Die Störche Oberschwabens



Meßkirch

Messkirch



2017: Auf dem Rathaus in Meßkirch hat es ziemliche Verwirrung und auch einen Wechsel gegeben. Das in Ostrach-Wangen gebürtige Männchen, welches jahrelang auf dem Rathaus brütete und auch bei Meßkirch den Winter verbrachte, ist spurlos verschwunden. Am 2. März wurde ein Kampf auf dem Rathaus beobachtet. Wurde das angestammte Brutmännchen bei diesem Kampf vertrieben?
Am 3. März wurde der Storch der Schnerkinger Straße auf dem Rathausnest beobachtet, vermutlich war er jedoch nicht der Anstifter des Kampfes. Er blieb auch nicht auf dem Rathaus, sondern kehrte nach kurzer Zeit auf seinen eigenen Horst in der Schnerkinger Straße zurück. Auf dem Rathaus gesellte sich stattdessen zu der unberingten Storchendame (vermutlich die Störchin der letzten Jahre) ein ebenfalls unberingter Storchenherr und diese beiden gründeten die neue Familie. Um den 20. März lag das erste Ei im Nest, und am 23. April wurde zum erstenmal eine Fütterung beobachtet. Den Wintereinbruch Ende April überlebten mindestens zwei der kleinen Störche. Die Nestkuhle ist allerdings schlecht einsehbar und wahrscheinlich leben sogar noch mehr.

Ganz in der Nähe des Rathauses hat sich auf dem Kamin eines gelben Hauses in der Innenstadt ein weiteres Storchenpaar niedergelassen. Ein Adebar von der Baar, gebürtig 2015 in Unterbaldingen (Landkreis Villingen-Schwenningen), gründet zusammen mit einer unberingten auf dem Kamin den dritten Meßkircher Storchenhorst. Anfang Mai zeigten sich noch keine Brutabsichten. Bis Mitte Mai hätte das Paar dazu noch Zeit. Mal sehen, was daraus wird. Vielleicht wollen die Jungspunds den honeymoon  aber auch noch etwas genießen, schließlich hat man schon mal den Brutplatz, und das ist die sozusagen die halbe Miete. Mit der Familiengründung kann man ja auch noch bis zur nächsten Saison warten.

Und was macht unser Paar in der Schnerkinger Straße?
Die kennen sich ja schon vom letzten Jahr. Es macht zumindest den Eindruck (die unberingte Störchin, die deshalb eigentlich nicht eindeutig identifizierbar ist, fremdelt gegenüber dem Frickinger kein bißchen, also ist es wohl dieselbe). Gebrütet wurde daher schon ziemlich früh: Das erste Ei lag bereits Mitte März im Nest, und am 2. Mai wurden wie schon am 24. April tatsächlich vier putzmuntere Störchlein in der Nestkuhle entdeckt. Und das trotz des beinahe dreitägigen Wintereinbruchs mit Schnee und Eiseskälte und des letzten Apriltages, an dem es ununterbrochen (wenn auch nicht sehr stark) regnete und immer noch ungemütlich kalt war. Na, das Wetter soll ja jetzt besser werden. Die Chancen des Quartetts stehen damit nicht schlecht.

Juli:

Auf dem Meßkircher Rathaus haben es dieses Jahr tatsächlich drei Jungstörche geschafft. Zwar war der Kleinste des Trios bei der Beringung etwas schmächtig – er wog weniger als zwei Kilogramm –, doch auch er überstand seine kritische Nestlingszeit und wird, sofern bei seinen ersten Ausflügen kein Unglück passiert, die Reise in den Süden antreten können.

Das Jungstorch-Quartett der Schnerkinger Straße ist ebenfalls gut drauf. Mittlerweile sind die Youngsters fast zwölf Wochen alt und leisten ihren Eltern auf den umliegenden Wiesen Gesellschaft. Meßkircher Mäuse haben es gerade nicht leicht, wer sich nicht rechtzeitig versteckt, ist schnell im Schlund eines Storchs verschwunden.

