Die Störche Oberschwabens



Göggingen

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Links der alte Horst auf dem Mast, rechts der Horst auf dem "Adler"


2017: In Göggingen brüten dieses Jahr nur vier Weißstorch-Paare (das Nest bei der Mühle wurde nicht besiedelt). Und – unglaublich, aber wahr – Hinkebein hat Göggingen den Rücken gekehrt und ist – übrigens mit einer neuen Gattin – nach Rohrdorf umgezogen. Wie kam´s?
Hinkebeins Nest auf dem Stromdachträger hätte eigentlich im Winter entfernt werden sollen (als Ersatz war schon im Jahr zuvor die Nistunterlage bei der Mühle errichtet worden), doch war die EnBW zu spät dran. Das Nest wurde nämlich früh bezogen, und natürlich nicht von Hinkebein und seiner Gattin, sondern von einem anderen Paar (na ja, man muss zugeben, wäre dieses Paar nicht erschienen, hätte die EnBW das Nest doch noch entfernt, Hinkebein hätte also so oder so umziehen müssen). Diesmal hatte er allerdings wohl tatsächlich vom ständigen Umzug in Göggingen die Nase voll und zog nach Rohrdorf, wo er erstmal die Alleinherrschaft besitzt. Die Gögginger werden über den Umzug ihres berühmten Storchs allerdings sicherlich etwas traurig sein.
Auf der Gaststätte Adler und auf der Scheune gegenüber siedeln wieder dieselben Störche wie im letzten Jahr (auf dem Adler der Unberingte mit seiner Gattin aus Beuren, auf der Scheune der Affenberger mit der Ummendorferin).
Auf der Tankstelle gab es allerdings einen Wechsel. Zwar ist die Storchendame noch dieselbe, sie hat aber einen anderen Partner (Herkunft wird noch erfragt).
Auch Hinkebeins Nest wurde, wie schon erwähnt, von einem anderen Storchenpaar okkupiert (mal ehrlich, hatten wir etwas anderes erwartet...?). Die neuen Besitzer stammen aus Altheim im Bodenseekreis (das Männchen) und aus Markdorf vom Nest im Naturschutzgebiet Eisweiher (das Weibchen), beide wurden im Jahr 2014 geboren.
In allen Nestern tummeln sich mittlerweile kleine Störche und das Familienglück ist komplett. Bei der letzten Nestbeobachtung am 9. Mai wurden auf dem Adler fünf Junge gezählt, vier oder fünf waren es auf der Scheune, und an der Tankstelle und dem Stromdachträger waren es jeweils drei. Wünschen wir den Kleinen eine glückliche Kinderstube, viel Futter und erträgliches Wetter in den nächsten Wochen.

2016: Keiner der Gögginger Störche hielt sich diesen Winter in Göggingen auf, wo ihn die Überwinterer des Vorjahres wohl verbracht haben? Jedenfalls sind sie alle wieder da: die Adler- (ehemals Spanhalden-)Störche (das unberingte Männchen und die Storchendame aus Beuren), die Störche der Scheune (ehemals in Krauchenwies brütend, er vom Affenberg, sie aus Ummendorf), die Tankstellen-Störche (der Unlinger und die Frickingerin, offensichtlich noch echte Zugstörche) und Hinkebein mit seiner unberingten Angetrauten (ebenfalls Zugstörche).
Hinkebein kam natürlich wie immer ziemlich spät aus seinem Winterquartier zurück und kümmerte sich recht wenig darum, dass man sein Nest auf dem Stromdachständer entfernt und den Dachständer mit einem Abweiser versehen hatte. Die extra für ihn bereitsgestellte Ersatzplattform auf einem Mast bei der Mühle war ihm völlig schnuppe. Er will mitten im Geschehen an der Gögginger Kreuzung sein und brachte – wie gewöhnlich – in solch einem Affenzahn Äste auf den Dachständer auf, dass man nicht mehr reagieren konnte und ihm den Nestbau dort für diese Saison wieder gestatten musste.
Aber – wie zu erwarten war – die Gögginger Storchengeschichte geht noch weiter:
Zwei zweijährige Störche – er aus dem Saarland, sie aus Vorarlberg – versuchen im April auf dem dem bisherigen Nest gegenüberliegenden Giebel der Scheune eine Nest zu bauen. Die Äste halten jedoch mangels Verankerungsmöglichkeit nicht und werden beim nächsten stärkeren Wind weggeblasen. Die Vorarlbergerin baut daraufhin mit einem zweijährigen Storch aus Geisingen auf der eigentlich für Hinkebein bereitgestellten Plattform bei der Mühle ein Nest, welches selbstverständlich besser hält und wo auch dann tatsächlich um den 26. April mit einer Brut begonnen werden kann.
Mittlerweile sind in vier der fünf Nester die Jungen geschlüpft. Auf dem Adler und auf dem Mast an der Tankstelle schlüpften jeweils vier Junge aus den Gelegen, auf der Scheune waren es drei. Im Nest Hinkebeins schlüpften die ersten Jungstörche an Pfingsten, auch hier wurden es insgesamt drei. Einige der Gögginger Storchen-Jungschar fielen allerdings leider den Eisheiligen zum Opfer. Und so wurden nach Pfingsten in den Nestern des Adlers, auf der Scheune und auf dem Tankstellen-Mast noch insgesamt zehn Junge gezählt (Tankstelle: 1, Scheune: 3, Adler: 3; Stromdachträger (Hinkebein): 3).
Maßgeblich an der obigen Datenerhebung mitgewirkt hat Herr Kurt Fischer aus Göggingen. Er kümmert sich akribisch um die Störche Göggingens und der Umgebung und stellte auch zusammen mit der EnBW den Ersatzhorst für Hinkebein auf.

