Die Störche Oberschwabens



Riedhausen


2016: In Riedhausen brütete wieder das altbekannte Paar. Noch während sie auf dem Strommast unterhalb der Kirche auf dem Eiern saßen, hatten sie viel damit zu tun, ihr Kirchturm-Nest von anderen Störchen freizuhalten. Es gab zeitweise große Aufregung, lautes Gezische und Geklapper, aber "Hansi" schaffte es, die Eindringlinge schließlich endgültig zu vertreiben.
Mit einer erfolgreichen Brut wurde es aber nichts. Und die Eisheiligen haben nichts damit zu tun. Denn schon etwa zehn Tage nach dem Schlupf der Jungen, also um den 10. Mai sah man wieder beide Altstörche zusammen auf den Wiesen. Die Jungen – wir wissen nicht einmal wieviele – waren tot. Ihre Kadaver wurden nicht gefunden. Vielleicht haben die Eltern Kompostmaterial ins Nest eingetragen und die Küken sind an einer Schimmelpilzinfektion gestorben.

2015: In Riedhausen verläuft alles in gewohnten Bahnen. Das angestammte Riedhausener Paar, seit Ende Februar wieder in Riedhausen vereint, brütet wie im vorangegangenen Jahr auf dem Mastnest, die ersten Küken werden sich bald aus den Eiern pellen.

Ende April war es soweit, im Riedhausener Nest regte sich erstes junges Leben. Am 11. Mai wurden vom Kirchturm aus fünf Junge gezählt. Ungefähr zwei Wochen später reduzierte sich die Jungschar allerdings auf drei, und am 3. Juni wurde noch ein weiteres, schon ziemlich großes Junges tot unterhalb des Nests gefunden. Als man am 8. Juni den Horst anfuhr, fand man jedoch nur noch einen Jungstorch vor, und auch dieser machte keinen zufriedenstellenden Eindruck, er war deutlich unterernährt. Nun sind die Nahrungsgebiete um Riedhausen eigentlich nicht schlecht. Ob es am fortgeschrittenen Alter des Papas liegt? Er hat nämlich dieses Jahr einen runden Geburtstag, er zählt heuer 30 Lenze! Jedenfalls diesen einen haben die Riedhausener Eltern durchgebracht. Bald wird er dem Ried den Rücken kehren und sich die große weite Welt anschauen.

2014: Sie misstrauen anscheinend ihrem alten Nest, "Hansi" und seine Störchin, und sind plötzlich auf einen Mast unterhalb der Kirche umgezogen, wo sie schon vor Jahren einmal aus Langeweile nach Brutverlust eine Zweitwohnung gebaut hatten. Das Dumme ist nur, dass das Nest zur Beringung der Jungstörche oder auch zum Nestputz nicht von der Feuerwehr angefahren werden kann. Jetzt warten wir mal ab, was dieses Jahr aus der Brut wird, seit ungefähr dem 25. März sitzt das Paar in der neuen Wohnung nämlich auf einem Gelege.

Riedhausen
In Riedhausen sind die Störche auf einen Strommast umgezogen. 17.05.2014. Foto: Georg Steinhauser

Riedhausen
Sind auch schon Prachtskerle, die Jungstörche in Riedhausen. 27.06.2014. Foto: Georg Steinhauser

Juni: Drei Junge schlüpften um den 25. April in Riedhausen. Das Trio kam gut über die Runden und konnte mit Hilfe eines Steigers der EnBW am 2. Juni beringt werden. Zwar waren die Jungstörche zu diesem Zeitpunkt etwas untergewichtig, trotzdem überstanden alle ihre kritische Zeit und jetzt heißt es: üben, üben, üben, denn im August geht's ab in den Süden.

Riedhausen

2013: In Riedhausen ist alles beim Alten. "Hansi" brütet wieder zusammen mit der Unlingerin, ähnlich wie im letzten Jahr seit Ende März. Hoffentlich haben sie in den kalten Anfangswochen auf ihr Gelege gut Acht gegeben, denn auf dem hohen Kirchturm zieht es ganz schön!

