Die Störche Oberschwabens



Ebenweiler


2017: Auch im Jahr 2017 gab es in Ebenweiler bei den Adebaren keinen „Personalwechsel“. Dieselben Paare wie in den beiden Jahren zuvor belegten ihre Nester: auf dem unteren Mast im Ortszentrum der nun sechsjährige Frickinger mit seiner ein Jahr jüngeren Dame aus Basel, auf dem oberen Mast Richtung Fronhofen der fünfjährige Mögginger mit seiner vier Jahre älteren Angetrauten aus dem oberschwäbischen Zwiefaltendorf. Das Paar der Ortsmitte überwintert in Süddeutschland, die anderen beiden erschienen Mitte Februar.
Wie schon in den Jahren zuvor wurde wieder zuerst im oberen Nest mit der Brut begonnen, und zwar dieses Frühjahr schon um den 17. März.  Gut eine Woche später war man im Unterdorf dran, was für die Brut dieses Paars  dieses Jahr von Vorteil sein dürfte, denn zumindest ein Teil ihrer Jungen ist während des Wintereinbruchs Ende April noch von der Eischale geschützt und kommt erst knapp nach Ende dieser üblen Schlechtwetter-Periode zur Welt. Wieviele der kleinen Jungen im oberen Nest die Schneetage überstehen werden, wissen wir noch nicht.

Juli: Leider hat keiner der kleinen Störche im oberen Nest die nasskalten Tage Ende April überstanden. Zwei der Jungen lagen am 29. April tot unter dem Nest, den größten der Drei ereilte am nächsten Tag das selbe Schicksal. Da es allerdings noch zeitig in der Brutsaison passierte, versuchten es die Storcheneltern ein zweites Mal, und diese Küken – es waren zwei – schlüpften kurz vor Fronleichnam, jetzt in der größten Hitze. Sie überlebten nur wenige Tage, schon am Sonntag, der auf Fronleichnam folgte, war das Nest wieder leer.
Dafür ging es den Jungstörchen im unteren Nest dieses Jahr ziemlich gut. Von vier Jungstörchen überlebten drei (das zurückgebliebene Nesthäkchen starb im Alter von ca. zweieinhalb Wochen), und diese erwiesen sich bei der Beringung als einigermaßen gut genährt. Die Beringung mit Hilfe der Altshausener Feuerwehr gab wieder Anlass zu einem kleinen Fest mit Würstchen, Limonade und Bier, die Ebenweiler Bürger freuten sich über die gute Nachricht und die dieses Mal wirklich guten Aussichten für alle drei Jungstörche, das Ausflugsalter zu erreichen.

2016: Dieses Frühjahr gab es keinen Wechsel in Ebenweiler. Beide Paare sind sich treu geblieben, es sind dieselben wie letztes Jahr.
Im Nest am Ortsausgang Richtung Fronhofen wurde wieder etwas früher mit der Brut begonnen als im tiefer liegenden Ortszentrum, wo man Ende April erstmals auf den Eiern saß. Anfang Mai wurde es in beiden Horsten dann ziemlich lebendig. Im oberen Nest wurden am 4. Mai mindestens 4 Junge gesehen, im Ortszentrum entdeckten Anwohner am 6. Mai drei Köpfchen im Horst.

Juli: Nach den Eisheiligen wurde es in den beiden Ebenweiler Horsten leider wesentlich ruhiger. In beiden Nestern war jeweils nur ein einziges Junges übrig geblieben. Und auch diese erwiesen sich bei der Beringung als unterernährt: zuviel Regenwurmkost – worauf auch die verdreckten und verklebten Schnäbel hinwiesen (und dies nicht nur in Ebenweiler, sondern bei vielen Jungvögeln dieses Jahr) – , zuwenig Mäuse, die in den nassen Wiesen großteils ersoffen waren.
Die Ebenweiler Bürger waren dennoch froh, dass wenigstens zwei Jungstörche das miese Wetter überlebt hatten und feierten den Storchennachwuchs wieder mit Würstchen, Saft und Bier. Beide Jungvögel kamen dann auch durch ihre letzten kritischen Tage.
Der Jungfernflug ist nun nicht mehr fern und dann geht es bald ab in den sonnigen Süden.