Göggingen

Die Adlerstörche während der Beringung ihrer Jungen. Ute Reinhard 2016.

Juli: Der Kälteeinbruch am 23./24. Mai ging leider auch an den Jungstörchen in Göggingen nicht spurlos vorüber. Am 5. Juni, dem Beringungstermin für die Gögginger Horste mit den schon älteren Jungstörchen – Tankstelle, Adler und Scheune - konnten deshalb auf dem Adler und auf der Scheune nur noch jeweils zwei Junge mit dem schwarzen ELSA-Ring gekennzeichnet werden. Auch in Hinkebeins Nest auf dem Stromdachständer kam eines der noch kleinen Jungen um.
Bei der Beringung des Nachwuchses von Hinkebein am 27. Juni gab es dann leider noch eine böse Überraschung: Einer der beiden sechswöchigen Jungstörche zeigte gravierende Gefiederschäden, die Federn waren verkrümmt, die Kiele verwachsen und teils abgebrochen. Das gesamte Gefieder war betroffen, die Entwicklung eines funktionsfähigen Fluggefieders ganz ausgeschlossen. Es war klar, dass man ihn vom Horst nehmen musste, er hätte keinerlei Chance gehabt. Man brachte ihn umgehend in die Vogelschutzstation in Mössingen, wo er tierärztlich untersucht wurde und vorläufig unter Beobachtung bleibt. Die Ursache könnte ein angeborener Defekt sein oder auch ein starker Befall durch Parasiten. Es besteht zwar die Hoffnung, dass das Gefieder nach der Mauser normal auswächst - die Reise in den Süden wird er diesen Herbst jedenfalls nicht antreten können –, doch ist es auch durchaus möglich, dass der Schaden irreparabel ist und der Vogel nie wird fliegen können. In diesem Fall werden wir ein Pflegequartier für ihn finden.

Auch im Nest auf der Plattform bei der Mühle schlüpfte Nachwuchs. Ende Mai pellten sich hier zwei Junge aus den Eierschalen, die jedoch nur etwa 10 Tage lang lebten. Die Eltern waren wohl doch noch zu jung und unerfahren, um ihren Nachwuchs ausreichend mit Futter zu versorgen und vor Auskühlung zu schützen.