Juni: Tja, es hat tatsächlich nicht geklappt. Das Gelege erlitt einen Kälteschaden. Es schlüpften dieses Jahr keine Storchenküken auf dem Riedhausener Kirchturm. Über sieben Wochen saßen die Riedhausener Störche auf dem Gelege und konnten es nicht glauben. Als sie endlich die Brut aufgaben, wurde es ihnen langweilig und sie verlegten sich auf den Bau einer Zweitwohnung auf einem Niederspannungsmast wie schon einmal einige Jahre zuvor. Damals hatte die Zweitwohnung allerdings im folgenden Frühjahr andere Störche angezogen, gegen die sie kämpfen mussten. Ob der Bau einer Zweitwohnung also besonders schlau ist?

Redhausen
Die Riedhausener sind umgezogen. 17.03.2013. Foto: Georg Steinhauser

2012: "Hansi", unser langjähriger Riedhausener Brutstorch, wird auch dieses Jahr wieder Junge auf dem Riedhausener Kirchturm aufziehen. Seine Gattin ist wie in den letzten Jahren die gebürtige Unlingerin. Mit der Brut begannen sie Ende März.

Anfang Juni: Es war anscheinend doch kein Fehler, das Nest komplett abzubauen und die Nistunterlage gründlich zu desinfizieren. Seitdem klappt es jedenfalls wieder in Riedhausen. Dieses Frühjahr schlüpften fünf, wobei das kleinste aber nur eine Woche überlebte. Ein weiteres starb im Alter von ca. drei Wochen. Die übrigen drei werden die Riedhausener Eltern aber wohl durchbekommen. Bei der Beringung waren sie allerdings um etwa ein Pfund zu leicht. Hansi und seine Angetraute sollten sich schon noch etwas ins Zeug legen.

August: Der erste Ausflug der Riedhausener Jungstörche verlief alles andere als reibungslos. Zuerst flog einer – vermutlich der älteste – bei seinem Jungfernflug aufs Kirchendach und traute sich von dort aus nicht mehr weiter. Erst nach langer Zeit fasste er wieder Mut, flog ab und schaffte es auch aufs Nest zurück. Dann kam der Sturm am Samstag, den 30. Juni. Der kleinste wurde von einer Bö vom Nest gefegt und landete, Schnabel voraus, auf der Straße. Die hakenförmige Spitze des Oberschnabels brach dabei, auch erlitt er einen gehörigen Schock. Nach Behandlung durch den Tierarzt und fürsorglicher Pflege durch die Leiterin des Naturschutzzentrums in Wilhelmsdorf versuchte man zweimal, ihn in der Nähe der Riedhausener Storchenfamilie auf der Wiese wieder in die Natur zu entlassen. Das Fliegen beherrschte er zwar mittlerweile, doch fehlte ihm die nötige Kraft, um Höhe zu gewinnen. Er musste also jedesmal am Abend wieder eingefangen und in die Volière zurückgebracht werden. Dabei gestaltete sich die Päppelung des Pfleglings nicht gerade einfach, denn beim Futter stellte er sich als äußerst wählerisch heraus. Hühnerküken wurden ganz abgelehnt, Mäuse fraß man je nach Laune, mal mochte man nicht die weißen, dann auf einmal nicht die dunklen, am besten wurden noch selbst gefangene Heuschrecken angenommen. Vom deshalb notwendig gewordenen Stopfen war er natürlich überhaupt nicht begeistert. Da er in der verhältnismäßig kleinen Volière seine Flugmuskulatur nur bedingt gebrauchen konnte, entschloss man sich schließlich, den Jungstorch nach Reute bei Freiburg zu bringen, wo eine großes Fluggehege zur Verfügung steht und er Gesellschaft von anderen Störchen hat, die ihn zum Futtern animieren sollen. Wir hoffen, ihn von dort demnächst endgültig in die Freiheit entlassen zu können.

