Die Störche Oberschwabens



Ingoldingen

Ingoldingen
Fotos: G. Steinhauser 2013


2017: Sechs Jahre – seit dem Jahr 2012 - sind sie nun zusammen und brüten gemeinsam in Ingoldingen: der Schweizer aus Murimoos und die unberingte Storchendame. In diesem Frühjahr saßen sie schon ein paar Tage früher als im Jahr zuvor auf einem Gelege, und die ersten Jungen schlüpften gerade, als unvorhergesehen und ununterbrochen zweieinhalb Tage lang Schnee fiel. Die brütenden und hudernden Altstörche waren in ihren Horsten kaum noch zu erkennen, der schwere Schnee drückte sie in ihre Nester. Die gerade schlüpfenden Jungen waren aber noch so klein, so dass sie gut geschützt und gewärmt werden konnten. Auch brauchten sie noch nicht allzuviel Futter. Vier kleine Störche wurden daher putzmunter am 4. Mai im Nest entdeckt, der kleinste war gerade ein bis zwei Tage alt, es könnte also auch noch ein Ei im Nest gelegen haben.

Juli: Es blieb bei vier Küken, und schon diese Anzahl war von den Storcheneltern kaum satt zu bekommen. Das Kleinste blieb nach und nach in der Entwicklung zurück, hielt zwar wacker drei Wochen durch, gab dann jedoch auf. Die drei anderen konnten aber erfolgreich aufgezogen werden. Dem Nest und ihrer oberschwäbischen Heimat werden sie bald den Rücken kehren, denn auf geht´s in luftige Gefilde, der Süden lockt.

2016: Die unberingte Ingoldinger Störchin zog im vergangenen Winter zwar aus Ingoldingen ab, im Januar war sie allerdings schon wieder an ihrem Bruthorst. Weit weg kann sie demnach nicht gewesen sein. Auf ihren Gatten musste sie daher auch noch etwas warten, der Schweizer erschien nämlich erst am 17. Februar.
In den letzten März- und ersten Apriltagen wurden die Eier ins Nest gelegt, und Anfang Mai schlüpften die ersten kleinen Küken. Bei der letzten Horstbeobachtung am 17. Mai, also nach den Eisheiligen, wurden erfreulicherweise drei kleine putzmuntere Störche im Horst entdeckt.

Juli: Zum Zeitpunkt des üblen Wetters am 23./24. Mai waren die Ingoldinger Jungstörche gerade drei Wochen alt, befanden sich also, was ihre Größe anbelangt, am Beginn des kritischen Stadiums, in dem sie nicht mehr optimal von den Altstörchen geschützt werden können. Immerhin zwei der drei Jungstörche überlebten jedoch Nässe und Kälte und wurden Gott sei Dank von dem Unwetter, das wenige Tage später über Biberach hereinbrach, verschont. Am 10. Juni erhielten die Beiden ungewöhnlichen Besuch. Nicht Mama oder Papa, sondern ein menschlicher Kopf und ein Körbchen mit Beringungsutensilien erschienen über dem Nest. Was für eine ungebührliche Belästigung! Man musste das rechte Bein ausstrecken und wurde nummeriert, in ein Tuch verpackt an einer Waage in die Luft gehoben und dann wurde einem auch noch im Schnabel rumgepuhlt! Da stellt man sich am besten so, als würde man gar nicht mehr unter den Lebenden weilen, denn wer weiß, was dieser komischen Person sonst noch alles einfällt. Erfreulicherweise war das dann aber doch bald vorbei und Mensch und Körbchen verschwanden auf Nimmerwiedersehen, und dann kamen auch gleich Mama und Papa und klapperten tröstlich. Na, etwas Gutes hatte die Belästigung allerdings doch: in den Schnabel passte, nachdem endlich dieser ganze Dreck verschwunden war, endlich wieder mehr Futter, Guten Appetit.

2015: Die unberingte Brutstörchin hat diesen Winter in Ingoldingen verbracht. Deshalb wissen wir diesmal trotz fehlender Kennzeichnung ziemlich sicher, dass es die letztjährige Störchin ist, die auch dieses Jahr wieder den Ingoldinger Horst besetzt. Ihr Gatte, der Schweizer Storch aus Murimoos, kam am 5. März aus dem Süden zurück.
Mit dem Brutgeschäft begannen sie wieder etwas früher als im Jahr zuvor. Schon seit Ende März sitzen sie abwechselnd auf einem Gelege.