2015: Es wurde ja schon vermutet, dass die Spanhaldenstörche (seit letztem Jahr auf dem Adlernest wohnend und brütend) nicht sehr weit weg ziehen, und siehe da, diesen Winter blieben sie gleich ganz da und hielten sich auf den Wiesen bei Göggingen auf. Ein weiteres Storchenpaar leistete ihnen Gesellschaft, es waren jedoch keine Brutstörche aus Göggingen, sondern das Paar aus Krauchenwies, denen plötzlich die Umgebung von Göggingen besser als ihr bisheriger Brutort gefiel. Und wo ließen sich die Beiden zur Nacht nieder? Natürlich! Auf dem Nest der Scheune, Hinkebeins Nest! Und das okkupierten sie selbstverständlich auch im Frühjahr. Man kann´s wirklich kaum noch glauben, jetzt baut Hinkebein, mit seiner Holden wieder mal ziemlich spät, nämlich erst Ende März nach Göggingen zurückgekehrt, tatsächlich sein viertes (!) Nest in Göggingen. Allerdings wusste er diesmal nicht so recht, für welchen Platz er sich  entscheiden sollte und fing gleich an mehrere Orten zu bauen an bis schließlich die Wahl auf einen Mast fiel, der als Aufenthaltsort für ein Storchenpaar und eine Brut gänzlich ungeeignet ist: ein bis dato gefährlicher Mittelspannungs-Endmast in der Nähe der Fischer-Grillstelle. Die Gefahr wurde von den Anwohnern nicht sogleich erkannt, und so kam mir der gefährliche Nestbau erst am Karfreitag zur Kenntnis. Dann ging aber alles sehr rasch. Die EnBW reagierte trotz Osterwochenendes erfreulicherweise unglaublich schnell, ein Mitarbeiter begutachtete den Mast noch am Karfreitag und besorgte noch am Abend das notwendige Material. Anwohner halfen bei der Ankündigung der notwendige Stromabschaltung tatkräftig mit, und schon am Morgen des Karsamstag wurde der Mast nachgerüstet und das Nest entfernt. Jetzt bauen Hinkebein und seine unberingte Angetraute auf einem Stromversorgungs-Dachständer (für Störche in der Regel ungefährliche Niederspannung) auf einem großen Gebäude wiederum in Nähe der Gögginger Kreuzung ein Nest. Dort kann es für diese Saison bleiben, einen mehrjähriger Horst kann dieser Dachständer jedoch nicht tragen, weshalb das Nest dort im Herbst entfernt und Ersatz geschaffen werden muss.

Ja und dann hat Göggingen ja noch ein weiteres Weißstorch-Paar: das Paar von der Tankstelle. Der Mast wurde im Februar dauerhaft gesichert und eine komfortable Nistunterlage installiert. Anfang März erschienen die beiden letztjährigen Horstbesitzer und bauten eifrig an ihrer Wohnstatt. Die Storchendame überließ den Nestbau jedoch bald ihrem Gatten und vergnügte sich anderweitig: Sie zog nach Ablach, leistete dem dortigen Männchen Gesellschaft und ließ ihr Männchen von der Tankstelle allein. Und das ging so bis Ende März, als sie es sich auf einmal wieder anders überlegte, den Ablacher sitzen ließ und zu ihrem letztjährigen Angetrauten zurückkehrte. Es dauerte nur wenige Tage, dann saßen die beiden auf den ersten Eiern. Wer wohl der Papa der  ersten in ca. einem Monat schlüpfenden Störchlein ist?

In allen Horsten Göggingens schlüpften Junge: im Nest auf dem Adler war es nur ein Einziges (Schlupf Ende April); auf der Scheune - vom ehemaligen Krauchenwieser Paar besetzt - waren seit den ersten Maitagen zwei Schnäbel zu versorgen; im Nest auf der Tankstelle tummelten sich anfangs vier kleine Störche (geschlüpft ca. vom 6. bis zum 10. Mai) und Hinkebein brachte mit seiner Angetrauten zwei Junge zur Welt.
Übrig blieben von der insgesamt neunköpfigen Jungenschar allerdings nur vier. Die überwinternden Eltern auf dem Adler haben anscheinend die Futtersuche verlernt, denn sie brachten nicht mal ihr Einzelkind durch. Auf der Tankstelle überlebte nur einer der vier, und auch Hinkebein verlor ein Junges, welches möglicherweise aus dem Nest gefallen war.
Die Gögginger Jungstörche auf der Scheune und bei der Tankstelle haben ihre kritische Nestlingszeit (die ersten sechs Lebenswochen) überstanden und wurden am 12. Juni beringt. Hinkebein war allerdings spät dran mit der Brut, und so gehört sein Nachwuchs zu den Nachzüglern, er erhält seinen Personalausweis erst am 2. Juli. Sein Deckgefieder ist allerdings auch schon so gut ausgebildet, dass ihm Regen und Kälte nichts mehr anhaben können.