2015: Nahezu den gesamten Winter über hielten sich der gebürtige Frickinger und die Schweizer Störchin, das Brutpaar des Masts in der Ortsmitte, in Ebenweiler auf. Die Überwinterung des Frickingers hat möglicherweise etwas mit seiner Abstammung zu tun, seine Eltern sind nicht ziehende Elsässer Zuchtstörche aus Hunawihr. Seine Angetraute blieb aus Sympathie?
Die Störche des anderen Brutpaars am Ortsausgang Richtung Fronreute erschienen aber auch schon recht früh, der erste kam Mitte Februar, der zweite neun Tage später. Allerdings hat die Storchendame schon wieder einen neuen Gatten, der sich durch seinen Ring als ein dreijähriger Storch aus Möggingen bei Radolfzell am Bodensee identifizieren lässt. Jetzt wird in Ebenweiler eifrig gebrütet, seit Ende März sitzt man in beiden Horsten auf den Gelegen.

Juni: Als erstes schlüpften die Jungen im Nest am Ortsausgang Richtung Fronreute. Ende April war hier die Jungschar mit vier Köpfchen komplett. Eine Woche später pellten sich die Küken im Nest der Ortsmitte aus den Eierschalen. Es waren zwei, vielleicht auch drei. In beiden Horsten überlebte jedoch nur jeweils ein einziger Jungstorch und auch diese erwiesen sich bei der Beringung als etwas untergewichtig. Vor allem der etwas jüngere "Pedi" war ein Leichtgewicht. "Pedi" hat aber genauso wie sein Nachbar "Egon" seine kritische Nestlingszeit erfolgreich überstanden, und so werden beide – sofern ihnen hoffentlich nicht noch nach ihrem Ausflug etwas zustößt – im August ihren ersten Zug in den Süden antreten.

2014: Am 20. Februar erschienen die ersten beiden Störche in Ebenweiler und bezogen das letztjährige Brutnest im oberen Teil des Ortes in Nähe der Straße Richtung Fronreute. Es war das letztjährige Brutweibchen und ein unberingtes Storchenmännchen. Der letztjährige Gatte blieb aus und wurde bisher auch nirgendwo gesehen. Ungefähr zwei Wochen später ließ sich ein weiterer männlicher Storch auf dem alten Nest auf dem Mast im Ortszentrum nieder. Das Paar wollte diese Inbesitznahme zunächst nicht dulden und griff ihn immer wieder an, er blieb jedoch hartnäckig und ließ sich nicht vertreiben. Am 16. März schließlich flogen insgesamt sieben Störche Angriffe auf das Nest im Zentrum, ein Weibchen dieses Trupps, eine gebürtige Schweizerin, freundete sich mit dem Horstinhaber an und blieb fortan bei ihm. Er stammt übrigens aus Frickingen, wo er im Jahr 2011 geboren wurde; sein Bruder brütet in Menningen bei Meßkirch.
In beiden Nestern sitzt man seit einiger Zeit auf Gelegen, im oberen Nest seit ca. 27. März, im Horst im Ortszentrum begann die Brut etwas später ca. am 5. April.

Ende Juni: Insgesamt fünf Jungstörche gibt es diese Saison in Ebenweiler. Im oberen Nest schlüpften vier, im Ortszentrum pellten sich drei Junge aus den Eiern. In beiden Nestern starb jedoch der kleinste, woran Fremdstörche, die häufig Kämpfe anzettelten, vielleicht nicht ganz unschuldig waren, denn solche Kämpfe lenken die Eltern von der Futtersuche ab und nötigen sie dazu, häufig beim Nest zu verweilen und ihre Jungen länger als sonst üblich zu bewachen. Ihren Personalausweis erhielten die Jungstörche am 10. Juni, und diesmal gelang auch die Beringung im oberen Nest dank des trockenen Wetters mit der Altshausener Feuerwehr problemlos.

Ob allerdings alle Ebenweiler Jungstörche die Reise in den Süden antreten konnten, ist fraglich. Denn Mitte August landete einer der Jungstörche des oberen Nestes in einer mangelhaft abgedeckten Sickergrube in Esenhausen, aus der er sich nicht selbst befreien konnte und wo er vermutlich erst nach geraumer Zeit entdeckt wurde. Die Leiterin des Naturschutzzentrums in Wilhelmsdorf fing ihn in der Grube ein, duschte ihn gründlich ab und fütterte und pflegte ihn zwei Tage lang, bevor er im Rotachtal flugfähig und augenscheinlich munter bei einem Trupp freigelassen werden konnte und auch mit diesem Trupp davonflog. Über eine Woche später erfuhr die Leiterin von einem toten Storch, der dem Datum nach zwei Tage nach dem Freilass im Rotachtal gesichtet, jedoch unglücklicherweise nicht gemeldet wurde. Sie suchte den Storch, es waren allerdings nur noch Reste des Kadavers vorhanden, das Bein mit dem Ring fehlte. Ob es sich bei dem Toten um den Ebenweiler Jungstorch gehandelt hat, kann daher nicht festgestellt werden. Vielleicht hatte er sich im Schmutzwasser eine Infektion zugezogen oder hatte sich dort vergiftet, und die Vergiftung hatte sich erst verzögert ausgewirkt. Wir werden es leider nicht mehr herausfinden können.

