Die Störche Oberschwabens



Ablach

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2017: Da die Brut im Jahr 2016 hier nicht erfolgreich verlief, war nicht zu erwarten, dass das Storchenpaar aus dem Jahr 2016 nach Ablach zurückkehren würde. Stattdessen erschien auf dem Ablacher Horst am 4. März ein junger Storch, gebürtig 2015 im Landkreis Konstanz in Hausen an der Aach. Ihm gesellte sich acht Tage später ein möglicherweise in Hessen geborenes Storchenweibchen mit einem Helgoland-Ring hinzu. Anscheinend blieb die Dame aber nicht, und der Hausener fand auf einmal eher Gefallen am Krauchenwieser Horst, welchen er am 19. März mit einem anderen Weibchen bezog. Seine neue Flamme ist eine waschechte Oberschwäbin, ebenfalls erst knapp zwei Jahre alt, beringt in Tiefenbach am Federsee.
Seitdem steht der Horst in Ablach leer. Zwar besteht noch die Chance einer diesjährigen Besiedlung, allerdings wird sie mit fortschreitendem Frühjahr immer geringer.

2016: Zunächst sah es nicht so aus, als ob das Nest in Ablach im Frühjahr 2016 besetzt würde. Mitte März war schon vorbei, und der Horst war immer noch leer. Dann kamen aber am 24. März doch noch zwei Adebare an und entschieden sich zu bleiben. Ein zweijähriger, also im Jahr 2014 geborener Storchenmann aus der badischen Bodenseeregion (Hilzingen-Riedheim) und eine Storchendame, die uns nicht verrät, woher sie stammt (denn sie trägt keinen Ring) vermählten sich in Ablach, mussten aber ihr neues Domizil bald gegen andere Interessenten verteidigen.
Inzwischen ist etwas Ruhe eingekehrt. Seit ca. 10. April wird gebrütet, was bedeutet, dass sich bald die ersten kleinen Störchlein aus den Eiern pellen werden.
Übrigens ist "Mira", unsere anscheinend noch putzmuntere, 2014 in Ablach mit einem Datenlogger versehene Senderstörchin, derzeit in Frankreich, sie hält sich zwischen Dijon und Lyon auf. Sie schien dieses Frühjahr noch keine Lust auf Familienleben zu verspüren.

Juli: Im Ablacher Nest schlüpften mindestens zwei Junge, evtl. waren es anfangs sogar drei. Sie waren schon über fünf Wochen alt und hätten wenige Tage später ihre kritische Nestlingszeit überstanden gehabt, da kam der Dauerregen am 16. Juni und darauf eine nasse, kalte und windige Nacht. Infolge der erreichten Körpergröße passten sie nicht mehr unter das elterliche Gefieder und waren dem Wetter schutzlos ausgeliefert. Möglicherweise hatte allerdings auch der Müll, den man später in ihrem Nest fand, etwas mit ihrem Tod zu tun. Die Kadaver waren, als man sie aus dem Nest holte, jedoch zu stark verwest, um sie noch daraufhin untersuchen zu können.

2015: Am letzten Februartag erschienen zwei Störche in Ablach. einer der beiden war das Storchenmännchen vom letzten Jahr, der bayrische Storch aus Muhr am See, der jetzt mittlerweile sieben Jahre alt ist. Die Störchin, die mit ihm zusammen im März auf dem Horst gesehen wurde, war jedoch nicht seine letztjährige Angetraute, sondern ein Weibchen, das im Jahr 2014 in Göggingen auf dem Masthorst bei der Tankstelle Junge groß gezogen hat.

Ende März, kurz vor Brutbeginn, überlegte es sich die Störchin jedoch auf einmal anders. Sie verließ den Ablacher und kehrte zu ihrem letztjährigen Gatten nach Göggingen zurück, wo sie seit den ersten Apriltagen brütet. Wer wohl der Papa der ersten dort schlüpfenden Störchlein ist?

Da sich ihm kein anderes Weibchen zugesellte, verließ der Ablacher Brutstorch schließlich seinen Horst in Ablach und zog nach Mengen um, wo er jetzt mit einer unberingten Storchendame auf der evangelischen Kirche zwei Junge aufzieht. Der Ablacher Horst ist seitdem verwaist. Vielleicht kommt nächstes Jahr ja ein anderes Paar, um hier zu brüten?

Die beiden im letzten Jahr besenderten Jungstörche stellten sich übrigens beide als Weibchen heraus, also Mira und Manuela. Manuela schloss sich schon vor dem Abzug dem Königseggwalder Senderstorch Luca an, der bei seinem Flug in die Donauwiesen einen Abstecher nach Ablach machte. Beide zogen von da an gemeinsam und beide kamen leider in Ost- bzw. Zentralspanien ums Leben, Luca am 4. September, Manuela etwas später. Die Todesursache ist in beiden Fällen unbekannt. Die Störchin Mira lebt aber noch und hält sich derzeit in Südspanien östlich von Cadiz auf. Man darf gespannt sein, ob sie nächstes Jahr schon nach Süddeutschland zurückkommt und wo sie dann eine Famile gründen wird.

2014: Pünktlich zum Märzbeginn erschien in Ablach der erste Storch; es war das Storchenmännchen vom letzten Jahr. Seine Angetraute ließ zwar etwas auf sich warten, kam dann aber doch etwa zehn Tage später mit einem warmen Frühlingswind angesegelt. Man kannte sich ja und verstand sich deshalb auch sogleich. Es ging dann auch bald zur Sache, und so lagen Ende März schon die ersten Eier im Nest, die Storch und Störchin nun abwechselnd bebrüten.