Pünktlich zum 1. Mai knackte es in den Eierschalen, einige Tage später tummelten sich drei Junge im Ingoldinger Mastnest. Noch am 18. Mai waren alle drei zu sehen, dann reckten sich aber auf einmal nur noch zwei Köpfchen in die Höhe. Diese beiden haben allerdings erstmal das Schlimmste überstanden. Ihr Gefieder deckt und wärmt sie jetzt gut, auch zeigten sie sich bei der Beringung am 12. Juni als normalgewichtig und gesund. Jetzt wird fleißig die Flugmuskulatur trainiert, denn schließlich will man ja nicht ewig an das Nest gebunden sein, sondern die luftigen Höhen und die Umgebung erkunden bevor es ab in den Süden geht.

2014: Der erste Storch kehrte am 27. Februar ins Brutdomizil nach Ingoldingen zurück. Er musste nicht lange warten, denn schon zwei Tage später leistete ihm die Partnerin Gesellschaft. Es ist wieder der Schweizer Storch aus Murimoos, jetzt vier Jahre alt und eine unberingte Störchin (also vermutlich dieselbe Konstellation wie im vorigen Jahr). Mit dem Brutgeschäft wurde Anfang April, also drei Wochen früher als letztes Jahr begonnen.

Juni: Anfang Mai war es dann auch schon so weit. Das erste Ei wurde angepickt und bald darauf schlüpfte das erste Junge. Zwei weitere folgten noch. Das Trio hielt sich wacker, auch einen Hagelschauer überstanden alle drei dank der Sorgfalt der Eltern, die die Kleinen liebevoll schützten, ohne Probleme. Wie in vielen anderen Nestern Oberschwabens dieses Jahr waren auch die Ingoldinger Jungstörche bei der Beringung nahezu gleich schwer, so dass kaum festzustellen war, wer denn nun der Erstgeschlüpfte und wer der Letztgeschlüpfte ist.
Auf dem Nest wird jetzt schon fleißig trainiert, und so wird die Jungschar wohl bald zu ihrem ersten Ausflug starten.

Den ersten Flug schafften die Ingoldinger Jungstörche. Die Wetterkapriolen mit Starkregen und Böen machten es ihnen aber nicht leicht. Und so wurde einer der Ingoldinger Jungstörche in Ummendorf geschwächt aufgegriffen und vom dortigen Bauhof ins Vogelschutzzentrum nach Mössingen gebracht. Er erholte sich recht gut und konnte schließlich als perfekter Flieger freigelassen werden. Wahrscheinlich erfreut er sich inzwischen schon der warmen Sonne Südfrankreichs.

2013: Am 2. März erschienen die ersten Störche in Ingoldingen auf dem Nest, zogen dann aber wieder ab. Drei Tage später kam wieder ein Storch, blieb zunächst allein und bekam dann am 9. März Gesellschaft von einer Storchendame. Einer der beiden Störche trug einen Ring, der jedoch nicht abgelesen werden konnte. Die nachfolgenden Paarungen der beiden entlarvten allerdings den Beringten als das Weibchen, es war also nicht das Paar vom letzten Jahr. Mitte März fanden dann auf einmal heftige Kämpfe um den Ingoldinger Horst statt. Beteiligt war ein weiteres Pärchen sowie ein Single-Storch (Roy aus Bad Waldsee?). Und als sich die Lage wieder beruhigte, stand  unser Paar vom letzten Jahr auf dem Horst: der Schweizer Storchenmann aus Murimoos im Aargau und eine Unberingte, dem Verhalten der beiden nach zu schließen, vermutlich dieselbe wie 2012.
Erstmal kehrte Ruhe ein. Dann am 13. April kam auf einmal ein Flamingo angeflogen, der sich erst auf den zweiten Blick als Storch herausstellte. Der Name Weißstorch war für ihn allerdings nicht mehr angebracht, man müsste ihn eher als Pink-Storch bezeichnen. Der rosa gefärbte Storch, seiner Ringnummer nach vor zwei Jahren in Isny geboren, hatte sich zuvor schon zehn Tage lang in Isny aufgehalten und griff jetzt den Ingoldinger Horst an, besetzte ihn sogar eine Stunde lang. Gegen das alteingesessene Paar hatte er jedoch nicht wirklich eine Chance. Kurze Zeit später eroberte das Paar seinen Horst  zurück.
Mit der Brut lassen sich die Ingoldinger allerdings Zeit, lange kann es jedoch nicht mehr dauern.