Ebenweiler
Ablösung im Ebenweiler Nest Ortsmitte. Foto: Georg Steinhauser 31.05.2014.

Ebenweiler
Altstorch und die beiden Jungstörche im Nest im Ortszentrum Ebenweiler am 27.06.2014. Foto: Georg Steinhauser

Ebenweiler
Oberes Nest am 19.05.2014. Foto: Georg Steinhauser.

Ebenweiler
Oberes Nest am 31.05.2014. Foto: Georg Steinhauser.

Ebenweiler
Die 3 Jungstoerche in Ebenweiler im oberen Nest am 27.06.2014. Foto: Georg Steinhauser

2013: Schlechte Erfahrungen führen oft dazu, dass Storchenweibchen ihren Horst verlassen, um sich ein anderes Domizil zu suchen, wo es mit der Brut vielleicht besser klappt. So geschah es auch dieses Frühjahr in Ebenweiler. Die letztjährige Ebenweiler Brutstörchin aus Waldbeuren versuchte ihr Glück im Nachbarort Altshausen und konnte auch, da die dortige angestammte Brutstörchin nicht erschien, den Horst behalten.
Der Ebenweiler Brutstorch blieb in seinem Ort, allerdings zog er auf das im letzten Jahr nach dem Brutverlust neu gebaute Nest um. Er fand auch wieder eine Partnerin, und zwar ist es die ehemalige Föhrenrieder Störchin, die gleich alt ist wie seine ehemalige Gattin (5 Jahre), aber aus Zwiefaltendorf im Donautal stammt.
Man verstand sich gleich recht gut, und keine drei Wochen nach Ankunft der Neuen lagen die ersten Eier im Nest. Wenn alles gutgeht, werden die ersten Jungen um den Maifeiertag schlüpfen.

Juni: Die neue Storchendame ließ es erstmal langsam angehen, und das war in diesem Jahr, das für die Störche nicht sehr viel Gutes bereithielt, wahrscheinlich ihr Glück. Denn hätten mehr kleine Störche als die beiden Geschlüpften versorgt und geschützt werden müssen, wer weiß, dann wären vielleicht alle umgekommen. So hat wenigstens einer der beiden das katastrophale Wetter überlebt. Und diese Freude wird anlässlich seiner Beringung am 12. Juni in Ebenweiler gefeiert.

Ebenweiler
Foto: G. Steinhauser 2013

August: Es war zwar eine Beringungsaktion mit Hindernissen – die Feuerwehr blieb in der zu dieser Zeit leider ziemlich nassen Wiese stecken, konnte den Horst also nicht anfahren und musste mit der größten Zugmaschine, die die Ebenweiler Landwirte aufzubieten hatten, wieder aus dem Sumpf gezogen werden – aber mit Hilfe eines kleinen Baukrans und eines Bürgers mit langen Armen kam der kleine Storch schließlich doch zu seinem Personalausweis und die Ebenweiler Bevölkerung zu ihrem Beringungsfest.
Es dauerte dann noch ca. einen Monat, da erhob sich der Jungstorch erstmals in die Lüfte und wagte den Sprung vom Nest. Bald wird er mit seinen Artgenossen über Frankreich nach Spanien segeln, und wer weiß, vielleicht geht die Reise auch bis Mali oder Ghana im westlichen Afrika.

2012: Den Störchen hat es im letzten Jahr in Ebenweiler gefallen. Sie hatten Nahrung zur Verfügung und brachten ihren Nachwuchs gut durch. Deshalb sind sie Ebenweiler treu gebleiben und in diesem Frühjahr zurückgekommen. Schon in den ersten Märztagen erschienen die Frühlingsboten zur Freude der Ebenweiler Bürger und belegten ihren Horst. In der Eierproduktion hatten sie jetzt Übung, und so sah man sie schon Ende März, also zwei Wochen früher als im letzten Jahr, auf ihrem Gelege sitzen.