Hoffen wir, dass alle ihren Jungfernflug erfolgreich hinter sich bringen und sie ihre ersten Wochen als flugfähige Störche ohne Zwischenfall überstehen.

2014: Dieses Jahr ist mal wieder so richtig was los in Göggingen!
Die ersten Ankömmlinge waren am 24. Februar wieder unsere beiden vom Spanhalden-Nest: die Störchin aus Beuren an der Aach und ihr unberingter Gatte. Das Nest, das "Hinkebein" (er wird noch immer von der örtlichen Bevölkerung so genannt, obwohl er sich von der damaligen Kampfverletzung schon längst vollständig erholt hat) zusammen mit seiner Gattin auf dem Gasthof Adler im vorletzten Jahr gebaut hatte, weil ihnen der Unberingte und die Beurenerin das Spanhaldennest abspenstig gemacht hatten, gefiel ihnen jedoch wesentlich besser. "Hinkebein" war ja wie immer ziemlich spät dran, konnte also nicht auf sein Nest aufpassen. Uns so verlor er in Göggingen sein zweites Nest, und wieder an dieselben. Na ja, sagt man sich, da kann er mit seiner Gattin ja wieder auf das Spanhaldennest zurück. Wollte er auch, als er exakt einen Monat später ankam. Dieses, sein ebenfalls von ihm selbst gebautes Nest gönnten sie ihm jedoch auch nicht. Sie wollten wohl Alleinherrscher der Gögginger Ortsmitte sein. Seit seiner Verletzung war "Hinkebein" wohl das Kämpfen ziemlich vergangen, und so überließ er den  Konkurrenten beide Nester und ... baute sich ein neues, ebenfalls im Zentrum, schräg gegenüber dem Gasthaus auf einer Scheune. Mit schwierigem Bauuntergrund hatte er ja bereits Erfahrungen gesammelt (der Nestbau auf dem Giebel des Adlers war ein wahres Meisterstück), und so hat er zusammen mit seiner Angetrauten auf dem Giebel der Scheune wieder ohne jegliche Nistunterlage hopplahopp eine Wohnstatt errichtet. Also, irgendwie sind die beiden bewundernswert: sie lassen es sich einfach nicht verdrießen und reagieren sozusagen völlig unkompliziert.
Inzwischen war aber noch ein drittes Paar in Göggingen angekommen und interessierte sich ebenfalls für das Spanhaldennest, vergeblich. Auch diese Störche ließen sich jedoch nicht aus Göggingen vertreiben und bauten etwas weiter entfernt ebenfalls an der Hauptstraße auf einem Mast bei einer Tankstelle einen Horst. Es sind noch junge Störche: Das Männchen ist zwei Jahre alt und stammt aus Unlingen an der Donau, sie ist ein Storchenmaderl vom Bodensee, gebürtig in Frickingen und ein Jahr älter als er.
Alle drei Paare brüten mittlerweile. Auf dem Adler saß man schon Ende März auf den Eiern, in den beiden anderen Horsten begann man mit dem Brutgeschäft etwa zwei Wochen später.
Es wurde Anfang April übrigens kurzzeitig ein viertes Paar in Göggingen gesehen, einer der Störche war ein Elsässer, der andere trug einen Ring, der ihn als aus dem benachbarten Wald gebürtig auswies.  Zuerst machten sie Anstalten, ebenfalls auf einem Mast zu bauen. Dann verzogen sie sich jedoch wieder, vielleicht ging es ihnen fürs erste doch etwas zu turbulent zu?

Ende Juni: Der Walder Storch (bzw. inzwischen hat sie sich als Störchin herausgestellt) kam wieder, dieses Mal nicht mit dem Elsässer, sondern zusammen mit einem zweijährigen Männchen, das in Wilhelmsdorf geboren ist. Dieses Mal besetzten sie das Spanhaldennest, hatten jedoch angesichts der Konkurrenz auf dem Adler, die das Spanhaldennest unbedingt freihalten wollte, schlechte Karten. Ein weiteres Paar, beide unberingt, erschien außerdem in Göggingen und versuchte es auf dem Kirchenschiff mit einem Nestbau. Beide Paare waren jedoch die ständigen Angriffe durch das "Adler"-Paar leid, mit der Brut würde es in dieser fortgeschrittenen Jahreszeit sowieso nichts mehr werden, und so verließen sie Göggingen gegen Mitte Mai.