2011: Ende Januar war der Schweizer Storchenmann "Hansi" schon in Riedhausen. Auf seine Angetraute musste er aber noch einen Monat warten. Zunächst bauten die Störche weiter an dem im letzten Sommer begonnenen Nest auf einem Mast unterhalb der Kirche. Als ihre Brutstatt auf dem Kirchturm dann aber am 2. März wieder frisch hergerichtet und mit Ästen wohnlich gemacht war, überlegten sie es sich anders und zogen wieder auf den Kirchturm um. Die Aktion (Abbau des kompletten Nestes und Desinfektion der Nistunterlage vor dem Winter, Aussägen der Latten zwecks besseren Wasserabflusses und Aufbau eines neuen Nestes bei eisiger Kälte und heftigen Windböen am 2. März) hat sich also schon mal insoweit gelohnt.
Das zweite unmittelbar benachbarte Nest zog nun aber ein zweites Storchenpaar an, dessen Ansiedlung unsere Riedhausener vehement zu verhindern suchten. Noch Ende März, als auf dem Kirchturm bereits gebrütet wurde, gab es heftige Streitereien und Kämpfe. Wir hoffen, dass das Gelege nicht darunter gelitten hat. Denn dem mittlerweile 26-jährigen erfahrenen "Hansi" ist nach den Brutverlusten der letzten beiden Jahre, an denen er vermutlich keine Schuld trug, endlich wieder ein Erfolg zu gönnen.
Dem zweiten Storchenpaar wurden die ständigen Angriffe dann aber schließlich doch zu bunt. Anscheinend hat es jetzt das Weite gesucht. Leider konnten die beiden nicht identifiziert werden, denn als endlich einmal in meinem Beisein einer der Fremden auf dem Mast landete, war es schon zu dunkel, um den Ring abzulesen. Vielleicht handelt es sich um das Paar, das sich jetzt in Horgenzell niedergelassen hat?

Juni: Um den 24. April begann der Schlupf im Riedhausener Horst und nach und nach wurden "Hansi" und seine Angetraute mit einer reichen Kinderschar gesegnet. Denn schließlich waren fünf kleine Störche im Nest. Fünf Schnäbel zu füttern bereitet den Eltern ziemlich Mühe, und sie schafften es auch nicht. Die beiden jüngsten starben in den ersten zehn Maitagen, drei überlebten aber ihre kritischen ersten Wochen. Bei der Beringung erwiesen sich jedoch auch diese drei als leicht bis deutlich untergewichtig, keiner brachte mehr als 2,7 kg auf die Waage.(Störche im Alter von sechs Wochen sollten optimalerweise mindestens 3 kg [Weibchen] bzw. 3,5 kg [Männchen] wiegen).

Anfang August: Die Riedhausener Jungstörche brauchten etwas mehr als 10 Wochen bis sie den Jungfernflug vom Kirchturmdach wagen konnten. Am 5. Juli war es dann aber soweit. Anfangs wurden sie von den Eltern noch gelegentlich gefüttert, aber jetzt galt es selbständig zu werden. Der nächste Winter kommt bestimmt, und den verbringt man am besten nicht in Riedhausen, sondern in wärmeren Regionen. Und so bereiten sie sich auf die große Reise vor, die sie zum erstenmal antreten werden. Bald geht's los.

2010: Wie meistens verließ "Hansi" schon Anfang Februar den Bodensee, um nach seinem Horst zu sehen. Zunächst eine Weile allein, gesellte sich Ende Februar eine Störchin zu ihm, die sich als Schweizerin herausstellte. Dann aber wurde am 3. März wegen des Verdachts einer letztjährigen Pilzverseuchung das Nest ausgeräumt und neu hergerichtet, und diese Störung passte der Neuen wohl nicht. Sie zog ab, noch bevor sie mit der angestammten Riedhausenerin unangenehme Bekanntschaft machen konnte. Die Riedhausenerin erschien nämlich erst Mitte März, und deshalb verzögerte sich diesmal auch der Brutbeginn in den April hinein.
Eine interessante Beobachtung konnte ich bei einer Horstkontrolle am 31. März machen: Sie liegt im Nest, "Hansi" steht neben ihr. Es ist ein windiger Tag. Plötzlich springt er aufs Kirchendach, entfernt von hier aus von der äußeren Ostseite des Nestes einen Ast, springt damit wieder auf den Horst und fügt den Ast auf der Westseite ein. Das Ganze wiederholt sich noch einmal. Gar nicht so dumm!