Anfang Juni: Leider gibt es vom Ebenweiler Horst nichts Erfreuliches zu berichten. Es schlüpften drei Junge, die aber etwa 10 Tage nach ihrer Geburt – wahrscheinlich bei einem am 8. Mai beobachteten Kampf – ums Leben kamen. Eines der drei konnte noch gefunden und zur Tierärztlichen Untersuchungsanstalt nach Aulendorf gebracht werden. Aufgrund der bereits eingetretenen Verwesung konnte man die Todesursache jedoch nicht mehr eindeutig festgestellen. Sicher ist allerdings, dass die kleinen Störche nicht durch eine Schimmelpilz-Infektion umgekommen sind. Allerdings fanden sich auch keine Verletzungen, die auf Tod durch einen Storchenkampf hindeuten könnten.
Hoffen wir, dass die Altstörche trotz dieser schlechten Erfahrungen in Ebenweiler bleiben und im nächsten Jahr wieder hier brüten werden. Es kann jedoch sein, dass sie innerhalb des Ortes umziehen, denn derzeit bauen sie sich – wohl auch aus Langeweile – eine Zweitwohnung auf einem Mast am gegenüberliegenden Ortsrand.

Ebenweiler

Foto: Gertrud Hermann 2011

 

2011: Ungewohntes Geklapper in Ebenweiler!
Im letzten Jahr überlegten wir, wie wir Ebenweiler, das mit dem Feuchtgebiet um den Ebenweiler See gute Nahrungsgebiete vorzuweisen hat, mit dem Angebot einer Nistunterlage für Störche noch attraktiver machen könnten.
Die Störche sind uns zuvor gekommen. Kurz vor Errichtung der Nistunterlage durch die Zimmerei Strobel (geplant auf dem Kirchturm) suchten sich die Störche selbst einen Platz und bauten auf einem Niederspannungsmast im Ortszentrum ein Nest.
Es handelt sich um echte Oberschwaben aus der näheren Umgebung, beide sind drei Jahre alt. Er stammt aus dem Nachbarort Fleischwangen, seine Gattin ist aus Waldbeuren. Die beiden haben ernste Absichten, denn seit ca. 10. April wird gebrütet.

Juni: Seit ca. 13. Mai gibt es Storchennachwuchs in Ebenweiler. Zwei Junge sind geschlüpft. Die beiden putzmunteren Störchlein haben ihre ersten Wochen gut überstanden, und wenn sie die Eltern weiterhin gut versorgen, und in den nächsten Tagen kein Unwetter oder anhaltend nasskaltes Wetter kommt, können sie am 20. Juni mit Hilfe der Altshausener Feuerwehr beringt werden.

Anfang August: Obwohl es für die beiden Ebenweiler Eltern das erste Mal war, dass sie Junge zu versorgen hatten, erwies sich ihr Nachwuchs bei der Beringung – zu dieser Zeit etwa fünfeinhalb Wochen alt – als gut genährt. Der größere der beiden Jungstörche wog sogar fast dreieinhalb Kilogramm. Die Ebenweiler Bürger freuten sich sehr, dass es gleich das erste Mal so gut mit der Jungenaufzucht in ihrem Ort geklappt hat, und feierten das Ereignis gebührend mit Würstchen, Saft und Bier.
Um den 11. Juli bekamen die Zwei auf einmal Besuch. Einem Jungstorch aus Königseggwald, seines Zeichens ein Einzelkind und gerade flügge geworden, war es in Königseggwald wohl zu einsam, und so zog er nach Ebenweiler, um von da an den dortigen Störchen Gesellschaft zu leisten. Der Größere der beiden Ebenweiler Jungstörche versuchte ihn zwar zu vertreiben, hatte aber nur wenig Erfolg. Der Königseggwalder gesellte sich zu den beiden auf den Horst und ließ sich sogar von den Ebenweiler Eltern mitfüttern, verköstigte sich aber auch selbst auf den Ebenweiler Wiesen. Am 16. Juli wurde es dem Ebenweiler Nachwuchs schließlich zu dumm. Sie verließen ihre bisherige, wohl ihrer Ansicht nach nun überfüllte Wohnstatt und hoben sich in die Lüfte.
Bei einer Horstbeobachtung am 19. Juli war der Königseggwalder immer noch da. Er futterte auf den Wiesen am See und stand zeitweilig auf dem Dach, das dem Nest benachbart ist. Vielleicht schließen sich die Drei ja zusammen den demnächst vorbeiziehenden Jungstorchtrupps an und begeben sich zusammen auf die Reise in den Süden (unter einem Trupp von 13 Störchen in Nähe der Auhöfe bei Zußdorf wurde am 2. August einer der Ebenweiler Jungstörche identifiziert, von zwei Störchen dieses Trupps gelang allerdings keine Ringablesung, ob der Königseggwalder dabei war?).





Fotos: Gertrud Hermann 2011



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