Göggingen
Horst auf der Scheune 04.04.2014. Foto: Ute Reinhard

Wie geht es aber nun unseren drei Gögginger Brutpaaren? Auf dem Adler und auf der Scheune (das Nest mit "Hinkebein") schlüpften Anfang bzw. Mitte Mai jeweils vier Junge. In beiden Horsten überlebte das Nesthäkchen jedoch nicht, sodass in diesen Nestern je drei Junge groß wurden und auch beringt werden konnten.
Im Nest bei der Tankstelle, von einem noch unerfahrenen Paar besetzt, schlüpften zwei Junge, von denen eines im Alter von einer Woche von einer Krähe geholt wurde. Dem anderen geht es aber gut, und er brachte bei der Beringung auch ein zufriedenstellendes Gewicht auf die Waage. Aus diesem Nest wurden bei der Beringung auch einige Schnüre entfernt, bevor sie dem Jungstorch gefährlich werden konnten. Es ergeht nochmals der Appell an alle Leser, Schnüre und Plastikfetzen in der Landschaft unbedingt aufzusammeln und im Müll zu entsorgen, damit Störche diese Utensilien nicht als Nistmaterial in ihr Nest eintragen und ihre Jungen nicht einen grausamen Tod sterben müssen.

2013: Die beiden Gögginger Störche vom Mastnest der Spanhalde sind in diesem Jahr allen winterlichen Temperaturen zum Trotz schon Ende Februar nach Göggingen zurückgekommen. Zunächst Alleinherrscher in ihrem Brutort verlegten sie sich im März mit Ankunft weiterer Störche in der Umgebung  darauf, auch das Nest auf dem Gasthof Adler von Konkurrenten freizuhalten. So wurde am 12. März ein Kampf am Adlernest beobachtet, in den auch der letztjährige Ablacher Storch verwickelt war, was dieses Männchen übrigens doch als Westzieher entlarvte. Ostzieher sind so früh nämlich noch nicht vom Winterquartier zurück.
Immer wieder wechselten die Spanhalden-Störche zum Nest auf dem Adler, Fremdstörche hatten keine Chance. Vielleicht war das ein Glück für den angestammten Adler-Storch aus Waldbeuren, denn sonst hätte der Waldbaurener, der wie immer recht spät vom Zug zurückkam (dieses Jahr am 24. März), wieder mal um seinen Horst kämpfen müssen. Am 26. März war mit Ankunft des unberingten Weibchens das Paar auf dem Adler dann schließlich komplett. Das heißt, es brüten in Göggingen jetzt wieder die selben zwei Paare wie im letzten Jahr.

Juni: Um den 9. Mai schlüpften die ersten Küken an der Spanhalde, die "Adler"-Küken pellten sich einige Tage später aus den Eiern. Und so tummelte sich schließlich in beiden Horsten jeweils ein kleines Storchen-Quartett. Die acht kleinen Störchlein überstanden die erste Kälte- und Nässeperiode Anfang der dritten Maidekade recht gut, das folgende Wetter Ende Mai und Anfang Juni war dann aber doch zuviel. Die Spanhalden-Jungen starben alle, auf dem Adler überlebte von den Vieren nur ein Einziger. Hoffen wir, dass diesem in den nächsten Tagen nicht auch noch übel mitgespielt wird, denn er hat seine kritische Zeit bis zur vollen Gefiederentwicklung noch nicht überstanden. Am Samstag, den 15. Juni soll er, sofern das Wetter mitmacht, beringt werden. Die Gögginger Bürger werden das Ereignis gebührend feiern, haben sie doch immerhin noch einen kleinen Storch, welches Glück vielen umliegende Gemeinden wie zum Beispiel Meßkirch und Wald nicht mehr beschieden ist.