Das Paar auf dem Kamin des gelben Hauses hat übrigens dieses Jahr nicht mehr mit einer Brut begonnen. Warum soll man auch eine solche Hast vorlegen? Schließlich ist nächstes Jahr auch noch Zeit.

2016: Im Nest auf dem Rathaus, in dem nach mehreren Jahren Brutverlust letztes Jahr endlich drei Jungstörche erfolgreich ausflogen, klappt es dieses Jahr wieder nicht. Besetzt ist es wieder vom selben Brutpaar, das jedoch dieses Frühjahr geraume Zeit erfolglos auf seinem Gelege saß. Es wollte einfach nichts daraus schlüpfen. Mittlerweile haben sie die Bebrütung aufgegeben. Für ein Nachgelege ist es allerdings zu spät.
Der aus Hasenweiler stammende Brutstorch, der es letztes Jahr zuerst wieder auf dem Kirchenkamin versuchte und dann in der Schnerkinger Straße seine Jungen bekam, kehrte zwar auch nach Meßkirch zurück, landete aber wieder auf dem alten Mast (der leider erst ein paar Tage später abgebaut wurde) und stellte verdutzt fest, dass dieser mit einer Abweiserhaube versehen war, auf dem kein einziger Ast Halt fand.  Das Nest war nämlich auf einen Mast auf der anderen Seite der Firma verlegt worden (abseits der Parkplätze), der alte Mast wurde leider zu spät, nämlich wenige Tage nach seiner Ankunft, abgebaut. Der Hasenweiler stellte offensichtlich fest, dass er in Messkirch somit nicht erwünscht war, und zog auf Nimmerwiedersehen ab.  Schade, denn es handelte sich um einen wirklich fähigen Brutstorch.
Mitte März erschienen dann aber andere Adebare, die sich für das versetzte Nest interessierten: er aus Frickingen, vier Jahre alt, sie ohne Ring, demnach Herkunft und Alter unbekannt. Ende April schlüpften insgesamt drei Junge. Die nasskalten Tage der Eisheiligen an Pfingsten überlebte jedoch nur ein Einziger. Dieser hat jetzt allerdings gute Chancen, da er die ganze Fürsorge seiner Eltern für sich alleine beanspruchen kann.

Juli: Wie zu erwarten, kam der nun als Einzelkind aufwachsende Jungstorch in der Schnerkinger Straße gut über die Runden. Am 6. Juni erhielt er im Alter von sechs Wochen seine "Kennkarte", den schwarzen Kunststoff-Ring mit persönlicher weißer Nummer und brachte zu diesem Zeitpunkt etwas mehr als drei Kilogramm auf die Waage. Die Kinderstube hat er inzwischen verlassen, das Nest dient ihm inzwischen hauptsächlich als Nachtquartier. Auch mit seinen Eltern wird er nicht mehr lange zusammen sein, denn schon etwa in einem Monat geht es zusammen mit anderen  Jungstörchen Oberschwabens auf die große Reise in den Süden.

2015: Das Paar auf dem Rathaus möchte es trotz des wiederholten Brutverlustes nochmals versuchen. Ungefähr zum selben Zeitpunkt wie letztes Jahr, um den 22. März, begannen die Störche auf dem Rathauskamin mit der Brut.

Der aus Hasenweiler stammende Storch, der im letzten Jahr auf dem Kamin der Kirche brütete, hatte es allerdings in diesem Frühjahr sehr schwer. Sein Nest musste wegen der Kirchenbeheizung entfernt werden, auf dem Kamin wurde ein abweisendes Spitzdach installiert. Der Vorschlag, das Nest auf dem Schloss, das in seiner derzeitigen Position vermutlich wegen der schlechten Anflugmöglichkeiten den Störchen nicht gefällt, auf den anderen Schlossflügel zu versetzen und es somit dem Paar der Kirche als Ersatz anzubieten, wurde leider nicht verwirklicht. Hartnäckig, wie Störche nun mal sind, versuchte der aus dem Winterquartier zurückgekehrte Hasenweiler trotz des Spitzdachs wieder sein Nest auf dem Kamin der Kirche zu bauen, was der Hausmeister der Kirche jedoch mit allen Mitteln über die Dachluke zu verhindern suchte. Irgendwann wurde es dem Storch dann doch zuviel, und er zog in die Schnerkinger Straße um, wo er sich ein Nest auf einem Niederspannungsmast baute. Mittlerweile hat er auch eine Partnerin gefunden, und seinem Glück steht jetzt erstmal nichts mehr im Wege.