Juni: Ende April war es schließlich doch soweit. Die ersten Eier waren gelegt, Storch und Störchin setzten sich abwechselnd darauf. Nach gut einem Monat schlüpfte das erste Küken. Die Sonne erblickte es zunächst nicht, es goss in Strömen. Ob dieses Küken die Regengüsse überstand, da es gut von den Eltern abgedeckt werden konnte, oder ob es (und evtl. auch noch ein Geschwister) starb und noch ein weiteres schlüpfte welches überlebte, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Fest steht jedenfalls, dass sich im Ingoldinger Nest mindestens ein kleiner Storch tummelt und sich des Lebens erfreut. Es wäre ja wirklich schön, wenn wir mal wieder ein Junges in Ingoldingen beringen können, denn seit 2005 gab hier es keinen Storchennachwuchs mehr. Auf dem Mast bei der Schule, auf den das damalige Männchen-Paar von der Schiggelmühle umgezogen war, gab es überhaupt noch nie eine erfolgreiche Brut. Entweder besetzten die beiden Männchen das Nest – und diesen beiden war das Glück der Elternschaft erklärlicherweise nicht beschert – oder die Jungen starben schon im Alter von wenigen Wochen. Mal sehen, vielleicht klappt es ja diesmal.

August: Ja, dieses Jahr war die Brut in Ingoldingen tatsächlich erfolgreich! Der kleine Storch erwies sich bei der Beringung im Alter von ca. sechs Wochen zwar als untergewichtig, auch das Gefieder war noch unterentwickelt und zeigte einige typische Hungersymptome, doch hat der Jungstorch seine gefährlichste Nestlingszeit überstanden und bald wird er den Sprung vom Nest wagen. Es wird ja auch langsam Zeit, denn die jungen Adebare sammeln sich schon. Kann sein, dass er den Anschluss an die Jungschar verpasst, denn er muss ja vor dem anstrengenden Zug das Fliegen noch etwas üben. Er wird sich dann den Altstörchen anschließen, die immer etwas später losziehen. Hoffentlich ist das Glück mit ihm, und wir sehen ihn (oder sie) in einigen Jahren in Oberschwaben wieder.

2012: Es ist etwas geschehen, was vermutlich keiner erwartet hatte.
Siggi, der Ältere des Männchen-Paars, der im Jahr 2006 schon einmal in Ingoldingen gebrütet hatte, hat nach nun fünfjähriger gleichgeschlechtlicher Ehe, die von beispielhafter Treue und gemeinsam angezettelten und durchgestandenen Kämpfen geprägt war (siehe Ingoldingen 2007, 2008, 2011, Bad Waldsee 2009, 2010), tatsächlich seinen Partner Roy verlassen. Und zwar tat er sich just mit der Ölkofener Störchin zusammen, deren von ihr allein aufgezogener Jungstorch letztes Jahr durch die üblen Aktivitäten des Männchen-Paars ums Leben kam. Roy blieb zunächst allein und war immer wieder auf dem Ingoldinger Horst zu sehen. Am 21. März erschien dann dort eine junge Störchin (gebürtig in Mühlhofen am Bodensee), die letztes Jahr in Baltringen erstmals mit einem Partner ein Nest besetzt hatte, jedoch nicht brütete. Roy lieferte sich mit der Störchin ständige Kämpfe ums Ingoldinger Nest, und selbst als sie sich ein paar Tage später schließlich dazu entschlossen hatten, es miteinander zu versuchen und sich eifrig paarten, hörten ihre Streitereien nicht auf. Ein dritter Storch machte ihnen aber auf einmal das Leben schwer, und so zogen sie ab nach Bad Waldsee-Steinach, ein Nest, das Roy ja wohl bekannt war. Man darf gespannt sein, was draus werden wird.
Roys Rowdy-Eskapaden sind jedenfalls noch nicht ausgestanden, denn am 7. April – in Ingoldingen ist zwischenzeitlich ein neues Storchenpaar ins Nest an der Schule eingezogen – griff Roy zusammen mit einem anderen Storch (seiner neue Partnerin?) wieder den Ingoldinger Horst an. Das neue Storchenpaar, eine unberingte Storchendame und ein blutjunger Schweizer wehrte die Angreifer jedoch erfolgreich ab. Hoffen wir, dass sie sich durchsetzen und bald von Roy in Ruhe gelassen werden, dann könnte es mal wieder mit einer Brut in Ingoldingen klappen.