Ganz abgesehen davon, dass Störche im Allgemeinen wohl ziemlich intelligente Vögel sind, scheint "Hansi" ein besonders lernfähiger Storch zu sein. In seinen ersten Brutjahren hatte er nämlich wie viele bei uns überwinternde Störche einen sehr mäßigen bis schlechten Bruterfolg. Das hat sich in den letzten Jahren aber deutlich geändert, "Hansi" ist geradezu ein vorbildlicher Vater geworden.

Juni: Umso tragischer, dass sich in dieser Brutsaison dasselbe wie im letzten Jahr abspielte:
In den ersten Maitagen schlüpften die Jungen. Wieviele es waren, konnte wegen schlechter Sicht und hoch gebautem Nestrand nicht festgestellt werden. Doch waren es mindestens zwei. Zehn Tage nach dem Schlupf war alles vorbei, wie im letzten Jahr bewegte sich nichts mehr im Horst, alle Jungen waren plötzlich tot. Der Verdacht einer Schimmelpilz-Infektion erhärtet sich. Diesmal wurden die Jungen gleich gefunden und in die Tierärztliche Untersuchungsanstalt nach Aulendorf gebracht, sodass wir die Ursache des plötzlichen Tods diesmal hoffentlich erfahren werden. Diese Infektion befällt die Lunge von Jungstörchen bevorzugt im Alter von ein bis zwei Wochen. Ältere Jungvögel sterben nur selten daran. Meist rafft sie die gesamte Jungenschar auf einmal dahin, so wie es in Riedhausen nun zum zweiten Mal in Folge und dieses Jahr auch in Esenhausen und in Illmensee geschehen ist. Auch hier haben wir denselben Verdacht und tote Jungvögel nach Aulendorf gebracht.
Gegen die Schimmelpilze kann man nach Expertenmeinung kaum etwas unternehmen. Selbst eine Desinfektion des Horstes scheint nicht viel zu bringen. Die Riedhausener misstrauen jetzt augenscheinlich ihrem Nest und bauen sich derzeit ein anderes in nächster Nähe auf einem Niederspannungsmasten. Hoffentlich nützt es etwas. Es wäre sehr schade, wenn wir Riedhausen als traditionellen Brutplatz verlieren würden.

Juli: Ergebnis der Untersuchung: Tatsächlich wurden Schimmelpilze in der Lunge der Jungstörche gefunden, Unterernährung und Unterkühlung spielten laut Diagnose als Todesursache jedoch die maßgebliche Rolle.

2009: Obwohl noch recht kalt, zog es "Hansi" Anfang Februar vom Bodensee nach Riedhausen zurück. Seine Angetraute erschien diesmal sogar etwas früher als letztes Jahr, nämlich schon Ende Februar. Von der anhaltenden Kälte ließ sich das Paar wenig beeindrucken, denn schon seit Ende März brüteten die beiden.

Juni: Mindestens drei Junge schlüpften in Riedhausen. Die genaue Zahl werden wir nie erfahren, denn schon nach kurzer Zeit war alles vorbei. Am 5. Mai wurde keinerlei Bewegung mehr im Nest festgestellt, obwohl sich das Männchen nach dem Nestanflug und Ablösung des vorher sitzenden Weibchens sofort scheinbar wieder schützend setzte. Eine Fütterung fand nicht statt. Das sah sehr verdächtig aus, und so wurde der Horst gleich am nächsten Tag nochmals kontrolliert: Das Weibchen stand auf dem Horst und warf vehement große Mengen kompostartiges Nistmaterial aus dem Horst. Von kleinen Störchen war nichts zu sehen. Da lebte nichts mehr. Schließlich entdeckte ich beim Suchen rund um den Kirchturm zwei Jungstorch-Kadaver im Schneefanggitter des Kirchturms, dummerweise auf der Seite, die für die Feuerwehr nicht zugänglich ist, denn ich hätte die Jungen gerne zur Untersuchung nach Berlin geschickt. Der plötzliche Tod aller Jungstörche ohne erkennbaren äußeren Anlass lassen nämlich den Verdacht aufkommen, dass die Jungen an einer Schimmelpilz-Infektion, die die Lunge befällt, zugrunde gegangen sind. (Schimmelpilze werden ins Nest manchmal über Kompostmaterial eingetragen und entwickeln sich bei feucht-warmen Wetter, wie es schon seit langem herrscht, natürlich gut.)