Juli: Auf dem Rathaus war die Brut diesmal ein voller Erfolg. Drei Junge wuchsen auf und erwiesen sich bei der Beringung fast schon als Schwergewichte. Ob es anfangs mehr waren, kann nicht gesagt werden, da das Nest zur Schlupfzeit und auch noch zwei Wochen danach eine tiefe Kuhle hatte und folglich nur schlecht einsehbar war. Der gute Ernährungszustand des Trios weist allerdings daraufhin, dass von Anfang an nur diese drei kleinen Störche zu versorgen waren. Bald sind sie erwachsen, verlassen ihr Nest und ihre Eltern endgültig und schließen sich den Jungstorch-Trupps an, denn der sonnige Süden lockt (auch wenn's bei uns eigentlich gerade heiß genug ist, aber vielleicht fliegt man ja auch zur Abkühlung dorthin?)

Die kleinen Störche der Schnerkinger Straße brauchen dagegen noch ein Weilchen, denn sie pellten sich erst in der letzten Maiwoche aus den Eierschalen. Anfangs waren sie zu viert, am 10. Juni wurden allerdings nur noch drei Junge im Nest gesehen. Die Jungschar war – vermutlich infolge des späten Bruttermins und der anfänglich größeren Jungenzahl – nicht so gut beieinander wie die Rathausstörche. Vor allem der Kleinste erwies sich bei der Beringung als deutlich unterentwickelt und wog nur zwei Kilogramm. Er hat seine kritische Nestlingszeit noch nicht ganz hinter sich. Hoffen wir, dass er die derzeitige Hitzewelle gut übersteht.

2014: In Meßkirch tut sich was! Unser Storchenpaar auf dem Rathauskamin, übrigens wieder das selbe Paar wie im letzten Jahr, hat Gesellschaft von einem zweiten Paar bekommen: Ein Storch aus Hasenweiler, der zunächst im benachbarten Menningen Fuß zu fassen suchte, dann aber vom dortigen Nestinhaber verjagt wurde, baute sich zusammen mit einer Störchin von der Baar (in Tuningen 2011 geboren) zur Verwunderung der Meßkircher Bürger kurzerhand einen Horst auf dem Kamin der katholischen Kirche. Die Zusatzheizung der Kirche musste daraufhin abgestellt werden, das Karfreitags-Rätschen – üblicherweise auf der direkt oberhalb des Nestes befindlichen Balustrade des Kirchtrums abgehalten – musste in die Innenstadt verlegt werden.
In beiden Horsten wird nun gewissenhaft gebrütet. Auf dem Rathaus sitzt man schon seit Beginn der dritten Märzdekade auf den Eiern, auf der Kirche begann man Mitte April mit dem Brutgeschäft.