Anfang Juni: Es dauerte zwar ein Weilchen bis sich das neue Storchenpaar in Ingoldingen zusammenraufte – ihr Honeymoon wurde ja auch immer mal wieder empfindlich gestört – aber dann um den 25. April war es schließlich soweit. Das erste Ei wurde gelegt und bald wurde gewissenhaft gebrütet. Und tatsächlich regte sich einen Monat später kleines Leben im Ingoldinger Nest. Wieviele Junge es sind, können wir aber noch nicht sagen. Denn die Eltern haben den Nestrand hoch gebaut, der Blick ins Kinderzimmer ist uns verwehrt Bringen wir eben etwas Geduld auf, die Kleinen wachsen ja von Tag zu Tag und werden sich irgendwann nicht mehr verstecken können.

August: Sie hatten doch etwas spät mit der Brut begonnen und waren noch zu unerfahren, die Storcheneltern. Denn Sie brachten ihren Nachwuchs – es waren zwei Küken im Nest – nicht durch. Im Alter von knapp zwei Wochen starb nach Regengüssen das erste der beiden, das zweite folgte etwa eine Woche später dem Schicksal seines Geschwisters. Schon lange gab es keine flüggen Jungstörche mehr in Ingoldingen. Ob die Unberingte und der Schweizer trotz ihres Mißerfolgs wiederkommen und es nächstes Jahr endlich klappen wird?

Fotos: Georg Steinhauser 2011

2011: Tja, irgendwie ist Ingoldingen seit einigen Jahren hinsichtlich der Aufzucht von Jungstörchen etwas vom Pech verfolgt. Das letztjährige Storchenpaar ist nach seinem letztjährigen Brutverlust dieses Frühjahr nicht mehr in Ingoldingen erschienen, aber einer der beiden damals zweijährigen Störche, die im letzten Jahr von dem späteren Brutmännchen vertrieben wurden, und zwar der in Obermarchtal 2008 gebürtige, kam diesen März wieder. Aber auch diesmal wurde er wieder vom Horst gejagt, und zwar von unseren beiden Männchen, mittlerweile bekannt unter den Namen "Siggi" und "Roy". Siggi und Roy war es wohl in Bad Waldsee nun trotz der Publicity mit Nestkamera und Fernsehen zu langweilig, und sie beschlossen zu ihrer ehemaligen Wohnstatt auf dem Mast bei der Schule in Ingoldingen zurückzukehren. Ein paar Tage lang begannen sie auch mit dem Nestbau auf einem ähnlichen Niederspannungsmast in Mochenwangen, zum Bleiben entschlossen sie sich allerdings – zumindest vorläufig – in Ingoldingen.
Also wird es dieses Jahr hier wieder nichts mit Jungstörchen, denn die beiden sind erfahrungsgemäß ziemlich dominant und sind sich auch bei Kämpfen mit anderen Störchen stets einig. Sie werden kaum einem anderen Paar Platz machen.