August: Das Wetter war sonnig, der Beringung und dem Fest mit Pizza, Limo und Bier stand nichts im Wege. Es wurden kleine Reden geschwungen und Neuigkeiten über die oberschwäbische Storchenwelt ausgetauscht. Es dauerte von da an aber noch fast sechs Wochen, bis die Gögginger Bürger ihren Jungstorch fliegen sehen konnten und das Nest erstmals verlassen war. Bald wird sich der junge Gögginger anderen jungen Adebaren anschließen und sich mit ihnen auf seine erste weite Reise begeben. Alles wird neu für ihn sein, was er wohl erleben wird?

2012: In Göggingen ist dieses Frühjahr richtig was los!
Anfang März kamen im Abstand von drei Tagen zwei Störche in Göggingen an. Es waren ein unberingtes Weibchen, vermutlich dasselbe wie im vorigen Jahr, und ein ebenfalls unberingtes Männchen. Der in Waldbeuren geborene, letztjährige Brutstorch, wegen seiner bei einem Kampf erlittenen Verletzung in Göggingen kurz "Humpelstorch" genannt, war also noch nicht aus seinem Winterquartier zurückgekehrt.
Wie immer etwas spät (deshalb zog er auch letztes Jahr in seinem damaligen Brutort Rulfingen den Kürzeren und musste nach Göggingen ausweichen), nämlich am 20. März erschien aber dann der Horstinhaber und fand seinen Platz besetzt. Zwar war seine Verletzung inzwischen gut verheilt, von Humpeln keine Spur, doch zog er es wohl wegen der letztjährigen üblen Erfahrungen vor, den Kampf um seinen Horst nicht über Gebühr ausufern zu lassen. Er entschied sich, in Göggingen einfach noch einen Horst zu bauen. Und dann geschah etwas, was in der Welt Adebars eigentlich ungewöhnlich ist: Seine frühere Angetraute verließ ihren angestammten Horst und ihr neues Männchen und zog mit ihm.
Die beiden bauten daraufhin ein Nest auf einem Mast im Roten Flügel beim Rathaus, das heißt, eigentlich fingen sie sogar gleichzeitig mit dem Bau zweier Nester auf zwei verschiedenen benachbarten Masten an.
Inzwischen hatte der Unberingte auf ihrem alten Horst nach etwa einer Woche Einsamkeit ein neues Weibchen zur Gesellschaft, eine noch ganz junge, erst zweijährige Störchin aus Beuren an der Aach.
Aber damit nicht genug: Es erschien ein fünfter Storch, ebenfalls zweijährig und im Landkreis Konstanz (Böhringen bei Radolfzell) gebürtig, ließ sich auf einem der angefangenen Nester des Roten Flügels nieder und machte dem dortigen alten Gögginger Paar Konkurrenz. Ob er deren zweites Nest im Roten Flügel zerstört hat, oder dieses vom Wind heruntergekippt wurde, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Jedenfalls war dieses Nest bis auf wenige zurückgebliebene Äste abends plötzlich nicht mehr vorhanden. Wenige Tage später, am Ostermontag, war aber auch das andere Nest, auf dem sich der Böhringer niedergelassen hatte, durch eine Windbö abgestürzt.
Unser altes Paar ließ sich´s nicht verdrießen und fing noch einmal mit dem Bau eines Nestes an, diesmal auf dem Dach der Gaststätte Adler. Zu Beginn sah der Bau recht abenteuerlich aus, denn es gab ja hier keine Nistunterlage, und die Äste rutschten anfangs ständig vom Giebel ab. Schließlich verfingen sie sich jedoch in einem Metallhaken und bildeten eine Grundlage zum Weiterbau. Der Unberingte auf dem alten Horst bekam diese Aktionen mit, war das neue Nest doch in seiner Sichtweite. Begeistert war er wohl nicht davon, denn immer, wenn das alte Paar gerade mal auf der Wiese war und nicht aufpasste, flog er das begonnene Dachfirst-Nest an und klaute dort Äste, die er seinem eigenen Horst einverleibte. Der Stabilität des begonnenen Nestes waren diese Aktivitäten natürlich nicht gerade zuträglich, aber die Alten blieben hartnäckig, bauten eifrig weiter, und schließlich bildete sich ein zusehends vertrauenswürdig aussehendes Konstrukt.
Der Böhringer Storch, der übrigens inzwischen auch Gesellschaft bekommen hatte von einem ebenfalls zweijährigen Storch aus Hasenweiler, kehrte allerdings Göggingen erst einmal den Rücken. Er wurde zwei Tage nach Ostern noch zusammen mit seinem Partner auf den Wiesen unterhalb Ablach gesehen, war dann aber zusammen mit diesem abgezogen. Die kürzlich errichtete Nistunterlage auf einem Ablacher Haus hat sie offensichtlich nicht interessiert.
Das ganze Tohuwabohu – am Ostersonntag waren nämlich nochmals acht weitere Störche kurzzeitig in Göggingen (!!) – scheint sich verzögernd auf den Brutbeginn des Unberingten und seiner Vermählten aus Beuren auszuwirken. Denn auch bei der letzten Horstkontrolle am 12. April waren noch keine Anzeichen einer begonnenen Eiablage bei dem immerhin schon einen Monat vereinten Paar festzustellen.