Juni: Um den 25. April schlüpften in Meßkirch die ersten kleinen Störche auf dem Rathaus. Zunächst war nicht auszumachen, wie viele es waren. Schon eine Woche später war es mit der Elternfreude jedoch vorbei, die Jungen waren nicht mehr am Leben. Die Ursache für ihren Tod ist unklar, möglicherweise lag es auch am Unvermögen der Altstörche. Es war zu dieser Zeit zwar etwas regnerisch, doch da die Jungen noch klein waren, hätten sie eigentlich gut von ihren Eltern vor der Nässe geschützt werden können, was jedoch anscheinend nicht geschehen ist. Später holte man vier tote Junge aus dem Nest, von denen der eine schon kurz nach dem Schlupf gestorben sein muss.
Auf der Kirche pellten sich die Küken um Mitte Mai aus den Eiern. Spät mit der Brut beginnende Störche haben in der Regel kleinere Gelege und bekommen weniger Junge als die Frühbrüter, denn sie haben weniger Zeit, die Jungen groß zu ziehen. Entsprechend gab es auf der Kirche nur zwei Junge, die dafür problemlos groß wurden. Mit einer Spezial-Hebebühne – es musste über den 26 m hohen Kirchenschiff-First zum Kamin auf der anderen Seite des Daches gefahren werden, und der Korb erreichte beim zweiten Versuch das Nest gerade so ziemlich knapp –, konnte man den beiden Jungstörchen am 27. Juni doch noch einen Ring verpassen und nach ihrem Befinden sehen. Es war alles in Ordnung. Das Nest muss allerdings im Herbst verlegt werden, zum einen im Hinblick auf die Beheizbarkeit der Kirche, zum anderen wegen der Begehbarkeit des Kirchturms und der schlechten Zugänglichkeit. Hoffen wir, dass die Altstörche den Umzug mitmachen. 
Sehr interessant ist übrigens der Wiederfund eines im Jahr 2012 in Meßkirch geborenen und beringten Weißstorchs: Er wurde im Juni diesen Jahres – leider tot – in Kenia aufgefunden, also auf der Route der Ostzieher. Er muss also bei seinem ersten Wegzug in einen Ostzieher-Trupp geraten und mit diesen mitgezogen sein, anstatt die ihm angeborene Westroute nach Spanien und Westafrika zu nehmen. So etwas kommt immer wieder mal vor (siehe auch Brutmännchen von Ablach: nach seiner Ankunftszeit bei uns im Frühjahr zu schließen mit Sicherheit ein Westzieher, bei seinem ersten Zug jedoch aus Polen gemeldet).

Der erste Ausflug ist für die Jungstörche eine Herausforderung und endet nicht immer gut. Ob es tatsächlich bei seinem ersten Ausflug passiert ist, oder er aus Versehen vom Nest abgetrieben wurde, wissen wir nicht, jedenfalls lag am 31. Juli einer der beiden Meßkircher Jungstörche tot im Pfarrgarten unterhalb des Horstes. Da kein Unwetter vorausgegangen war und der Absturz daher nicht ohne Weiteres zu erklären ist, wurde der Storch vorsorglich zur Untersuchung in die Vogelschutzstation nach Mössingen gebracht. Ein Ergebnis wurde bisher noch nicht mitgeteilt.

2013: Unser in Meßkirch und Umgebung überwinternder Storchenmann erhielt am 1. März Besuch von einer Storchendame, die jedoch nicht seine Gattin war. Es handelte sich um eine waschechte Oberschwäbin, die 2011 in Griesingen das Licht der Welt erblickte. Am 20. März war allerdings der Honeymoon der jungen Störchin zusammen mit dem Meßkircher erstmal vorbei, denn die Angetraute erschien und jagte sie vom Nest. Die Oberschwäbin verzog sich daraufhin in einen Ort am Pfrunger-Burgweiler Ried, wo das Nest noch leer stand, weil seine Störche 2012 nach Denkingen abgewandert waren, nämlich nach Spöck, wo sie sich mittlerweile neu vermählt hat. 
In Meßkirch ist nun also alles wieder beim Alten. Bei Storchens ist Fremdgehen ja nichts Ungewöhnliches, und lange Vorhaltungen wird ihm die Gattin wohl deshalb nicht geklappert haben. Man vertrug sich schnell wieder, legte in den ersten Apriltagen die Eier und begann mit der Brut.

Juni: Es war wieder eine reiche Kinderschar, die sich Mitte Mai, als die Familie schließlich komplett war, im Meßkircher Nest tummelte. Vier Störchlein streckten ihren Eltern die Schnäbel entgegen. Auch nach den nassen und zum Teil eiskalten Tagen zwischen dem 22. und 26. Mai war das Quartett noch vollzählig im Horst zu sehen. Dann kam es allerdings so schlimm, dass auch Tapferkeit nichts mehr half. Es regnete und schüttete ohne Unterlass, und die Eltern konnten den nun schon dreiwöchigen Störchlein nicht mehr genügend Schutz bieten. Am 1. Juni waren alle tot.
So bleibt uns nur die Hoffnung auf ein nächstes Jahr.