Ende Juni: In den letzten Apriltagen erblickten die ersten kleinen Störchlein das Licht der Welt und nach und nach pellten sich vier Junge aus den Eiern, vielleicht waren es anfangs sogar fünf. Gegen Ende Mai wurde einer der kleineren aus dem Nest geworfen (oder fiel er aus dem Nest?) und von einem aufmerksamen Anwohner wieder zurück in den Horst gesetzt. Überlebt haben von der Schar schließlich drei.
Zwei des Trios werden bald berühmt werden, denn sie erhielten am 17. Juni von Dr. Wolfgang Fiedler der Vogelwarte Radolfzell einen Sender und wohlklingende Namen, unter denen man sie bald via Internet beim Flug in den Süden begleiten kann.  Wir sind schon gespannt, ob sie nur bis Spanien oder womöglich bis nach Mali fliegen werden. Bald ist es soweit. Der größte, vermutlich ein Männchen, erhielt den Namen "Miro", dem zweiten gab man einen weiblichen und einen männlichen Namen, da über das Geschlecht erst die DNA-Analyse der kleinen entnommenen Feder Aufschluss geben wird. Er bzw. sie heißt dann Henricus oder Manuela.

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Besenderung der Störche in Ablach am 17.06.2014. Foto: Ute Reinhard

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Besenderung der Störche in Ablach am 17.06.2014. Foto: Ute Reinhard

2013: Erste Weißstorch-Brut in Ablach!
Zwar schaute sich der  bayrische Storchenmann erstmal wieder in Göggingen um. Da die Konkurrenz von der Gögginger Spanhalde ihn jedoch immer wieder vom Gögginger Adler-Nest vertrieb, zog er den ruhigeren und ungestörten Horst in Ablach vor. Der Bayer wurde übrigens schon am 10. März erstmals in Ablach gesichtet, was ihn eindeutig als Westzieher entlarvt, denn Ostzieher sind zu dieser Zeit noch nicht vom Zug zurück. Er war also als Jungstorch nur versehentlich in einen Ostzieher-Trupp geraten und dann mit diesem die Ostroute gezogen.
Seine Gattin ist wieder dieselbe wie im letzten Jahr. Sie erschien in Ablach zwei Tage nach ihm. Und diesmal meinen sie es wirklich ernst. Eier wurden schon gelegt, und Anfang Mai wird es die ersten kleinen Ablacher Storchenküken geben.

Juni: Alle Achtung! Erste Brut, und dann bei so einem Wetter sogleich erfolgreich! Von einem Wiesenweg auf einem dem Neubaugebiet benachbarten Hügel aus konnte ich (von den Anwohnern wegen meines Fernrohrs zunächst ziemlich misstrauisch beäugt) sehen, dass Anfang Mai tatsächlich drei Küken schlüpften. Dass alle überleben würden, war bei der andauernden Nässe und Kälte nicht zu erwarten. Ende Mai lebten dann auch nur noch zwei, die aber immerhin bis Ende der Schlechtwetterperiode Anfang Juni noch durchhielten. Einen der beiden hatte diese Periode jedoch offensichtlich doch zu sehr geschwächt, so dass nur noch ein Jungstorch im Ablacher Nest übrig blieb. Dieser behauptet sich jedoch tapfer, und so gibt es demnächst das erste Storchenberingungsfest in Ablach.

August: Am 15. Juni gab es ein Musikfest in Ablach, und die Beringung des Storchennachwuchses wurde gleich mitgefeiert. Der zu diesem Zeitpunkt fast sechswöchige Jungstorch ließ sich von den Geschehnissen an diesem Tag nicht sonderlich beeindrucken, sondern machte bald seine ersten Flugübungen und wagte sich schon im Alter von ca. neun Wochen – früher als mancher seiner Artgenossen - vom elterlichen Nest. Bis zu seiner ersten großen Reise wird es nun nicht mehr lange dauern.

2012: Der zweijährige Böhringer Storch, der sich kurzzeitig mit einem Partner aus Hasenweiler im Roten Flügel in Göggingen auf einem vom dortigen Brutpaar frisch begonnenen Nest aufhielt, zog – sehr zur Freude der Ablacher Bürger – nach Absturz dieses Nestes um auf eine erst kürzlich errichtete Nistunterlage in Ablach. Ihren Partner hatte die blutjunge Böhringer Störchin (wie es sich später herausstellte, handelte es sich nämlich um ein Weibchen) aber inzwischen gewechselt. Sie war jetzt mit einem bayerischen Storch zusammen, geschlüpft vor vier Jahren in Muhr am See. Der Bayer wurde im Jahr 2009 in Polen gesichtet und ist daher sensationellerweise sehr wahrscheinlich ein Ostzieher. Das heißt, er wählt nicht die Zugroute über Frankreich und Spanien nach Westafrika, sondern zieht über den Balkan und Bosporus in die Türkei und von dort weiter über Israel und das Rote Meer das Nildelta südwärts in den Sudan, womöglich bis Südafrika.
Vor einigen Jahrzehnten noch waren in Oberschwaben Oststörche nicht selten. Mitten durch Oberschwaben verlief damals nämlich die sogenannte Zugscheide. Heute jedoch ziehen die Störche Oberschwabens, soweit derzeit bekannt, alle die Westroute. Die Zugscheide hat sich verschoben.
Jedenfalls hoffen die Ablacher sehr, dass ihre Störche nächstes Jahr wiederkommen und dann nicht nur am Nest bauen, sondern sich auch zu einer Brut entschließen und in Ablach Nachwuchs großziehen.






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