2008: "Hansi" kam dieses Mal recht früh, nämlich schon Mitte Januar, vom Bodensee nach Riedhausen zurück und erhielt schon Anfang Februar Besuch von einem Weibchen. Es war jedoch nicht seine Angebetete, sondern eine Unberingte (sehr wahrscheinlich die in diesem Frühjahr ausgiebig umherziehende Fleischwangenerin), die sich auch gleich ziemlich keck zusammen mit ihm durchfüttern ließ. Sie erschien sogar noch bei der Futterstelle, als sie bereits – vermutlich von der Riedhausener Brutstörchin vertrieben – nach Hasenweiler umgezogen war (siehe Hasenweiler und Fleischwangen). Die in Unlingen nahe der Donau geborene Riedhausenerin kam jedenfalls Anfang März zurück und ließ sich ihren Horst nicht wegnehmen. Seit Ende März sitzt das vertraute Paar auf den Eiern.

Juni: Ca. einen Monat später gab es dann Bewegung im Nest auf dem Kirchturm, und Anfang Mai waren vier kleine Schnäbelchen im Horst zu sehen. Die Riedhausener Störche, mittlerweile ein erfahrenes und gut eingespieltes Elternpaar, brachten ihren reichlichen Nachwuchs einigermaßen gut über die Runden. Am 30. Mai, als zweites nach den Saulgauern, wurde das Riedhausener Quartett beringt. Mit Übergewicht hatten die Vier zu diesem Zeitpunkt zwar nicht gerade zu kämpfen (sie wogen jeder um die 2 kg, der kleinste noch etwas darunter), doch haben bis heute alle – auch der Kleinste – überlebt, und so scheint es wieder mal eine Erfolgsstory in Riedhausen zu geben.  
Die etwas einsame Zeit der Futtersuche während der Brut und der ersten Wochen der Jungenaufzucht, zu der immer einer der Eltern das Nest bewacht, wurde "Hansi" in diesem Frühjahr übrigens wohl gelegentlich durch die Fleischwangener Brutstörchin versüßt. Im Mai wurde einmal beobachtet, wie sie ihm bei der Futtersuche auf einem Riedhausener Acker – sie hätte eigentlich attraktivere Nahrungsgebiete in Nähe ihres eigenen Horstes gehabt – Gesellschaft leistete. 

Juli: Am 9. Juli drehte der erste der vier Riedhausener Jungstörche eine noch etwas unsichere Runde um den Kirchturm. Er landete wieder wohlbehalten auf dem Horst, seine Geschwister machten einen leicht irritierten, fast etwas empörten Eindruck, als hätte er etwas Ungehöriges unternommen oder sich zu sehr aufgespielt. Es dauerte auch noch eine ganze Weile, bis sie schließlich allesamt seinem Beispiel folgten. Zum Schluss hatten sie es jedoch alle besonders eilig, denn im Ried sind sie nirgends mehr zu finden, die Eltern sind allein auf dem Horst. Anscheinend haben sich die Jungen bereits davon gemacht. Wen wundert's? Wo doch alles, was zwei Beine hat, gerade nix wie weg in den Süden strebt.

2007: In Riedhausen bleibt alles beim Alten. "Hansi" hat wieder den Winter am Bodensee verbracht und brütet seit Anfang April mit der Unlingerin auf dem Riedhausener Kirchturm. 

Juni: Drei Junge schlüpften Anfang Mai. Die Drei entwickelten sich zunächst recht gut. Vier Wochen waren sie alt, da kam das katastrophale Wetter zu Pfingsten. Zu dritt hatten sie in diesem Alter nicht mehr genügend Platz unter dem hudernden Altstorch, und ihr Gefieder war noch nicht ausreichend entwickelt; sie überlebten diese Tage nicht.