2012: Also, viele würden im Winter ja den sonnigen Süden der eisigen Kälte Mitteleuropas vorziehen. Nicht so der Meßkircher Storchenmann. Er entschoss sich aller Kälte zum Trotz in Meßkirch zu bleiben.
Ende Februar erschien dann wieder seine Angetraute, die Dame, die keinen Ring trägt. Vereint baute man am Nest, genoss die Sonnenstrahlen auf dem Rathaus, paarte sich, und noch vor dem 20. März lagen dann auch schon die ersten Eier im Nest. Wieviele kleine Störche es dieses Jahr in Meßkirch geben wird?

Anfang Juni: Gemäß dem frühen Brutbeginn waren die Meßkircher Küken auch unter den ersten in Oberschwaben, die sich aus ihren Eiern pellten. Wochenlang sah man vom nahen Hügel aus immer drei Köpfchen. Das Erstaunen und natürlich auch die Freude war daher groß, als bei der Beringung am 25. Mai auf einmal noch ein vierter kleiner Storch im Nest entdeckt wurde. Das Nesthäkchen ist zwar noch etwas schmächtig, hat aber durchaus Chancen aufzuholen. Hoffen wir, dass alle vier den Ausflug schaffen.

August: Sie haben es tatsächlich geschafft. Am 25. Juni startete der erste der Vierer-Bande vom Rathaus-Nest und landete auf dem Dach. Das war's dann aber erstmal, denn jetzt verließ ihn auf einmal der Mut. Am nächsten Tag stand er immer noch dort. Schließlich rückte die Feuerwehr an, um den Halbstarken vom Dach zu holen. Und siehe da: Nichts wie weg, dachte er und plötzlich klappte es mit dem Fliegen!
Bald heißt es Abschied nehmen von den Eltern und vom süddeutschen Ländle. Andere Störche werden vorüberziehen, und die Meßkircher Jungschar wird sich ihnen anschließen.

2011: Neue Saison, neuer Versuch. Das in Ostrach-Wangen gebürtige Männchen hat sich vom letztjährigen Desaster in Messkirch nicht abschrecken lassen und ist wiedergekommen. Seine letztjährige Gattin, die Schweizerin, hatte aber von den schwäbischen Raudis wohl die Nase voll und ließ sich dieses Frühjahr nicht mehr blicken, auch an anderen Orten Oberschwabens ist sie bis jetzt nicht aufgetaucht. Neues Frühjahr, neues Glück, der Storchenmann hat sich eben wieder neu vermählt. Über seine Angetraute weiß man allerdings nichts, denn sie trägt keine Kennzeichnung. Möglicherweise stammt sie aus dem Elsass, wo nicht alle Jungstörche beringt werden.
Die beiden verstanden sich bald recht gut, und so konnten sie schon in den letzten Märztagen erste Eier bebrüten.

Juni: Ende April gab es Bewegung im Messkircher Nest, die ersten beiden Jungen schlüpften. Im Abstand von wenigen Tagen folgten noch zwei weitere. Wie in vielen anderen Weißstorch-Horsten Oberschwabens starb auch hier das Nesthäkchen, während die übrigen Jungstörche ihre ersten Lebenswochen gut überstanden. Sie zeigten sich bei der Beringung am 8. Juni gut genährt und brachten zwischen 2,95 und 3,25 kg auf die Waage. Von den beiden Männchen, die letztes Jahr das Nest angriffen und für den Tod der Jungen verantwortlich waren, haben sie dieses Jahr nichts zu befürchten, denn diese sind derzeit mit der Bebrütung eines untergeschobenen Geleges beschäftigt (siehe Ingoldingen und Bad Waldsee).