Juni: Schon längerer Zeit tragen wir uns mit dem Gedanken, Siggi und Roy ein elternlos gewordenes Gelege unterzuschieben, das sie sicherlich ausbrüten würden. Dieses Jahr war es dann tatsächlich soweit. Und wie das Schicksal so spielt, stammt dieses Gelege ausgerechnet aus Bad Waldsee, wo der männliche Altstorch während der Brut auf einmal ncht mehr zum Horst zurückkehrte.
Am 3. Mai fuhren wir den Horst in Bad Waldsee-Steinach an, entnahmen die vier Eier und brachten sie sofort nach Ingoldingen. Eine Viertelstunde, bevor wir die Eier in den Ingoldinger Horst legten, waren die Storchenmänner noch dort gewesen, und es war bei dem herrschenden schlechten Wetter ziemlich sicher, dass sie sich in der Nähe aufhielten. Wir versuchten, sie mit Klangatrappen anzulocken – einen Tag zuvor hatten sie nämlich Zoff mit einem Fremdstorch, das Geklapper hätte sie also, wären sie in der Nähe gewesen, sofort zu ihrem Horst zurücklocken müssen – und suchten sie im Ingoldinger Nahrungsgebiet, um sie dort aufzuscheuchen, aber Fehlanzeige. Wider Erwarten waren sie plötzlich aus Ingoldingen abgezogen (wahrscheinlich, um wieder mal irgendwo Rabbatz zu machen) und erschienen erst zwei Tage später wieder, die Eier kühlten aus. Als sie kamen, betrachteten sie das Gelege zunächst mit Skepsis, dann beschäftigte sich aber der kleinere der beiden (derjenige, der vor Jahren schon einmal in Ingoldingen gebrütet hatte) mit den Eiern, rollte sie hin und her und polsterte das Nest um die Eier aus, während der andere zunächst mit der Situation nicht so recht etwas anzufangen wußte, und ihn auf dem Nestrand umkreiste. Schließlich setzte sich das kleinere Männchen auf das Gelege, und seitdem brüten Beide gewissenhaft. Zwar wird trotz ihres Bemühens aus dem Gelege nichts mehr schlüpfen, jedoch hält das abwechselnde Brüten die beiden Männchen derzeit immerhin von weiteren gemeinsamen Rauftouren ab, und die anderen Brutpaare haben vor ihnen Ruhe.

Neues aus Ingoldingen. Unsere beiden Männchen wurden am 11. Juni von zwei Störchen angegriffen, standen bei der Verteidigung ihres Nestes häufig vom Gelege auf und verließen dieses schließlich. Das Brüten haben sie nun endgültig aufgegeben und sind – leider – wieder auf Tour. Sie flogen am 16. Juni nach Ölkofen, wo sie den mühsam von einer Störchin allein aufgezogenen, fast schon flüggen Jungstorch töteten.

Anfang August: Von den Ingoldingern gibt es (Gott sei Dank!) nix Neues zu berichten.

2010: Es scheint möglicherweise dieses Jahr auch in Ingoldingen mal wieder mit einer Brut zu klappen.
Am 19. März erschien ein einzelner Storch am Nest auf dem Mast bei der Schule, verkrümelte sich allerdings zwei Tage später wieder. Möglicherweise war es der Riedhausener, der sich den Horst schon im letzten Sommer angeschaut hatte (siehe 2009). Dann am 27. März kam ein Pärchen an, zwei blutjunge zweijährige, oberschwäbische Störche aus Ersingen und aus Obermarchtal. Diesen wurde aber der Horst nicht lange gegönnt, denn bei einem Kampf am 28. März wurden sie von einem etwas älteren Storch (es ist tatsächlich der 2006 in Riedhausen Geborene) vertrieben. Die Anwohner ärgerten sich zunächst etwas über diesen Raudi, saß er doch die nächsten Tage ganz allein auf dem Horst und ließ die Hoffnung auf Storchenjunge in Ingoldingen wieder mal schwinden.
Dann endlich am 9. April gesellte sich eine Storchendame zu dem Riedhausener. Zwei Jahre jung ist die Störchin, es ist eine Südbadenerin aus Mundingen-Emmendingen. Man muss sich erstmal richtig kennenlernen, mit der Brut haben sie noch nicht begonnen.