2006: Der Riedhausener Storch "Hansi", übrigens ein Schweizer von auch schon stolzen 21 Jahren, ist wieder mit der Unlinger Störchin zusammen, die letztes Jahr nach Riedhausen kam und die frühere, im Herbst zuvor verunglückte Störchin ersetzte.
Seit Anfang April wird auf dem Kirchturm-Horst gebrütet.

Juni: Die Riedhausener ließen sich von dem katastrophalen Wetter in dieser Saison nicht beeindrucken. Vier Junge schlüpften und alle vier kamen bis zur Beringung am 7. Juni durch. Riedhausen feiert dieses Jahr übrigens mehrere "Storch"-Jubiläen: seit 60 Jahren gibt es nun das Nest auf dem Kirchturm, seit 40 Jahren werden hier Störche beringt und seit 20 Jahren ist die Freiwillige Feuerwehr mit ihrer Drehleiter dabei. Das Jubiläum wurde auch von den Störchen angemessen gewürdigt: Die Beringung wurde diesmal nicht nur von den Eltern aus luftiger Höhe beobachtet, vier weitere Artgenossen gesellten sich dazu. Zusammen mit den Eltern kreisten sie in Nähe des Horstes und drehten erst am Ende der Aktion wieder ab.

Anscheinend störte das Quartett die Enge auf ihrem Nest nicht, denn auch als andere Jungstörche ums Ried, die zum Teil später schlüpften als die Riedhausener, schon flogen, sahen sie noch keine Veranlassung, den sicheren Horst zu verlassen. Man muss aber auch zugeben, dass der Horst auf dem Kirchturm in beträchtlicher Höhe liegt, und es hier schon eine gehörige Portion Mut erfordert, den Sprung vom Nest zu wagen. Am 18. Juli war es dann aber schließlich soweit: Der erste Riedhausener Jungstorch tat den entscheidenden Schritt über den Nestrand hinaus und flog über die Riedhausener Dächer. Lang wird es nicht mehr dauern, dann werden die vier Halbstarken auf große Reise gehen, Frankreich und dann Spanien besuchen und mit vielen anderen Störchen vielleicht sogar die Meerenge von Gibraltar überqueren, um sich im Winter in den Savannen Westafrikas den Bauch mit Heuschrecken vollzuschlagen.

2005: Den Gattinen von "Hansi" ist kein Glück beschert. Vor 6 Jahren wurde seine damalige langjährige und mit ihm überwinternde Partnerin überfahren. Nun hat er wieder sein Weibchen verloren, mit dem er seit 2001 in Riedhausen brütete und im Jahr 2004 erfolgreich vier Junge aufzog. Am Abend zuvor noch gesichtet, fand man sie am Morgen des 27. Juli, 3 Wochen nachdem die Jungen flügge waren, völlig abgenagt am Rand eines Gehölzes am Ortsrand von Riedhausen. Sie war wohl noch nach einbrechender Dunkelheit unterwegs gewesen und vermutlich von einem Fuchs gerissen worden.
"Hansi" muss aber nicht alleine bleiben, eine neue Partnerin hat sich schon eingestellt. Seine neue Angebetete stammt aus Unlingen im Donautal und ist vier Jahre alt. Schon im letzten August machte sie eine Stip-Visite in Riedhausen – sie war einer der Störche des 23-köpfigen Storchentrupps, der sich damals im Pfrunger Ried aufhielt und abends die Riedhausener Dächer und Sportplatz-Lampen besetzte; ein beeindruckendes Schauspiel übrigens.
Seit Anfang April konnte man nun "Hansi" und seine neue Angetraute abwechselnd im Nest auf dem Riedhausener Kirchturm sitzen sehen, denn sie brüteten bereits.

Juni: In der ersten Maidekade erblickten vier kleine Jungstörche auf dem Riedhausener Kirchturm das Licht der Welt. Das Nesthäkchen überlebte seine ersten Lebenstage jedoch nicht. Die verbliebenen drei Nestgeschwister brachten am 9. Juni immerhin um die 2,5 kg auf die Waage und wurden bei ihrer Beringung sogar zu Fernsehstars.