Anfang August: Der Messkircher Nachwuchs wagte sich erstmals am 9. Juli vom Nest. Für einen der Jungstörche endete der erste Flug allerdings jäh an einer Hauswand. Er landete benommen in der Innenstadt, wo er aufgegriffen und zu einem Tierarzt gebracht wurde. Sein Glück im Unglück: Er hatte nichts gebrochen und sich auch sonst nicht ernsthaft verletzt. Nachdem man ihn etwas aufgepäppelt und gut mit Wasser versorgt hatte, flog er drei Tage später wieder los. Eine Woche danach wurde dann am Abend aus Rohrdorf ein Storch gemeldet, der auf den Wegen zwischen den Getreide- und Maisfeldern herumlief und anscheinend nicht richtig fliegen konnte. Als man ihn eine Stunde später einfangen wollte, war er allerdings verschwunden. Vier Tage später tauchte er in der selben Gegend wieder auf; hatte er sich die ganze Zeit dort aufgehalten, sich in den Maisfeldern versteckt? Diesmal konnten wir ihn fangen und ihn ebenfalls als einen der Messkircher Jungstörche identifizieren. Der Vogel wurde nach Salem gebracht, wo man ihn tierärztlich untersuchte und erfreulicherweise keine Schäden feststellte. Er hatte wohl einfach den Anschluss an die Familie verloren, noch zu wenig Nahrung für sich selbst gefunden und deshalb etwas geschwächelt. Nach ein paar Tagen der Fürsorge am Affenberg konnte er fliegen, und man ließ ihn frei.

2010: Am 17. März kam der erste Storch in Messkirch an. Es war nicht das letztjährige Brutmännchen (ein Unberingter), sondern ein zweijähriger Oberschwabe aus Ostrach-Wangen. Einen Tag später gesellte sich ein Weibchen zu ihm. Auch dieses war nicht die letztjährige Brutstörchin (die 16-jährige Deisendorferin mit einem Metallring am rechten Bein), sondern eine Störchin mit schwarzem Ring. Der Ring war jedoch so verschmutzt, dass die letzten beiden Ziffern nicht zweifelsfrei abgelesen werden konnten, es handelte sich jedoch um eine Störchin aus dem süddeutschen Raum.
Ob die beiden vorjährigen Messkircher zu spät kamen oder erst überhaupt nicht in Messkirch aufgetaucht sind, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Am 26. März waren jedenfalls drei weitere Störche am Nest auf dem Rathaus und zettelten heftige Kämpfe an. Unser Messkircher Paar könnte dabeigewesen sein, den Kampf aber verloren haben, denn die Angreifer waren vermutlich erst frisch angekommen und noch vom Zug erschöpft. Ein Unberingter hat noch am gleichen Tag ein neues Nest in Krauchenwies besetzt, ob es unser Messkircher Brutmännchen ist? Die Dame aus Deisendorf wurde allerdings auch danach nirgendwo gesichtet. Fest steht, dass bei den drei einfallenden Störchen auch eine Schweizerin dabeigewesen sein muss, die bei den Kämpfen am 26. März in Messkirch das Rennen machte. Denn sie war von da an mit dem Ostrach-Wangener zusammen und bebrütet nun seit Anfang April mit ihm ein Gelege.