Juni: Ende April war es dann soweit. Die Störche setzten sich abwechselnd auf ein Gelege. Am 26. Mai flogen die ersten Eierschalen aus dem Nest, und am Verhalten der Störche war erkennbar, dass die ersten Jungen geschlüpft sein mussten.
Von Anwohnern wurden bald drei Köpfchen gesichtet. Schon am 4. Juni war jedoch alles vorbei. Einer der Altstörche saß zwar noch schützend im Nest, doch es regte sich nichts mehr. Die nasskalte Witterung in Verbindung mit dem Mangel an Nahrungsgebieten in Horstnähe sowie vermutlich auch die Unerfahrenheit der Störche hatte augenscheinlich die Jungen sehr schnell sterben lassen. Ob sie es nächstes Jahr hier nochmals versuchen werden?

2009: Bisher nix los in Ingoldingen. Das berühmt berüchtigte Schwulenpaar vom letzten Frühjahr ist letzten Mai nach Bad Waldsee umgezogen und hat dieses Jahr wieder den dortigen Horst besetzt. Ein anderes Storchenpaar ist in Ingoldingen bisher nicht eingetroffen. Lediglich Einzelstörche waren mal kurzzeitig da, vermutlich gefiel ihnen der Platz jedoch nicht sonderlich, was daran liegen mag, dass seit letztem Jahr ein Hundezwinger in nächster Nähe des Nestes existiert.
Juni: Nichts Neues aus Ingoldingen.

Juli: Doch was Neues aus Ingoldingen! Seit ungefähr 10. Juni schaut sich ein drei Jahre alter Oberschwabe aus Riedhausen in Ingoldingen um.  Drei Wochen trieb er sich regelmäßig im Ort herum, mal auf dem Horst der Schiggenmühle, mal auf dem Mastnest bei der Schule, und auch jetzt ist er noch ab und zu in der Gegend zu sehen. Ob er nächstes Jahr zu einer Brut wiederkommt und für welchen Horst er sich dann entscheiden wird?

2008: Die Ingoldinger Störche haben sich nun doch endgültig für das Nest auf dem Niederspannungsmast auf der Anhöhe bei der Kirche entschieden. 
Nachwuchs wird's aber wohl wieder nicht geben. Denn der Verdacht, dass es sich bei dem Paar um zwei Männchen handelt, verdichtet sich mehr und mehr. Sehr zärtlich sind sie zueinander und es wird auch eifrig am Nest und seiner Auspolsterung gebaut, doch ist bisher kein Ei gelegt worden. Wie im letzten Jahr sehen die Paarungen nicht gerade erfolgreich aus, und beim Aufsitzen wechseln sie sich regelmäßig ab. Wie das wohl weitergeht?
Die Begebenheit bestätigt, dass es auch im Tierreich durchaus Homo- und auch Bisexualität gibt. Einer der Beiden war nämlich vor zwei Jahren mit einer Störchin zusammen und hatte mit dieser ein Junges.


Juni: Mitte Mai entschloss sich das gleichgeschlechtliche Ingoldinger Paar zu einer Luftveränderung und visierte den Kurort Bad Waldsee an. Sie verließen gemeinsam den Horst in Ingoldingen und vertrieben die seit dem Tod ihres Männchens allein gebliebene Störchin "Antonia" aus ihrem Horst in Bad Waldsee-Steinach, auf dem sie sich daraufhin häuslich niederließen.
Bemerkenswert: Storchenpaare ziehen in Oberschwaben selten gemeinsam um. Die Liebe oder zumindest Treue zwischen diesen beiden Männchen scheint größer zu sein als es zwischen verschiedengeschlechtlichen Paaren üblich ist.

2007: Merkwürdiges trägt sich dieses Jahr auch in Ingoldingen zu. Das in Unlingen im Jahr 2001 geborene Männchen ist dem Ingoldinger Horst treu geblieben, nicht aber seine Angetraute. Vielleicht war es ihre Unzufriedenheit mit dem letztjährigen Bruterfolg in Ingoldingen – das einzige geschlüpfte Junge kam um –, die Schweizer Störchin zog es jedenfalls vor, dieses Frühjahr nach Ummendorf umzuziehen (wo ihr Gelege dieses Jahr allerdings von der angestammten Ummendorfer Störchin zerstört wurde).
Ein neuer Storch, vor zwei Jahren am Bodensee geboren, nahm den Platz der Schweizerin im Ingoldinger Horst ein. Aber irgendwie scheint es nicht zu klappen. Denn schließlich sind sie schon sechs Wochen da, und von Brutwilligkeit keine Spur. Die beiden können sich möglicherweise nicht entschließen, auf der Scheune der Schiggenmühle zu bleiben, denn sie interessieren sich auch sehr für einen Niederspannungsmast auf der Anhöhe bei der Kirche, ein hinsichtlich der Aufwinde und des Blicks zum Nahrungsgebiet sicherlich recht reizvoller Brutort. Möglich ist aber auch, dass der neue Storch noch nicht geschlechtsreif, oder aber – ein Männchen ist, denn er ist für sein Alter ziemlich groß. Die beobachteten Paarungen sehen jedenfalls nicht erfolgreich aus, und nicht immer ist das angestammte Ingoldinger Männchen der Aufsitzer!