August: So um den 20. Juli wagten sich die Riedhausener Jungstörche das erste mal vom Horst auf dem Kirchturm hinunter auf die Wiesen und gerade dieser Tage sind sie zu ihrem ersten Zug in den Süden aufgebrochen.

2004: Das Männchen "Hansi" überwinterte wie immer in Riedhausen, seine treue Gattin kam am 20. Februar an.
Seit Ende März brüten die beiden, und wollen wir hoffen, dass sie diesmal nicht so wie im letzten Jahr vor der Eiablage das Wichtigste vergessen haben und bald kleine Störche aus den Eiern schlüpfen. Letztes Jahr mühten sie sich vergeblich. Sie saßen und saßen, monatelang. Ich glaube, den Riedhausener Bürgern und auch mir taten die Störche rechtschaffen leid, die da zunehmend frustriert auf ihren vermutlich unbefruchteten Eiern saßen. Die beiden konnten es einfach nicht glauben, denn sie brüteten bis weit in den Juni hinein.

Also, sie können´s doch noch, die Riedhausener Störche: 4 Junge sind im Nest. Sie sind schon ziemlich groß und können, obwohl der Horst auf dem Kirchturm in beträchtlicher Höhe liegt, mittlerweile schon gut von der Straße aus gesehen werden. Zusammen mit den Waldbeurenern gehörten sie zu den ersten Storchenjungen, die in Oberschwaben aus den Eiern geschlüpft sind.

Juli: Die Riedhausener haben dieses Jahr wirklich Grund zur Freude, denn alle 4 Jungen sind durchgekommen. Schon bei der Beringung am 1. Juni war ziemlich klar, dass den kleinen Störchen, die durchweg einen gesunden Eindruck machten, nicht mehr viel passieren konnte. Am Morgen des 7. Juli kam die fröhliche Nachricht vom Riedhausener Bürgermeister, alle 4 Jungstörche seien gerade nacheinander vom Nest ausgeflogen, hätten sich in die Lüfte geschraubt und seien auf dem Sportplatz gelandet, wo sie jetzt im Gänsemarsch herumspazierten. Wünschen wir ihnen viel Glück auf ihrer ersten Reise, die sie ja schon in ca. einem Monat antreten werden.

2003: Die Riedhausener Störche sind dieses Jahr die ersten. Schon seit etwa Mitte März brüten sie auf dem Horst auf dem Kirchturm. Personell gab es keine Veränderungen. Das Männchen "Hansi" überwinterte wie immer in Riedhausen, das Weibchen kam Ende Februar an.
Wollen wir hoffen, dass den Storcheneltern diesmal mehr Erfolg beschert ist, denn letztes Jahr kamen alle Jungen schon in der ersten Schlechtwetterperiode ums Leben (vermutlich war es daraufhin "Hansi", der im Wilhelmsdorfer Nest für Aufruhr sorgte, welcher zum Tod auch der beiden Wilhelmsdorfer Jungstörche führte).
Den Riedhausener Störchen ist kein Glück beschert. Irgenwie ist bei ihnen der Wurm drin, denn sie sitzen schon seit ca. 17. März auf vermutlich unbefruchteten Eiern. Hoffen wir, dass sie wenigstens die Wilhelmsdorfer Störche dieses Jahr unbehelligt lassen.


2002: Storchpaar dasselbe wie im letzten Jahr, das Männchen (in Riedhausen unter dem Namen "Hansi" bekannt) überwintert in Riedhausen und wird dort gefüttert.

geboren 1985 in Österreich in Hohenems / Vorarlberg, geboren 1998 in Salem-Affenberg (FN).

Ein Mitte Februar erschienenes 3-jähriges Weibchen, das 2001 in Untersulmetingen brütete, wurde von der Mitte März angekommenen "Platzhalterin" vertrieben.

Im Juli 1998 wurde die frühere Partnerin von "Hansi" überfahren. "Hansi" wird daraufhin etwas unstet und kontrolliert 2 Nester (Riedhausen und Wilhelmsdorf), brütet selbst einmal im einen, dann im anderen und verhindert 2 Jahre lang die Brut im Nachbarnest.

2002 schlüpfen 3 Junge, die in der Schlechtwetterperiode Anfang Mai starben.


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