Juni: Um den 10. Mai schlüpften aus dem Gelege die ersten Storchenküken. Insgesamt wurden es drei. Die ersten Tage in Nässe und Kälte überstanden sie dank des Schutzes der Eltern ohne größere Probleme und alles ging gut bis zum 29. Mai, als sich ein Drama anbahnte:
Dem Bad Waldseer jungenlosen Schwulenpaar fiel es auf einmal ein, sich die Langeweile durch einen Horstumzug zu vertreiben (genauso wie vor zwei Jahren, als sie von Ingoldingen nach Bad Waldsee umzogen und die dortige verwitwete Brutstörchin "Antonia" vertrieben). Und sie suchten sich ausgerechnet den so ziemlich am weitesten von Bad Waldsee entfernten Horst dazu aus, nämlich den Horst von Messkirch. Am Nachmittag des 29. Mai erschienen sie dort zusammen mit einem dritten, wahrscheinlich Halbstarken und begannen, den Horst anzugreifen. Die Elternstörche von Messkirch mussten gemeinsam ihren Horst und ihre Jungen verteidigen, an Futtersuche war nicht mehr zu denken. Unglücklicherweise wurde auch noch das Wetter schlecht und es regnete teilweise in Strömen. Am folgenden Morgen setzte sich die Belagerung durch die beiden Bad Waldseer fort. Gegen 11 Uhr machte einer der Messkircher Altstörche einen letzten verzweifelten Versuch, die beiden Eindringlinge, die sich auf der benachbarten Sirene niedergelassen hatten, zu vertreiben, und jagte sie über die Dächer der Stadt, um dann endlich ins Nahrungsgebiet zu fliegen. Denn seine Jungen – bzw. die, die noch lebten (gesehen wurde zu diesem Zeitpunkt nur noch ein einziges) brauchten dringend Futter. Der zweite Altstorch blieb zur Bewachung zurück. Die beiden Waldseer kamen jedoch wieder, stellten sich wieder auf ihren Platz und ruhten sich einige Minuten aus. Dann griffen sie massiv den bewachenden, nun allein verteidigenden Messkircher Altstorch auf dem Nest an. Bei diesem heftigen Kampf ging es drunter und drüber, sodass Einzelheiten nicht zu erkennen waren. Jedenfalls verließen schließlich drei Störche das Nest, und zwei kamen wieder zurück. Es waren nicht die Messkircher! Die Waldseer hatten demnach entgültig den Horst erobert, vom Jungstorch, der sich zuvor noch im Nest bewegt hatte, war nichts mehr zu sehen. Wahrscheinlich war er beim Kampf getötet oder aus dem Nest geworfen worden, weshalb sich der Messkircher Altstorch auch nicht mehr für den Horst interessierte, denn er kam nicht mehr zurück.
Leider war der Hausmeister an diesem verhängnisvollen Sonntag nicht erreichbar und auch sonst keine Person, die den Zugang zum Dach des Rathauses hätte öffnen können. Denn es bestand noch eine – allerdings geringe – Hoffnung, dass der kleine Storch den Sturz vom Kamin auf das Flachdach überlebt hatte. In diesem Fall hätte man ihn aufgepäppelt und in einen anderen Horst Oberschwabens zu einer Storchenfamilie gebracht.
Die Jungenaufzucht fand jedenfalls ein jähes Ende, und möglicherweise wird es auch im nächsten Jahr in Messkirch keine kleinen Störche geben. Denn es sieht sehr danach aus, als würde das gleichgeschlechtliche Paar bleiben wollen (siehe auch Bad Waldsee).
Aktuellste Nachricht aus Bad Waldsee vom 4. Juni: Die beiden Angreifer sind zurück in Bad Waldsee und stehen wieder auf dem Steinacher Horst. Was sollte das Ganze? Einfach nur Langeweile oder gar Elternneid?

Juli: Der Messkircher Storchenhorst blieb nicht lange leer. Die Bichtlinger Störche, 2010 erstmals in Oberschwaben brütend, zogen nämlich nach Brutverlust um den 20. Juni nach Messkirch um und blieben dort. Vermutlich werden sie sich nächstes Jahr für den Messkircher Horst entscheiden.

2009: Die Meßkircher Bürger freuen sich, denn es hat wieder ein Storchenpaar zu ihnen gefunden. Allerdings sind es nicht die Störche vom letzten Jahr. Das war auch nicht zu erwarten, denn die letztjährigen Störche dürften Meßkirch nach ihren üblen Erfahrungen dort für alle Zeit meiden (wir erinnern uns: es wurde kurz vor dem Schlupf der Jungen in Nähe des Nestes eine Kamera installiert, eine Aktion von mehr als drei Stunden; die Störche kehrten nicht mehr zu ihren erkalteten Eiern zurück).
Es handelt sich um einen unberingten Storchenmann und eine Storchendame mit einem Aluring unten am Fuß. Der Ring ist nur schwer zu sehen, weshalb es bisher nicht gelang, die Störchin zu identifizieren. Bei der letzten Kontrolle am 9. April wurde zwar noch nicht gebrütet, dem Verhalten nach zu urteilen, könnte das erste Ei aber bereits gelegt sein.
Einer der letztjährigen Meßkircher Störche wurde übrigens in einem anderen Brutort Oberschwabens gesichtet. Das Männchen ist nach Ölkofen gezogen, wo es ziemlich sicher auch brüten wird.