(Von der Böhringer Storchenkolonie ist ein Schwulenpaar bekannt, das schon jahrelang zusammen ist und sich zur Brutzeit ähnlich verhält wie die benachbarten Storchenpaare – also abwechselnd auf imaginären Eiern sitzt –, jedoch tatsächlich noch nie ein einziges Ei gelegt hat).

Juni: Nichts Neues aus Ingoldingen. Keine Brut in diesem Jahr.

2006: Vermutlich zum erstenmal wird der Ingoldinger Horst dieses Jahr von Weststörchen besiedelt. Während sonst die Störche hier immer ziemlich spät ankommen, besetzten heuer schon im März zwei Störche das Nest. Das Männchen stammt aus Unlingen und ist fünf Jahre alt, das Weibchen ist eine Schweizerin.
Am 6. April kam dann jedoch ein Unberingter - vermutlich einer der beiden letztjährigen Ingoldinger Brutstörche - am Nest an. Er fand es besetzt und zettelte einen heftigen Kampf an, der vom Mittag bis zum Abend dauerte und bei dem er anbetrachts der Übermacht von zwei Störchen den Kürzeren zog. Er blutete am Hals und schlidderte mehrmals auf dem Scheunendach abwärts, zog sich jedoch beruhigenderweise keine lebensgefährlichen Verletzungen zu. Am nächsten Morgen war er verschwunden. Ca. eine Woche später kam nochmals ein Storch, kreiste über dem Horst und zog dann ab; ob es der letztjährige Partner war?
Seit Mitte April, für Ingoldingen ein recht früher Bruttermin, sitzt das neue Paar nun auf seinen Eiern.

Juni: Schlechte Nachrichten aus Ingoldingen: Mitte Mai schlüpfte in Ingoldingen ein Küken und auch dieses hat nicht überlebt. Es starb Anfang Juni gegen Ende der in diesem Jahr besonders hartnäckigen Kälte- und Regenperiode. Die Altstörche sind jedoch noch auf den Wiesen um Ingoldingen zu sehen und werden vermutlich nächstes Jahr wieder hier brüten.

Ende Juni gab es nochmals einige Aufregung in Ingoldingen. Man vermutete, ein zweites Storchenpaar wolle sich in Ingoldingen niederlassen, denn Störche bauten ein Nest auf einem Niederspannungsmast bei der Schule. Nachforschungen ergaben dann jedoch, dass es sich um das angestammte Paar der Schiggenmühle (das nach Aussagen von Ingoldinger Bürgern infolge des Verlusts ihrer Jungen angeblich abgezogen war) handelte, bei dem – sicher auch aus Langeweile – der Bautrieb wieder einsetzte. Ähnliches wurde letztes Jahr ja auch in Bad Waldsee beobachtet, als die dortigen Altstörche nach Ausflug der Jungstörche und damit Enthebung ihrer elterlichen Pflichten auf einem Haus gegenüber des Brauereikamin-Nestes einen Zweithorst errichteten. Es ist jedoch nicht anzunehmen, dass die Ingoldinger Störche auf den Mast umziehen werden, denn das Nest dort wurde nicht bezugsfertig gebaut.