Vielleicht ist es für den Leser dieser Zeilen hilfreich, nochmals die Paarkonstellationen in der Übersicht aufzuführen:

  • Alter Horst auf Mast: neuer unberingter Storch und neues Weibchen aus Beuren.
  • Horst auf Adler: letztjährige unberingte Brutstörchin mit letztjährigem Brutstorch, dem "Humpelstorch" (der jetzt nicht mehr humpelt)
  • Abgezogen: Böhringer Storch und Partner aus Hasenweiler, die sich kurzzeitig im Roten Flügel auf einem vom letztjährigen Brutpaar frisch begonnenen Nest aufhielten, das aber dann abgestürzt ist.

Anfang Juni: Um Mitte April wurde schließlich doch noch in Göggingen gewissenhaft gebrütet. Und zwar sowohl auf dem Mast als auch auf dem Dach des Gasthofes. In beiden Nestern sind mittlerweile die Jungen geschlüpft. Da man mit der Brut spät dran war, beschränkten sich die Storcheneltern in der Anzahl der gelegten Eier. Auf dem Gasthof schlüpften daher drei Junge, im Masthorst waren es nur zwei. Diese kleinen Störche können nun aber optimal versorgt werden, und wenn ihnen die möglicherweise noch bevorstehende Schafskälte nicht übel mitspielt, stehen ihre Chancen gut.

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August: Einer der fünf kleinen Störche hat es nicht geschafft. Offensichtlich unterernährt überstand einer der beiden Jungstörche des Mastnestes den lang anhaltenden Regen am 12. Juni nicht und lag zwei Tage später tot unterhalb des Horstes. Auch sein Geschwister erwies sich bei der Beringung als Leichtgewicht. Ganz im Gegensatz zu Adeline (so wurde der kleine vom Mastnest von den Gögginger Bürgern bei der Beringung getauft) waren die kleinen Störche auf dem Adler ziemlich gut im Futter. Und das, obwohl sie sich die Nahrung, die Papa und Mama auswürgten, durch drei Schnäbel teilen mussten. Lisa, Jan und Samy flogen auch schon in der letzten Juliwoche, während Adeline zu dieser Zeit gerade die ersten noch nicht sehr überzeugenden Flugübungen auf dem Horst unternahm. Sie (oder er? denn man weiß das ja nicht so genau) wird wohl beim Jungfernflug mindestens zwölf Wochen alt sein.
Die Beringung war übrigens ein großes Fest in Göggingen. Viele Storchenfreunde waren gekommen, schauten zu, was mit ihren kleinen Störchlein da geschah, gaben ihnen Namen (Männlein/Weiblein auf Verdacht, versteht sich), labten sich an der vom Gasthof Adler spendierten Pizza und erfuhren dabei einiges Wissenswertes über die Storchenwelt Oberschwabens. Der für die Pizza von den Zuschauern entrichtete Obulus dient einem guten Zweck, er kommt dem Gögginger Storchenschutz zugute.
Man darf gespannt sein, was das nächste Jahr den Göggingern bringt. Ob das Brutmännchen des Adler-Horstes (der sogenannte "Humpelstorch") endlich dazugelernt hat und nächstes Jahr früher aus dem Winterquartier zurückkehrt? Sonst könnte es sein, dass sein mühsam und sehr kunstvoll gebautes Nest wieder von einem anderen Männchen besetzt wird und er sich schon wieder eine neue Bleibe bauen muss. Ob es dann tatsächlich noch einen dritten Horst in Göggingen geben wird?