Das Neueste: Am Donnerstag, den 30. April, konnte endlich das Meßkircher Storchenweibchen identifiziert werden. Es handelt sich um die ehemalige Waldbeurener Brutstörchin, 1994 in Deisendorf geboren. Warum sie plötzlich nach langen Jahren ihren bisherigen Brutort und den Waldbeurener Gatten verlassen hat, bleibt wohl ihr Geheimnis (siehe auch Waldbeuren).

Juni: Da derzeit der Kirchturm saniert wird und nicht bestiegen werden darf, war es zuerst etwas schwierig, die genaue Jungenzahl im Meßkircher Horst festzustellen. Geschlüpft sind Mitte Mai drei Junge, was am 2. Juni bestätigt werden konnte.

Juli: Die Meßkircher Jungstörche hatten das Unwetter Ende Mai tatsächlich gut überstanden, und so konnten alle drei am 19. Juni beringt werden. Im Zuge dieser Aktion auf dem Dach des Rathauses entdeckte man unterhalb des Kamins dann noch einen ganz kleinen Kadaver eines Jungstorchs, der wohl gleich nach dem Schlupf gestorben und aus dem Nest geworfen worden war.
Jetzt wird es wohl bald soweit sein, und das Meßkircher Trio verlässt sein trautes Nest. In hohen Sprüngen erheben sich die Halbstarken über das Nest, und die Eltern stehen auf den Nachbardächern und locken. Sie bringen ihren Sprösslingen jetzt auch nicht mehr so viel zu fressen, denn selbst Futter fangen ist jetzt angesagt. Es wird ja auch langsam Zeit, gut fliegen zu lernen, denn im August geht es los nach Frankreich und Spanien, wer weiß, vielleicht sogar nach Afrika.

2008: Groß war die Freude bei den Meßkircher Bürgern, als Anfang April ein Weißstorchpaar in Meßkirch erschien und durch Nestbauaktivitäten auf dem Kamin des Rathauses zu verstehen gab, man wolle hier in Meßkirch bleiben und, wenn möglich, Junge aufziehen. Schon seit Jahren wartete man in Meßkirch auf Störche und hatte ihnen ein Nest auf dem Schloss angeboten, doch kein Adebar wollte dieses Nest annehmen. Anscheinend gefällt es den Störchen über dem Trubel der Stadt besser, wo zahlreiche sich aufheizende Dächer außerdem für gute Aufwinde sorgen.
Stadt und privater Naturschutz reagierten schnell und boten den Störchen eine Nistunterlage auf dem Kamin an, die auch prompt bebaut wurde. Der Storchenmann ist ein Oberschwabe, er wurde vor zwei Jahren in Ehingen an der Donau geboren. Seine Angebetete ist eine Französin. Das Paar fackelt nicht lange, in den letzten Apriltagen hat es tatsächlich mit dem Brutgeschäft begonnen.


Juni: Ein oder zwei Tage vor dem Schlupf der ersten Jungen in Meßkirch fand die Brut ein jähes Ende. Endlich hatte man Störche in Meßkirch, da wollte man die Sensation natürlich unbedingt sogleich im Internet präsentieren. Mit einer Hebebühne fuhr man in Nähe des Horstes aufs Dach des Rathauses und installierte eine Webcamera. Die ganze Aktion dauerte einschließlich Presseeinsatz (man musste ja schließlich die 3 Eier fotografieren) zweidreiviertel Stunden! Die Altstörche flogen gleich zu Beginn der Störung ab, was man unglaublicherweise nicht zum Anlass nahm, sofort das Dach zu verlassen. Das Gelege kühlte natürlich vollständig aus, die Brut war dahin. Bis zum Abend kehrten die Störche nicht wieder. 30 Tage lang hatten sich die Störche sorgfältig um ihre Eier gekümmert, alles umsonst. Die Bilder der Webcamera zeigen nun ein leeres Nest – und wenn die Meßkircher Pech haben – wird dies auch in den nächsten Jahren so bleiben. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass das Paar nach dieser üblen Erfahrung hier im nächsten Jahr nochmals einen Brutversuch wagt.



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