2005: Zwar wird seit Anfang April immer mal wieder ein Einzelstorch auf dem frisch hergerichteten Ingoldinger Horst gesichtet, von denen einer Mitte April sogar zwei Tage blieb, aber zu einer Brut gehören eben zwei. Und wenn eine Partnerin ausbleibt, schaut man sich halt mal woanders um.
Es sind jedoch immer noch nicht alle Störche angekommen, und so kann es durchaus sein, dass es in Ingoldingen vielleicht doch noch klappt.

Juni: Tatsächlich hat sich doch noch ein Storchenpaar für den Ingoldinger Horst entschieden. Ende April ließ sich ein unberingtes Männchen auf dem Horst nieder und erhielt pünktlich zum 1. Mai Besuch von einer (ebenfalls unberingten) Storchendame. Man fand Gefallen aneinander und so wurde ab ca. 10. Mai gebrütet. Am 13. Juni wurden zwei frisch geschlüpfte bzw. wenige Tage alte Junge im Nest entdeckt, da die Altstörche jedoch noch Eier umwendeten, werden es wohl noch mehr werden.

August: Nein, es ist bei den zwei Jungen geblieben, in Anbetracht der Tradition der letzten Jahre (es schlüpfte in Ingoldingen jeweils immer nur ein einziges Küken) immerhin eine Steigerung auf die doppelte Jungenzahl. Beide wurden am 15. Juli als letzte aller Störche Oberschwabens beringt. Sie sind putzmunter, allerdings sollten sie sich nun mit dem Erwachsenwerden etwas beeilen, denn die Zugzeit naht.

2004: Für den Horst auf der Scheune der Schiggenmühle können sich dieses Jahr bisher die Störche nicht so richtig entscheiden. Zwar besuchte am 17. März ein Storch (möglicherweise das Weibchen vom letzten Jahr) das Nest, verschwand aber bald darauf wieder, um am 23. März mit einem Partner zurückzukommen. Die beiden waren jedoch recht unstet und verließen schließlich wieder die Schiggenmühle. Am 29. März erschien wiederum ein Einzelstorch und konnte diesmal als die Störchin vom letzten Jahr identifiziert werden. Sie blieb ungefähr 10 Tage lang, entschloss sich jedoch auf einmal, nach Ummendorf umzuziehen – vielleicht weil ihr Angebeteter den Ummendorfer Horst vorzog? In Ummendorf brütet sie jetzt auf jeden Fall mit einem unberingten Storchenmann, möglicherweise ebenfalls das letztjährige Ingoldinger Männchen.
Das letzte Wort ist in Ingoldingen allerdings noch nicht gesprochen. Wer weiß, vielleicht beziehen ja die Ummendorfer Störche, wenn sie ihren Horst besetzt vorfinden, das Ingoldinger Nest?
Traurige Nachrichten gibt es übrigens über den letztjährigen Ingoldinger Jungstorch: er verunglückte Mitte August bei seinem ersten Wegzug an einer Freileitung.
Mittlerweile ist es Mitte Mai, und es gibt es nichts Neues aus Ingoldingen. Es lässt sich zwar immer mal wieder ein Einzelstorch blicken, doch der Horst scheint dieses Jahr unbesetzt zu bleiben.

Juli: Nichts Neues aus Ingoldingen. Der Horst blieb dieses Jahr verwaist.

2003: Auf einer Scheune der Schiggenmühle bei Ingoldingen brütet dieses Jahr auch wieder ein Storchenpaar. Wie das Paar vor zwei Jahren sind auch diese Störche vermutlich Ostzieher, denn sie kamen erst recht spät – gegen Mitte April – am Horst an. Das Weibchen ist drei Jahre alt und stammt aus Freiburg-St. Georgen, das Männchen ist unberingt.
Schon in den Jahren 2000 und 2001 brütete hier ein unberingtes und vermutlich über die Ostroute ziehendes Wildstorchpaar, 2002 kam dann nur einer der Störche aus Afrika zurück und pendelte auf der Suche nach einem Partner zwischen Ummendorf und Ingoldingen hin und her. Das diesjährige unberingte Männchen scheint jedoch ein anderes zu sein, da es sich deutlich anders verhält als das der vorigen Jahre.
Die diesjährigen Störche begannen um den 20. April mit der Brut. 32 Tage später schlüpfte ein einzelnes Junges, das am 30. Juni beringt wurde.

2003

 

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