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2011: "Storchennest" heißt ein Kindergarten in Göggingen. Bei den Touren von meinem Wohnort ins Oberschwäbische fahre ich oft daran vorbei. Jetzt haben die Gögginger ein echtes Storchennest. Und sie freuen sich, die Gögginger Bürger, ob des Geklappers, das auf einmal in ihrem Ort an der Ablach erschallt.
Die Gögginger Störche wurden auch gleich Medienstars. Im Radio wurde von ihnen berichtet, auch im Fernsehen waren sie schon präsent. Auch Göggingen zeigt sie auf der homepage.
Die beiden Störche bauten sich nahe des Ortskerns ein Nest auf einem Niederspannungsmast (wie es seit einigen Jahren bei den hiesigen Störchen Mode zu sein scheint). Das Weibchen trägt keinen Ring, weshalb man keine Aussagen über ihre Herkunft machen kann, auch verrät sie uns nichts über ihr Alter.
Der männliche Storch ist allerdings kein unbeschriebenes Blatt. Er hat nämlich schon mehrfach in Oberschwaben gebrütet. Geboren wurde er im Jahr 2004 in Waldbeuren. Vermählt hat er sich mit drei Jahren erstmals in Ölkofen, damals ebenfalls mit einer Unberingten. Ein Jahr später befreundete er sich in Ölkofen jedoch mit einer Munderkingerin an, mit der er bis letztes Jahr zusammenblieb. Allerdings brütete das Paar in den letzten beiden Jahren nicht mehr in Ölkofen, sondern in Rulfingen. Im letzten Jahr kam er allerdings ziemlich spät zu seinem Horst in Rulfingen zurück und musste seine Rechte auf Heim und Weib gegen ein anderes Männchen erkämpfen.
Dieses Jahr kam er zwar ein paar Tage früher, trotzdem war es schon wieder Anfang April, und wieder hatte ein anderer seinen Platz eingenommen. Im Vergleich zu seinem Rivalen 2010 war dieser Konkurrent jedoch noch einige Wochen früher am Rulfinger Horst gewesen, und die Bindung des neu verbandelten Paars war bereits sehr stark. Sie standen kurz vor der Brut. Er hatte keine Chance mehr. Anstatt ihm zu helfen, stellte sich seine ehemalige Angetraute vermutliche gegen ihn und er musste das Feld räumen, nicht ohne Blessuren davonzutragen (siehe Rulfingen).
Die neue Liebe auf dem selbst erbauten Gögginger Horst tröstet ihn sicher über die erlittene Schmach und Verletzung hinweg, auch wenn er immer noch etwas humpelt.

Juni: Als Letzte in Oberschwaben schlüpften die Jungen im Gögginger Nest. Es war der 24. Mai, als auf einmal eine Eierschale unterhalb des Horstes lag. Die Gelege von Spätbrütern sind normalerweise kleiner als die der früh brütenden Störche, und so schlüpften in Göggingen nur zwei Junge. Das ist auch gut so, denn zum Einen müssen sich die Altstörche erst mit dem neuen Nahrungsgebiet vertraut machen und zum Anderen ist der Storchenvater nicht voll einsatzfähig, denn er humpelt immer noch auf seinem verletzten Bein. Hoffen wir, dass sie trotz dieser Schwierigkeiten ihre beiden Zöglinge gut über die Runden bringen.

Anfang August: Die Gögginger Storcheneltern hatten bei der Aufzucht ihrer beiden Jungen anscheinend keine Schwierigkeiten, denn die Jungstörche erwiesen sich bei ihrer Beringung am 29. Juni als gut genährt. Anlässlich des "freudigen Ereignisses" gab es unterhalb des Storchennestes ein kleines Fest, bei dem die Gögginger Bürger viel Wissenswertes über ihre neuen Mitbewohner erfuhren. Noch am letzten Julitag flogen die Gögginger Jungstörche erstmals frei über Dächer und Wiesen und ließen ihre Nestgebundenheit hinter sich. Bald wird es ruhiger werden in Göggingen, die Anwohner werden das nun schon gewohnte Klappern vermissen. Aber es wird ja irgendwann wieder Frühjahr, und die Gögginger Störche werden sicherlich wiederkommen.


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