügge werden wird. Seine Eltern sollten unbedingt verstärkte Anstrengungen unternehmen und ihn schleunigst gut füttern, damit er kräftiger wird; als sie allerdings neulich bei der Futtersuche im Andelsbachtal bei Zell beobachtet wurden, schienen sie dabei keinen großen Fangerfolg zu haben. Mit den Jungstorchtrupps wird der kleine Walder nicht mehr mitfliegen können, denn selbst wenn er es bis Mitte August vom Nest schafft, muss er ja erst noch besser das Fliegen lernen und auch in der Nahrungsbeschaffung selbständig werden. Seine Eltern werden warten, bis er bereit ist, und vermutlich wird er dann mit seinem Vater oder seiner Mutter (ein Stück weit vielleicht auch mit beiden) zusammen in den Süden ziehen. 





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